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Klimawandel:Masterplan für Bäume

Grüne fordern, das "Grünvolumen" der Stadt besser zu schützen

Als der alte Baum fiel, mussten Nachbarn entsetzt zusehen. "Auch Bäume haben ein Recht auf Leben", hatte eine Pasingerin auf ihr Plakat geschrieben. Der knorrigen Eiche half der spontane Protest nichts mehr. Sie musste im Mühlerweg einer Tiefgarage und einem Mehrfamilienhaus weichen. Das ist kein Einzelfall: Jährlich verschwinden in München auf Privatgrundstücken etwa 2000 Bäume, weil sie Bauherren im Weg sind. Oftmals sind sie Hunderte Jahre alt und nicht nur wichtig für das Stadtklima, sondern auch, um Schadstoffe aus der Luft zu filtern, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu dienen und, nicht zuletzt: Sie sind einfach schön. Die Grünen im Stadtrat versuchen seit Jahren, den Münchner Bäumen mehr Schutz zu geben, oft vergebens. "Das Bewusstsein in der Bevölkerung ist längst da, jetzt muss es aber bei anderen politischen Parteien viel mehr in die Köpfe", sagte Grünen-Fraktionschefin und Oberbürgermeisterkandidatin Katrin Habenschaden am Dienstag. Sie fordert nun mit ihrer Stadtratskollegin Sabine Krieger einen Masterplan für die Bäume in München.

Der Masterplan soll nicht nur die Grünflächen umfassen, sondern explizit das sogenannte Grünvolumen - also die nicht versiegelten Flächen und was auf ihnen in die Höhe wächst. Damit soll sichergestellt werden, dass alte und hohe Bäume genauer erfasst werden, damit so auch besser der Wert einer Grünfläche belegt ist. Denn eine hundertjährige Eiche mit einem Kronenvolumen von 4000 Kubikmeter hätte hundertmal mehr Volumen als ein zehn Jahre alter Baum und entsprechend weniger Filter- und Schutzfunktionen. Mit dem Masterplan soll nach Ansicht der Grünen auch festgelegt werden, welche Grünflächen in der Stadt von jeglicher Bebauung freigehalten werden müssen und auf denen sogar noch zehn Prozent nachgepflanzt werden sollten. Denn laut der sogenannten Manchester-Studie müssten in einer Stadt wie München künftig zehn Prozent mehr Bäume gepflanzt werden, um die Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere die steigende Hitze in der Stadt, auszugleichen.

Außerdem wollen die Grünen, dass die Münchner Baumschutzverordnung deutlich verschärft wird. Künftig soll demnach jede Baumaßnahme bei erhaltenswerten Bäumen von einer Fachkraft begleitet werden. "In Zeiten des Klimawandels sind unsere Bäume überlebenswichtig", sagt Habenschaden.

© SZ vom 27.11.2019
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