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Klimaherbst:Spielerisch gelöst

In der Vollversammlung stimmen die Teilnehmer der Planspiels zu "Münchens Mobilität der Zukunft" über verschiedene Maßnahmen ab.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Rund 40 Münchner diskutieren als "Stadträte" über Verkehrspolitik und Klimaschutz

Die Herausforderung ist groß, aber sie ist allen Verantwortlichen bewusst: München soll bis 2050 klimaneutral werden. Das hat der Stadtrat vor zwei Jahren beschlossen. Doch vor allem beim Straßenverkehr ist noch viel zu tun. Die Frage ist: Wie kann München CO₂-neutral und trotzdem mobil bleiben? Dieser Aufgabe muss sich nicht nur die Politik stellen, am Samstag schlüpften rund 40 Münchnerinnen und Münchner in die Rolle der Stadträte und diskutierten mehrere Stunden lang im Rahmen des Klimaherbstes über "Münchens Mobilität der Zukunft". Das Ergebnis des Planspiels ist durchaus überraschend: Die fiktiven Stadträte fassten nämlich ganz ähnliche Beschlüsse wie die, welche derzeit auch im Rathaus diskutiert werden.

Die Teilnehmer des fünfstündigen Projekts, das von der Münchner Volkshochschule, dem Bayernforum der Friedrich-Ebert-Stiftung, dem Netzwerk Klimaherbst und dem Verein Bildung für eine nachhaltige Entwicklung München (Bene) organisiert wurde, teilten sich zunächst in verschiedene Stadtratsfraktionen und diskutierten innerhalb diverser Ausschüsse über die möglichen Maßnahmen, um die Klimaziele im Verkehrsbereich zu erreichen. Dann ging es mit den vorläufigen Ergebnissen in die Vollversammlung. Die Forderungen des Finanzausschusses etwa, Busspuren in den kommenden fünf Jahren zügig auszubauen, den Autoverkehr (mit Ausnahmen) in den kommenden fünf bis zehn Jahren aus der Altstadt zu verbannen sowie den künftigen Straßenbau vor allem für öffentliche Verkehrsmittel und Radler zur Verfügung zu stellen, wurden mehrheitlich von der Vollversammlung angenommen.

Der Umweltausschuss brachte zudem die Idee ein, umgehend fünf Pilotprojekte zur Dachbegrünung anzugehen, zudem sollen nach Überzeugung der Mehrheit bis 2030 zehn Prozent der Parkplätze in München wegfallen und dafür Grünflächen geschaffen werden. Ziel müsse sein, dass der Verkehr umverteilt wird, hin zu mehr Rad- und öffentlichem Personennahverkehr und dafür weniger Autoverkehr.

Mehrere Münchner Stadträte, die die Debatte verfolgten, waren von der Arbeit des fiktiven Parlaments angetan. Marian Offman, der für die SPD das Planspiel mitverfolgte, freute sich, dass das "Thema so einvernehmlich diskutiert wurde". Der Klimawandel bewege schließlich alle. Paul Bickelbacher (Grüne) findet hingegen, dass in München noch zu wenig getan werde. Als Beispiel nannte er die Parkgebühren, die seit 15 Jahren nicht mehr angestiegen seien, während der MVV seine Preise kräftig angehoben habe. Richard Progl von der Bayernpartei kritisierte, dass einige Stadtratsentscheidungen seiner Meinung nach in die falsche Richtung gingen. Beim Ausbau des Carsharings habe sich gezeigt, dass man damit nicht Privatautos abschaffe, sondern den ÖPNV ersetze. "Das ist nicht der Sinn der Sache." Brigitte Wolf (Linke) fordert, dass München als reiche Stadt mehr Geld für die Verkehrswende in die Hand nehmen müsse. Thomas Ranft (FDP) hingegen findet, dass der Stadtrat das Ziel habe, "die Stadt nach vorne zu bringen". Auch beim Klimaschutz, doch über die Methoden wird im Stadtrat bisweilen heftig gestritten.