Was läuft in der Klassik?Was die jungen Pianisten anders machen

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Alice Sara Ott, hier bei einem Konzert mit den Münchner Philharmonikern, gehört zu den innovativsten Pianistinnen ihrer Generation.
Alice Sara Ott, hier bei einem Konzert mit den Münchner Philharmonikern, gehört zu den innovativsten Pianistinnen ihrer Generation. Tobias Hase/mphil

Youtube-Star „Cateen“ spielt im Prinzregententheater, Johannes Mergarten im Bahnwärter Thiel und Alice Sara Ott präsentiert das Klavierkonzert eines Indie-Rockers.

Von Jutta Czeguhn

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Klavierkonzerte. Wer im Publikums verschwendet schon einen Gedanken daran, wo das Piano auf der Bühne steht und wie es überhaupt dort hinkommt. Legendär jene Anekdote aus der New Yorker Carnegie Hall. Der große Exzentriker Vladimir Horowitz nahm es dort mit der Position seines Klaviers stets sehr genau. So kam es, dass er die „Stagehands“, also die Bühnenarbeiter, vor jedem Auftritt so lange herumdirigierte, bis sie den Flügel zu seinem Wohlgefallen platziert hatten. Kurioserweise waren es immer die gleichen Stellen für die drei Klavierbeine. Weshalb einer der Bühnenarbeiter auf die Idee kam, diese – für Horowitz unsichtbar – mit Schrauben zu markieren. Das obligatorische Piano-Geruckel fand aber trotzdem weiterhin statt.

Der junge Pianist Johannes Mergarten hat ganz andere Probleme, er muss den Transport seines Klaviers von Wien zu seinem Münchner Konzertort, dem Bahnwärter Thiel, erst mal aus eigener Tasche bezahlen, gewissermaßen in Vorleistung gehen, da ihm und Veranstalter Daniel Hahn die Fördergelder für das Konzert am 23. Dezember sehr kurzfristig weggebrochen sind. Weshalb man nun schwer auf das Münchner Publikum setzt, das in Scharen strömen möge zu diesem besonderen Konzert. Johannes Mergarten, der in München Jazz-Piano studiert hat, verspricht einen „feuchtfröhlichen und intensiven Abend, mit Pausen und Geschichten und natürlich schöner Musik“. Ähnlich wie vor ein paar Jahren, als er im Blitz Club spielte. Nun stellt er im Bahnwärter sein zweites Album „Life Story“ vor, eine Mischung aus gefühlvollen Kompositionen und spielerischer Improvisation, Jazz, Groove und ganz viel Neoklassik als Fundament.

Pianistin Alice Sara Ott ist die Solistin bei einem ungewöhnlichen Konzert der Münchner Philharmoniker am 15. und 16. Januar in der Isarphilharmonie, das auf den amerikanischen Kontinent führt. Da ist zum einen John Adams’ „Christian Zeal and Activity“ (1973), elegische Klangwolken, aus denen die Stimme eines Predigers hervortritt, der den englischen Hymnus „Onward, Christian Soldiers“ spricht. Das mag an den Duktus eines Martin Luther King erinnern oder aber an den Pathos von Seelenfängern der religiösen Rechten in den USA. Ebenfalls nicht frei von spirituellem Drang ist „Itaipú“, ein chorsymphonisches Werk, mit dem Philip Glass vom Schöpfungsmythos der Guaraní erzählt. 40 000 Angehörige dieses indigen Volkes verloren 1984 bei der Fertigstellung des Itaipú-Staudamms, der Brasilien und Paraguay mit Strom versorgt, ihre Heimat. Eingebettet zwischen diesen beiden Werken ist als deutsche Erstaufführung das neue Klavierkonzert des US-Komponisten und Indie-Rockers Bryce Dessner. Er hat es Alice Sara Ott und seiner Schwester, der Tänzerin und Choreografin Jessica Reese Dessner gewidmet, die seit Jahren gegen den Krebs kämpft.

Hayato Sumino, mit Künstlername „Cateen“, kommt ins Prinzregententheater.
Hayato Sumino, mit Künstlername „Cateen“, kommt ins Prinzregententheater. Clemens Ascher /Sony Classical

„Cateen“ nennt sich Hayato Sumino, der junge Japaner hat 1,3 Millionen Follower auf Youtube, die Währung unserer Zeit. Dass er mehr ist als ein Social-Media-Phänomen, kann der Pianist nun auch dem Münchner Publikum beweisen. Am 18. Januar kommt er ins Prinzregententheater, bei seinem Soloabend spielt er Werke von Bach, Skrjabin und Kapustin, dazu eine eigene Interpretation von Ravels „Boléro“ sowie eine Auswahl an Eigenkompositionen.

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