Nachruf:Trauer um Klaus Voswinckel

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Klaus Voswinckel. (Foto: Isolde Ohlbaum)

Der Münchner Autor und Filmemacher ist mit 81 Jahren gestorben. Er hinterlässt zahlreiche filmische Porträts über Komponisten und Musiker sowie Bücher mit sprachlichem Tiefgang.

Von Sabine Buchwald

Die Zusammenkunft, als "Jubelfest" von seinem Verlag angekündigt, hätte auch sein Abend werden sollen. 35 Jahre Verlag Bibliothek der Provinz gab es zu feiern sowie ein neues Lebensjahr von Klaus Voswinckel. Nicht von ungefähr hatte der österreichische Verleger Richard Pils einen Abend vor dessen Geburtstag, am 23. Mai, ins Lyrik Kabinett in der Maxvorstadt geladen. Bei dieser Gelegenheit sollte auch Voswinckels neues Prosawerk vorgestellt werden. Der Titel: "Unterwegs mit der Hoffnung".

Voswinckel aber sagte kurz vorher ab, ohne jedoch zu betonen, wie es um ihn stand. Und auch das Buch konnte Pils nicht wie geplant an diesem Abend vorlegen, denn der Schriftsteller hatte die Druckfahnen nicht mehr rechtzeitig korrigiert. Nun ist Voswinckel gestorben, an seinem Geburtstag. Seine letzten Texte, so berichtet sein Verleger, läsen sich rückblickend als Hinweise auf das Kranksein, auf den nahenden Abschied. Für ihn seien Voswinckels Zeilen über "das Unterwegssein", über eine "innere und äußere Reise" Höhepunkte dessen tiefen Spürens, zu dem der "bescheidene, überaus herzliche und zugewandte" Autor fähig war.

Voswinckel wurde 1943 in Hamburg geboren. Er studierte Philosophie in Freiburg im Breisgau und Germanistik an der LMU in München, wo er seit Mitte der Sechzigerjahre lebte, wenn er nicht in Apulien war. In Süditalien fand Voswinckel eine zweite Heimat. Über den Dichter Paul Celan, den er noch in Paris kennenlernen konnte, hat Voswinckel promoviert. Die Beschäftigung mit dem in der heutigen Ukraine geborenen Dichter prägte den Autor und Filmemacher stark. Weitere Besuche der französischen Hauptstadt wurden zu Gedankenbegegnungen mit Celan.

Trotz aller Tiefe, in die sich Voswinckel bei seiner Arbeit zu stürzen vermochte, etwa bei der literarischen Bewältigung der Demenz seiner Mutter, gelang ihm auch erquickliche Leichtigkeit in Wort und Bild. Diese Fähigkeit war vielleicht seiner Liebe zur Musik und Natur geschuldet. In zahlreichen Filmen, 1977 hatte er seine eigene Produktionsfirma gegründet, widmete er sich kenntnisreich Komponisten und Musikern, aber auch Landschaften, fremden Kulturen und ihren Menschen. Es entstanden filmische Porträts etwa über den Pianisten Nicolas Economo, die Komponisten Wolfgang Rihm, Steve Reich, Moritz Eggert sowie über Sibirien oder Ghana.

Voswinckel war Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller und des deutschen Pen-Zentrums. Er erhielt Stipendien und Auszeichnungen, darunter etwa den Literaturpreis der Stadt München, die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, den Dokumentationspreis beim Unerhört-Filmfest. Voswinckel hinterlässt seine Ehefrau Ulrike, eine Tochter und ein reiches Werk. Sein letztes Buch soll "nicht unbedingt kongruent mit dem Weltgeschehen" (...) "Besinnung auf etwas Stilleres" sein und "uns Kraft zum Atmen" geben, wie Voswinckel an seinen Verleger schrieb.

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