„Stars and Rising Stars“ – Zum neunten Mal tritt das Festival für Nachwuchsmusiker der Klassik und ihre berühmten Mentoren (3. bis 24. Mai) nun an. Und bis auf wenige Ausnahmen wird es nicht in den für Klassikkonzerte üblichen Münchner Sälen veranstaltet. Da sind die Räumlichkeiten im Künstlerhaus oder in der Allerheiligen Hofkirche nur die bekanntesten. Aber wann landet man als Konzertbesucher schon einmal in der Aula des Wilhelmsgymnasiums oder im legendären Odeon? Dort, wo sich heute der Innenhof des Innenministeriums befindet, befand sich einst Münchens gerade wegen seiner Akustik berühmtester Konzertsaal.

Bei früheren Festival-Ausgaben traten die Starmentoren mit ihren Rising Stars auch mal in der Freiheizhalle, im Utopia oder im Harry Klein auf. Und siehe da, die ungewohnten Örtlichkeiten locken eine andere Publikumsmischung in die Konzerte als etablierte Abo-Konzertreihen: Das Auditorium ist jünger, unbefangen und neugierig darauf, wen die Großen da gleichsam in ihrem Namen auf die Bühne bringen. Übrigens mit sichtbarem Erfolg, denn in der Tat haben einige der Jungen inzwischen selbst den Weg in die großen Häuser gefunden.
Flügge seien sie geworden, sagt Kari Wolfsjäger, die Initiatorin und künstlerische Leiterin des Unternehmens und nennt die glänzende Cellistin Raphaela Gromes oder deren Cellokollegen Kian Soltani ebenso wie die tolle ägyptische Sopranistin Fatma Said oder die Perkussionistin Vivi Vassileva als Beispiele. Doch es gibt noch mehr Erfolgsmeldungen: Der Cellist Yuja Okamoto ist inzwischen beim weltberühmten Quatuor Ebène dem großen Kollegen Rafael Merlin nachgefolgt, der chinesische Weltklassegeiger Ziyu He konzertiert allüberall in Asien und Europa, der Pianist Amadeus Wiesensee war der erste Artist in residence im Beethovenhaus Bonn und tourt in Europa.
Der schwungvolle Geiger Tassilo Probst hat mit dem exzellenten Maxim Lando am Klavier eine sehr gute Duo-CD eingespielt, und die Dirigentin Anna Handler ist gerade zur Kapellmeisterin an der Deutschen Oper Berlin ernannt worden, außerdem für zwei Jahre Assistentin von Andriss Nelsons beim Boston Symphony Orchestra. Man kann getrost sagen: die Jungen, die bei Stars & Rising Stars dabei sind, die können es weit bringen. Im Kuratorium engagieren sich neben Künstlern wie Klaus Maria Brandauer, Vladimir Jurowski oder Peter Ruzicka auch Politiker.

Die neunte Festival-Ausgabe bietet wieder eine Vielfalt an Talenten. Zur Eröffnung lädt die wunderbare Geigerin Arabella Steinbacher ins Künstlerhaus ein: ihren eminent begabten Kollegen Simon Zhu, 2000 in Tübingen geboren, 2023 Sieger beim Paganini-Wettbewerb in Genua und noch Student bei Ana Chumachenco, bei der auch Arabella Steinbacher selbst einst studiert hat. Dazu kommen der vielfach preisgekrönte Cellist Ettore Pagano aus Rom, Jahrgang 2003, und der fabelhafte ukrainische Pianist Dmytro Choni, seit ein paar Jahren Duo-Partner von Frank Peter Zimmermann.

Udo Wachtveitl liest im Wilhelmsgymnasium „Casanovas Heimfahrt“ von Arthur Schnitzler (6.5.). Laura Handler, Violine, Jahrgang 1998, Ybai Chen, Violoncello, 2001 geboren, und Gabriele Strata, 23 Jahre alt, umrahmen diese Lesung mit Ludwig van Beethovens Es-Dur-Trio op. 70, 1 und mit dem dritten Klaviertrio von Brahms op. 101. Das renommierte Quartetto di Cremona holt sich am 7. Mai in der Allerheiligenhofkirche den römischen Cello-Landsmann Ettore Pagano dazu, wenn sie zuerst ein Streichquintett von Luigi Boccerini und am Schluss das Quintett aller Quintette, das in C-Dur von Franz Schubert, spielen. Dazwischen gibt es Beethovens op. 132.

Der bedeutende Pianist Martin Helmchen bietet ein Konzert in Schloss Blutenburg am 8. Mai und präsentiert dort den 19-jährigen glänzenden Geiger Guido Sant' Anna, dazu Cellist Ybai Chen und den 1998 geborenen Pianokollegen Piotr Pawlak aus Polen. Neben Schuberts f-Moll-Klaviersonate erklingt noch Brahms' H-Dur Trio, Mendelssohns c-Moll-Trio, Maurice Ravels Tzigane und Chopin/ Franchommes Grand Duo concertante für Cello und Klavier.

Am 13. Mai lädt die berühmte Sopranistin Simone Kermes zu einem abwechslungsreichen Abend ins Künstlerhaus mit drei jungen Tenören und einem Pianisten: Krzystof Lachman, Michal Proszynski aus Polen und Ilja Skvirskii aus Russland werden mit Maciej Pikulski am Klavier sich mit einer Arien- und Duett-Tour von Mozart, Donizetti bis hin zu Franz Lehár und George Gershwin durchsingen. Und über allen die hochvirtuose Simone Kermes.

Am 15. Mai sollte niemand den Besuch im Odeon versäumen, auch wenn es nurmehr die Hülle ist, in die jener einzigartige Saal eingebaut war, in dem einst Franz Liszt und Feruccio Busoni aufgetreten sind, in dem Thomas Mann seine Lesungen und Vorträge abhielt oder Bruno Walter das Staatsorchester leitete, um nur einige erlauchte Namen zu nennen, die einst in diesem 1944 zerstörten Konzertsaal erschienen sind.
Jetzt also kann man im Innenhof sitzen und dem geigenden Komunikator Daniel Hope und dem renommierten Pianisten Andrea Lucchesini zuhören. Die beiden Stars bieten dazu den Tenor Alekseij Kursanov, den Cellisten Benjamin Kruithof und den Pianisten Gabriele Strata auf für ein vielschichtiges Programm, das von Mozarts Violinsonte KV 304 über Brahms' e-Moll-Cellosonate bis hin zu Erwin Schulhoffs Violinsonate von 1927 reicht. Dazu noch Stücke von Chopin, Schumann und Tschaikowski nebst Arien von Mozart, Rossini, Bizet und Donizetti.

Im Schwere Reiter wird am 17. Mai der eindrucksvolle Tenor Daniel Behle singen unter anderem Musik von Bach und Bizet, von Mozart und Massenet. Seine Rising Stars sind die russische Mezzosopranistin Victoria Karkacheva und der wohlbekannte Münchner Violinist Tassilo Probst. Am Klavier sitzt Semion Skigin.
Am 21. und am 24. Mai sind es zwei weltbekannte Cellomeister, die junge Nachwuchsmusiker einladen: Zuerst Alban Gerhardt und zum Abschluss Jan Vogler. Gerhardt tritt im Künstlerhaus auf, mit von der Partie sind der großartige Pianist Amadeus Wiesensee, die Geigerin Katharina Stepp, 2002 in München geboren, und der Bariton Jeffrey Herminghaus.Da werden neben Beethovens Cellosonate op. 102, 1, unter anderem auch eine Elegie für Bassbariton, Cello und Klavier von Jules Massenet oder Volkslieder für Klaviertrio und Gesang zu hören sein.
Das Schlusskonzert findet in der Allerheiligenhofkirche statt, neben Jan Vogler treten noch einmal Amadeus Wiesensee und Tassilo Probst auf, hinzu kommt der koreanische Tenor Sungmin Song. Der Musikbogen spannt sich von Schumann über Arien von Puccini, Massenet und Lehar bis zu Ravel. Das Schlussstück des Festivals 2025 bildet das grandiose d-Moll-Trio von Mendelssohn Bartholdy.
Stars & Rising Stars, 3. bis 24. Mai, diverse Veranstaltungsorte, Karten unter www.muenchenticket.de

