Klassik Schubert beim Barbier

Mit "Der Hidalgo" startet in München ein ungewöhnliches Festival.

Der Bedarf an Klassik-Events ist in München eigentlich gut gedeckt. Auch wenn den Veranstaltern vielleicht irgendwann die Zuschauer ausgehen werden, weil der Altersdurchschnitt derer, die sich in die Philharmonie, die Oper oder den Herkulessaal begeben, um dort höherpreisige Hochkultur zu genießen, kontinuierlich steigt. Dass das nicht an der Musik liegt, will nun der junge Münchner Tom Wilmersdörffer beweisen, indem er etwas initiiert, was München erst einmal nicht in einer weiteren Ausführung braucht: ein Klassikfestival. Doch die Vision des Endzwanzigers, der selbst ausgebildeter Sänger ist und derzeit ergänzend BWL studiert, unterscheidet sich doch ziemlich von dem, was man in den üblichen Konzertreihen in München so zu hören bekommt.

Das beginnt bei den Orten. Wilmersdörffers Festival, das er "Der Hidalgo" nach dem gleichnamigen Schumann-Lied getauft hat, startet zwar im Max-Joseph-Saal der Residenz, wandert dann aber über fünf Abende hinweg an Orte wie den Hipster-Bart-Frisiersalon "Barber House" in der Fraunhoferstraße oder den Techno-Club Harry Klein. Als Klammer funktioniert eine Reise durch fünf Akte, die mit "Epimetheus" (Sa., 8. Sep., Max-Joseph-Saal) beginnt. Der Bruder des Prometheus, der mit Pandora und ihrer gleichnamigen plagengefüllten Büchse verheiratet war, dient dabei als Namensgeber, und die Plagen, die Wilmersdörffer dann bei seinem "Hidalgo" über die Münchner Klassikwelt ergießen wird, nennen sich Pop-Appeal, Techno und Freiheit im Umgang mit der Werktreue.

Doch was des einen Plage ist, ist in dem Fall der Jugend Segen. Das hofft zumindest Wilmersdörffer, der ein Publikum um die 30 ansprechen und die Faszination für die Liedkunst in die Gegenwart tragen will; mit Abenden, in denen die Lieder Schumanns und Schuberts mit Slam Poetry von Felicia "Fee" Brembeck (Mo., 10. Sep., Bahnwärter Thiel), Schauspiel von Gina-Lisa Maiwald (Di., 11. Sep., Einstein Kultur) oder Spirituosen, Rasuren und Handmassagen (So., 9. Sep., Barber House) gemischt werden. Das Ganze gipfelt im nach dem Lichtbringer "Prometheus" benannten letzten Akt im Harry Klein. Der Münchner Techno-Klassik-Komponist Claas Krause hat dafür über Lieder von Robert Schumann und Jacques Hétu Elektro- und Deep-House-Variationen geschrieben (Do., 13. September).

Der Hidalgo, Samstag, 8., bis Donnerstag, 13. September, verschiedene Spielorte, mehr Infos hier