Was läuft in der KlassikBühne frei für die großen Exzentriker der Klassik

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Es muss nicht immer der Bademantel sein: Chilly Gonzales in Tarnklamotten bei einem Konzert  2018 in Berlin.
Es muss nicht immer der Bademantel sein: Chilly Gonzales in Tarnklamotten bei einem Konzert  2018 in Berlin. imago images/Pop-Eye

Sie sind virtuos und alle auf ihre ganz spezielle Weise extravagant: Chilly Gonzales, Yuja Wang, Teodor Currentzis, Daniil Trifonov und Jakub Józef Orliński kommen im Mai nach München und Augsburg.

Von Jutta Czeguhn

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Wann hat man schon mal Gelegenheit, in eine Klassikkolumne mit einer Band namens The Shit einzusteigen? Aber keine Angst, gleich wird es wieder seriös, denn wir bewegen uns – mit einem kleinen Umweg über den Berliner Underground – direkt auf das Augsburger Mozartfest zu. Denn dort wird Chilly Gonzales auftreten, der einst mit seiner kanadischen Landsfrau, der Elektropunk-Ikone Peaches und der Krachband mit dem Fäkalnamen, die Hauptstadtclubs unsicher machte. Wer also vor den beiden Gonzales-Konzerten in Augsburg seiner besonderen Bühnenpersona etwas nahe kommen möchte: Da gibt es in den einschlägigen Streamingdiensten die Dokus „The Teaches of Peaches“ und „Shut up and play the piano!“ über Mister Gonzales.

Doch der Mann aus Montreal ist nicht nur als Rampensau unterwegs, der 54-Jährige ist auch ein preisgekrönter Komponist und Klaviervirtuose. Ob auch diesmal im legendären Bademantel? Im Augsburger Kesselhaus wird Gonzales am 4. Mai mit seinem legendären Programm „Solo Piano“ auftreten. Am 5. Mai ist er dann im Trio zu erleben, quasi als Kollaborateur eines nicht minder extravaganten Kollegen. Malakoff Kowalski, der gerne eine dunkelblaue Kapitänsmütze trägt, singt „Songs With Words“: Musik von Chopin und Schumann zu Gedichten des großen Beatpoeten Allen Ginsberg, der seinerseits ein begnadeter Exzentriker und Performer war. Die Dritte im Bunde an diesem Abend ist die junge Jazzpianistin Johanna Summer. Eine, die ebenfalls gerne ihr eigenes Ding macht.

Klavierkünstlern wurde ja immer schon ein gewisser Hang zur Exzentrik nachgesagt. Man könnte da zur Beweisführung Franz Liszt, Glenn Gould oder den hypersensiblen Arturo Benedetti Michelangeli nennen, dessen Launen gefürchtet waren. Gegen diese genialen Sonderlinge erscheinen die Schrullen heutiger Pianostars gerade zu langweilig.

Liebt modische Auftritte: Pianistin Khatia Buniatishvili.
Liebt modische Auftritte: Pianistin Khatia Buniatishvili. Esther Haase

In München jedenfalls kann man im Mai einige von ihnen erleben: Da ist Daniil Trifonov, der am 15. Mai im Herkulessaal zusammen mit dem Geiger Nikolaj Szeps-Znaider auftreten wird. Dem Pianisten haftet das Image eines eigenbrötlerischen Grüblers und Perfektionisten an, der aber mit seinem Spiel einen Saal in Extase versetzen kann. Eigenwillig, technisch virtuos und doch ein komplett anderes Temperament ist Khatia Buniatishvili. Eine Charismatikerin, leidenschaftlich, die stets den Kontakt zum Publikum sucht. Am 19. Mai kommt sie in die Isarphilharmonie mit Werken von Chopin, Mozart, Liszt und Bach. Es ist der Nachholtermin für ihr am 1. Dezember 2025 abgesagtes Konzert. Ob sie auch den Abend im Washingtoner Kennedy Center, pardon „The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“, nachholen wird, den sie kürzlich abgesagt hat?

Khatia Buniatishvili liebt auch den spektakulären modischen Auftritt. Früher, als das Geld noch knapp war, hat ihre Mutter für sie geschneidert, mittlerweile übernehmen diesen Job namhafte Designer. Auch Kollegin Yuja Wang ist eine Stilikone und sorgt regelmäßig für Verblüffung mit ihren superkurzen Bühnen-Outfits. „Lange Röcke kann ich tragen, wenn ich 40 bin“, wurde sie einst zitiert. Heute ist sie 39, und Mini und High Heels sind bei ihr immer noch angesagt. Eines aber ist klar, das Spielkönnen der Chinesin ist über die Jahre noch umwerfender geworden: wieder zu erleben am 23. und 24. Mai mit den Münchner Philharmonikern in der Isarphilharmonie.

Und noch eine Ausnahmeerscheinung der Klassik. Auch wenn das meistverwendete Adjektiv für Dirigent Teodor Currentzis mittlerweile „umstritten“ lauten dürfte, ist er immer noch einer der faszinierendsten Exzentriker im Klassikzirkus. Weil er sich nie klar vom russischen Angriffskrieg und dem Regime distanziert hat, haben sich Teile des Publikums von ihm abgewandt. Der Mehrheit allerdings scheint die Politik egal. So wird auch das Konzert am 11. Mai, das der 54-Jährige zusammen mit seinem Utopia Orchestra in der Isarphilharmonie bestreitet, wieder sehr gut besucht sein. Auf dem Programm stehen Alban Bergs Violinkonzert („Dem Andenken eines Engels“) mit Vilde Frang als Solistin sowie Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 1 D-Dur.

Ein Countertenor im Einhandstand: Jakub Jósef Orliński, hier beim Opus Klassik 2019, ist begeisterter Breakdancer.
Ein Countertenor im Einhandstand: Jakub Jósef Orliński, hier beim Opus Klassik 2019, ist begeisterter Breakdancer. Malte Ossowski

Countertenor Jakub Józef Orliński trägt stets einen kleinen Anstecker am Hipster-Hut: die ukrainische Flagge. Ein klares Bekenntnis des Polen zu den überfallenen Nachbarn. Ein Besonderer im Klassikbusiness ist auch er. Barockmusik und Breakdance sind die großen Leidenschaften des 35-Jährigen. Bei seinem Konzert am 17. Mai im Prinzregententheater wird er wohl nicht tanzen, aber gewiss wunderschön singen:  Werke Purcells, Händels und polnisches Repertoire von Tadeusz Baird und Mieczysław Karłowicz.

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