Wie ein großes Outdoor-Paradies fühlt sich München an in diesem Sommer 2026. Bei „Oper für alle“ am Samstag, 4. Juli, musste niemand sorgenvoll gen Himmel blicken, wo nur ein paar Zierwölkchen im bayerischen Blau herumflockten. Ansonsten mediterran angenehm bis zum Schlussapplaus nach mehr als fünf Stunden Wagner.
„Summertime, and the livin’ is easy …“ – das wünscht man auch den Open-Air-Events am kommenden Wochenende: Am Samstag, 11., und Sonntag, 12. Juli, feiern sie auf dem Gärtnerplatz, und auf dem Odeonsplatz werden nun auch wieder die Stühle aufgestellt für die Konzerte mit den Spitzenorchestern der Stadt, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und den Münchner Philharmonikern.
Die BR-Symphoniker machen wieder den Anfang, bei Klassik am Odeonsplatz am Samstag (Beginn um 20 Uhr) steht der Chef selbst am Pult: Sir Simon Rattle und sein Orchester ehren einen Mann, der am 11. Juli 1937 im Alter von nur 38 Jahren an den Folgen eines Hirntumors starb: George Gershwin, der vielleicht amerikanischste aller Komponisten.
Ob Sir Simon bei der Programmauswahl an den 250. Geburtstag der USA und gar an ihren aktuellen Präsidenten gedacht hat? Zu hören ist die Ouvertüre zu „Let ’Em Eat Cake“, ein hierzulande eher unbekanntes satirisches Broadway-Musical Gershwins aus dem Jahr 1933, das nicht von ungefähr im Titel auf ein Marie Antoinette zugeschriebenes Zitat anspielt: „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen.“ Der Inhalt: Ein amerikanischer Präsident verliert die Wiederwahl, beschließt, die neue Regierung zu stürzen und anschließend das Weiße Haus umzugestalten.

„Summertime, and the livin’ is easy …“ Ebenfalls zu hören bei diesem Gershwin-only-Abend: „Porgy and Bess: Symphonic Picture“, eine 24-minütige, rein orchestrale Reise durch die berühmte Oper, die immer schon viele Fragen aufgeworfen hat. Handelt es sich um kulturelle Aneignung eines weißen Komponisten, Sohn jüdischer Einwanderer aus St. Petersburg, der, wenn auch mit Sympathie und Empathie, die musikalische Sprache der Schwarzen kopiert, verkitscht? Und umgekehrt: Was ist von Gershwins Verfügung zu halten, dass „Porgy and Bess“ nur von Schwarzen gespielt werden dürfe.
Gershwin also, der für die Synthese von Klassik und Jazz steht, ist aktueller denn je. Weitere Werke an diesem ersten Abend von Klassik am Odeonsplatz: Sein Concerto in F, Konzert für Klavier und Orchester, das 1925, ein Jahr nach der „Rhapsody in Blue“ entstand. Solist des Abends mit den BR-Symphonikern ist erstmals der Pianist Kirill Gerstein.

Chefdirigent Lahav Shani und seine Münchner Philharmoniker bitten die Geigerin Janine Jansen zu ihrem Konzert am Sonntag, 12. Juli, 20 Uhr, auf die Bühne. Ehe die Solistin mit Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 eines der bedeutendsten Werke der Violinliteratur präsentiert, wird es stürmisch, zumindest auf der Bühne. In der Ouvertüre zu Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ saust man mit den „Philis“ durch das Opernwerk und kann sich schon mal einhören in die wichtigsten Melodien aus Arien und Szenen. Man muss schließlich nicht sieben Jahre warten, ehe man für Bayreuth Karten bekommt und an Land gehen darf. Im Februar 2027 ankert der „Holländer“ wieder im Spielplan der Bayerischen Staatsoper.
Umrahmt von der Wagner-Oper und Felix Mendelssohn
Bartholdys „Schottischer“ Symphonie spielen Janin Jansen und die „Philis“ Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26, das zum Pflichtrepertoire aller großen Geigerinnen und Geiger gehört, seinen Komponisten allerdings zu einer Art Fluch wurde. Denn dieses Werk war schon kurz nach der Uraufführung 1868 ein derartiger Erfolg, dass Bruch komponieren konnte, was er wollte, alle wollten nur dieses eine Violin-Konzert hören. Ein klassisches One-Hit-Wonder.
Klassik am Odeonsplatz, Samstag und Sonntag, 11. und 12. Juli, jeweils 20 Uhr; wie immer gibt es Streams, zeitversetzte Übertragungen und Aufzeichnungen, Infos, Mitschnitte und Karten unter www.klassik-am-odeonsplatz.de.
Besetzungsänderung: Wie die Münchner Philharmoniker mitteilen, muss Janine Jansen ihre Mitwirkung bei Klassik am Odeonsplatz am 12. Juli aus gesundheitlichen Gründen absagen. Kurzfristig einspringen wird die spanische Geigerin María Dueñas, die anstelle von Jansen das Violinkonzert Nr. 1 g-Moll von Max Bruch interpretieren wird.

