Kitas ohne städtische Förderung Eine Sprache zu viel

In den Infanterix-Kitas in München lernen die Kinder neben Deutsch auch Englisch oder Chinesisch. Doch das Angebot geht über den "unmittelbaren Bedarf" hinaus, darum zahlt die Stadt weniger Fördermittel. Den Eltern bleiben deshalb nur zwei Möglichkeiten.

Von Melanie Staudinger

Benjamin Tajedini reiste nach China, nach Finnland, Spanien, Frankreich und Rumänien. Dort rekrutierte der gebürtige Iraner Mitarbeiter für seine sechs Infanterix-Kindertagesstätten in München. Er sah sich Kindergärten an, besuchte Ausbildungsschulen, sprach mit potenziellen Bewerbern. Das tut er, weil qualifizierte Erzieher und Kinderpfleger in Deutschland fehlen. Das macht er aber auch, weil er ohne fremde Muttersprachler nur wenig ausrichten kann in seinen zweisprachigen Krippen- und Kindergartengruppen.

Bis zu 800 Euro bezahlen Eltern in Schwabing, Moosach, Neuhausen oder Aubing, damit ihre Kinder in der Kita neben der deutschen Sprache auch Englisch, Französisch und Chinesisch lernen. Es ginge auch günstiger, sagt Tajedini, wenn die Stadt ihn in das sogenannte Betriebsträgermodell aufnehmen würde. Das allerdings sei nach der derzeit geltenden Richtlinien nicht möglich, kritisiert er.

Um neun Uhr frühstücken die Krippenkinder in der Kita in Moosach. Die größeren sitzen schon vor ihren Broten. Ein Erzieherin zieht einem Jungen noch sein Ärmellätzchen an, damit auch nichts daneben geht. Gegenüber im Kindergarten sind die Kinder ein wenig freier in ihrer Entscheidung. Offenes Frühstück nennt sich das. Wann genau sie essen, bestimmen sie alleine. "Wir wollen die Kinder zur Selbständigkeit erziehen", sagt Tajedini, während er durch das Rundfenster in den Raum blickt.

Vor sechs Jahren hat der studierte Betriebswirt seine erste Kindertagesstätte in München eröffnet. Er stammt aus Iran, lebte in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. "Wer in ein neues Land zieht, will sich integrieren, seine eigene Kultur aber nicht komplett aufgeben", sagt er. An diese Zielgruppe wenden sich seine Kitas.

Bewusst hat Tajedini sie in der Nähe großer Unternehmen wie Siemens oder der Bundesbank angesiedelt. Mit den Firmen unterhält er Kooperationsvereinbarungen: Sie unterstützen die Einrichtungen finanziell, dafür bekommen die Mitarbeiter günstigere und vor allem sichere Betreuungsplätze für ihre Kinder. Sie bezahlen den Betrag, der auch in den städtischen Einrichtungen zu entrichten wäre, also maximal 421 Euro für einen Krippen- und 202 Euro für einen Kindergartenplatz.