Kitas in München 2600 neue Krippenplätze pro Jahr

München hat den Erziehermangel in den Griff bekommen - Engpässe gebe es nur in einzelnen Kindertagesstätten. Nun will die Stadt den Ausbau der Kinderbetreuung fortsetzen. Denn noch haben längst nicht alle Eltern einen Betreuungsplatz in den 1200 Einrichtungen gefunden.

Von Melanie Staudinger

Die Stadt München hat den Fachkräftemangel in ihren Kinderbetreuungseinrichtungen weitgehend in den Griff bekommen. Vor knapp einem Jahr hatte das Bildungsreferat Alarm geschlagen, dass der Engpass bei pädagogischen Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt dazu führen könnte, dass der Betrieb in neuen Einrichtungen mangels Erziehern nur teilweise aufgenommen werden kann. Nun gibt der zuständige Stadtschulrat Rainer Schweppe Entwarnung. Der Stadt sei es gelungen, alle Planstellen zu besetzen. Engpässe gebe es nur in einzelnen Kindertagesstätten. Die Stadt sucht zudem 175 zusätzliche Erziehungskräfte, die etwa im Krankheitsfall schnell einspringen.

Der Knackpunkt beim Ausbau der Kinderbetreuung "ist das Personal", sagte Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD). Aktuell sind in den städtischen Kitas gut 2600 Erzieher und 1500 Kinderpfleger beschäftigt. Etwa 500 davon wurden zum September eingestellt. "Die Situation ist leicht problematisch, aber nicht so, wie wir vor ein paar Monaten noch angenommen hatten", sagte Schweppe.

Seit 2008 wirbt München europaweit um Erzieher, präsentiert sich auf Messen, bietet Schnupperwochen und Hospitationen. Zudem hat die Stadt die Zahl der Ausbildungsplätze an ihren Fachschulen erhöht. Seit September bietet das Assistenzkräftemodell Menschen mit Erfahrung als Tagesmutter oder in der Mittagsbetreuung eine auf zwei bis drei Jahre verkürzte Lehrzeit an.

Trotz der aktuellen Entspannung geht die Suche nach Personal weiter, weil stetig neue Betreuungsplätze geschaffen werden. Für Kinder zwischen einem und drei Jahren gibt es derzeit 16 606 Plätze, fast 1000 mehr als im Vorjahr. Bis Ende 2015 sollen 21 800 Kleinkinder unterkommen. Bei den Kindergartenkindern verläuft die Entwicklung ähnlich. Für sie gibt es 39 506 Plätze, 43 800 sollen es bis 2015 sein. München will bis zum Jahr 2016 für städtische Kita-Projekte 340 Millionen Euro ausgeben. Nicht-städtische Träger bekommen fast 100 Millionen Euro an Zuschüssen. "Diese Zahlen können sich sehen lassen", sagte Strobl.

Elf Klagen eingegangen

Noch aber haben längst nicht alle Eltern einen Betreuungsplatz in den 1200 Einrichtungen in München gefunden. Die städtische Servicestelle U 3 hat im vergangenen halben Jahr fast 5000 Anfragen bearbeitet und 863 Plätze an Kinder vermittelt, die im Anmeldeverfahren leer ausgegangen waren. Seit August haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre ein- bis dreijährigen Kinder. Wer keinen findet, kann die Stadt verklagen.

Bisher sind beim Verwaltungsgericht München elf Klagen von Eltern eingegangen, die mit den Angeboten der Stadt unzufrieden waren, größtenteils weil ihnen der Weg zur Krippe zu weit war. In einem Fall gibt es bereits ein Urteil: Die Richter halten eine Fahrzeit von 30 Minuten für angemessen. Das entspricht der Einschätzung der Stadt. "Wir werden es nicht schaffen, alle Kinder im fußläufigen Bereich unterzubringen. Das geht in München nicht", sagte Strobl.

Dass noch mehr Kitas gebraucht werden, bestreiten Schweppe und Strobl nicht. Neben der Personalsuche sei es aber schwierig, freie und geeignete Grundstücke im dicht bebauten München zu finden. Auch sei der Bedarf in einer Großstadt grundsätzlich höher als in ländlichen Gebieten. "Auf dem Land reicht wahrscheinlich schon ein Versorgungsgrad von 30 Prozent aus, bei uns nicht einmal einer von knapp 70 Prozent", sagte der Stadtschulrat.