Zwei gewichtige, ebenso groß dimensionierte wie berühmte und beliebte Werke standen auf dem Programm der Sonntagsmatinee für die Freunde des Nationaltheaters in selbigem: Das erste Klavierkonzert von Johannes Brahms in d-Moll mit Daniil Trifonov als Solisten und die vierte Symphonie von Peter Tschaikowsky. Kirill Petrenko war dafür zu „seinem“ Orchester zurückgekehrt und dirigierte ein triumphal mit Beifall bedachtes Konzert.
Schon der majestätische Beginn elektrisierte und war der Beginn eines spannungsvollen Musizierens auf hohem Niveau zwischen dem überragenden Solisten und einem immer wieder wie unter Strom stehenden Orchester. Kaum zu glauben, dass das Werk einst für zwei Klaviere gedacht war, schon eher, dass es auch zeitweise als Symphonie gedacht war, so symphonisch gibt es sich, aber auch dialogisch mit dem Klavier, das hier weniger virtuos, sondern wie ein primus inter pares agiert.
Sowohl der intensive Zugriff und die pianistische Pranke wie die lyrischen, leisen Passagen gelangen Trifonov mehr als überzeugend. Das Porträt Clara Schumanns, als das Brahms das Adagio apostrophierte, war nicht minder schön, ja geradezu bezaubernd musiziert, bevor das Rondo-Finale mit viel Anmut beglückte. Als Zugabe spielte Trifonov eine hochvirtuose, unglaublich dichte Fuge von Sergei Tanejew.
Tschaikowskis vierte Symphonie erlebte nach der Pause eine ebenso gültige Interpretation, beginnend mit dem dominierenden Schicksalsmotiv der Blechbläser und einem leidenschaftlichen, aber nie überhetzt klingenden ersten Satz, samt seiner feinen Holzbläsersoli, endend mit einem wilden, oft atemlosen, dann wieder ganz zarten Allegro con fuoco, vom Staatsorchester fulminant gespielt.
Ungemein präzise musiziert war das von den Streichern durchgehend gezupfte Pizzicato ostinato des Scherzos, das die Bläser umso deutlicher tänzerisch herausstellte, und auch der langsame Satz berührte, beginnend mit einem trauerumflorten Oboensolo in seiner Schwermut, die sich aber auch leicht aufhellen konnte. Diese Vielgestaltigkeit rundete sich, wie überhaupt die ganze Symphonie, zu einem farbenprächtigen Ganzen.

