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Kirche:Marias Legionen

100 Jahre Patrona Bavariae

Gläubige stehen mit Fahnen und Tracht um die Marien-Statue am Marienplatz.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Tausende Gläubige wallfahren am Wochenende nach München, um die Schutzpatronin Bayerns zu feiern. Kardinal Reinhard Marx bittet um himmlischen Beistand: "Erleuchte die Regierenden!"

Von Thomas Anlauf

Maria hat sich fesch gemacht. Der silberne Dutt der älteren Dame glänzt in der Morgensonne, für das besondere Ereignis hat sich die Maria aus Regensburg ihr bestes Festtagsgewand angezogen - natürlich ein prachtvolles Dirndl. Mit ihrem Trachtenverein hat sie sich auf die Wallfahrt nach München begeben. "Damit i aufgfrischt werd'", sagt Maria und lacht. Noch geht es hier am Rindermarkt beschaulich zu, ein paar Bläser stimmen besinnliche Melodien an. Nebenan, am Infostand der apostolischen Laienorganisation "Legion Mariens", gibt es "Rosenkränze handgeknüpft" und Bücher wie "33 Schritte. Mit Maria zu Jesus!" Wenige Stunden später beherrschen leuchtend blaue Schals das Bild in der Münchner Altstadt. Viele Tausend Pilger sind es, die im Lauf des Samstag nach München strömen, um auf dem Marienplatz den Abschluss der größten Wallfahrt Bayerns zu feiern: das 100. Jubiläum, dass die Jungfrau Maria zur Schutzfrau Bayerns erhoben wurde.

Genaugenommen sieben Jahre lang dauerte die Pilgerschaft zu Marienwallfahrtsorten in allen bayerischen (Erz-)Diözesen: von Passau im Mai 2011 über Bamberg und Regensburg über Würzburg, Augsburg und Eichstätt in den folgenden Jahren - und nun nach München, ins Zentrum der bayerischen Marienverehrung. Auf dem Marienplatz versammeln sich am Nachmittag etwa 7000 Gläubige aus ganz Bayern, um mit allen Bischöfen und Erzbischöfen unter der Mariensäule die Marienweihe zu feiern und den Bund mit der Patrona Bavariae zu erneuern.

Es sind weit mehr als die 7000 Menschen, die mit Erzbischof Rainhard Kardinal Marx die Messe unter weißblauem Himmel feiern. Überall in der Altstadt sind die Pilger mit ihren blauen Schals zu sehen, auf denen das Motto der Wallfahrt steht: "Mit Maria auf dem Weg. Mitten im Leben." Denn es haben sich nicht nur die offiziellen Delegationen mit zahlreichen Bussen auf den Weg nach München gemacht. Da ist zum Beispiel Michael Mayr mit seinen kleinen Söhnen, die die Marienfeier eher sportlich genommen haben und nach der Anreise aus Niederbayern am frühen Morgen von Freising aus zu Fuß nach München gepilgert sind.

Andere, wie eine Wallfahrergruppe aus Main-Spessart, sind seit Donnerstagfrüh unterwegs in die Landeshauptstadt - zu Fuß, aber auch mit Bussen. Die sammeln sich zu Dutzenden auf der Theresienwiese: Allein aus dem Bistum Regensburg sind es mehr als 20 Reisebusse, 1400 Gläubige sind von dort offiziell angereist. Aus dem Raum Bamberg sind es 600 Menschen, aus Eichstätt 1000.

Am Odeonsplatz haben Hunderte Pfadfinder am Samstagvormittag ein Lager aufgeschlagen, sogar ein großes Lagerfeuer knistert zwischen den schwarzen Informationszelten der einzelnen Jugendorganisationen. Mehr als 1000 sollen es sein, dazu 700 Ministranten. Bereits am Freitagabend gab es für Hunderte Jugendliche im Kirchlichen Zentrum an der Preysingstraße eine Jugendnacht mit Workshops, Diskussionen und Darbietungen. "Das ging bis Mitternacht", sagt Annemarie Eckardt vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Man merkt's: Am Vormittag sitzen sechs junge Pfadfinder im Schatten der Zelte und wischen noch etwas träge auf ihren Handys herum. Andere stehen um einen älteren Pfadfinder, der gerade erklärt, dass es gleich in drei Gruppen zu einer Art Schnitzeljagd durch die Stadt geht.

Bei den Erwachsenen ist die Schnitzeljagd beziehungsweise Wallfahrt ein eindrucksvolles Schauspiel. Von der Pfarrkirche Maria Thalkirchen ziehen Hunderte Pilger am Mittag entlang der Isar zum Marienplatz. Auch von Maria Ramersdorf startet eine Gruppe mit Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg. Weihbischof Bernhard Haßlberger macht sich sogar mit einem weißen Mountainbike gemeinsam mit anderen Gläubigen vom Freisinger Domberg auf den Weg nach München.

Um 15 Uhr strömen dort die Pilger mitsamt Trachtlern von allen Seiten auf den Platz, der schon am Mittag abgeriegelt ist wie bei einem Rockkonzert. Um kurz vor 16 Uhr weht Weihrauch über den Platz, die Menschen stauen sich bis weit in die Rosenstraße zurück. Erzbischof Marx betont: "Über Jahrhunderte ist Bayern Marienland", seit hundert Jahren sei Maria offiziell durch Papst Benedikt XV. "Patronin dieses wunderschönen Landes". Der Münchner Kardinal nutzt die Marienmesse für einen Appell: Die Christen sollten "nicht die Miesmacher der Nation sein, nicht die resignativen Truppen der Vergangenheit, sondern die Vorboten der Zukunft Gottes". Er bittet auch: "Erleuchte die Regierenden!" Unter den Ehrengästen sind auch Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann.

Als Marx die Fürbitte singt: "Mit Maria rufen wir zu Dir: Herr höre unser Beten", leuchtet die Mariensäule auf dem Platz golden in der Sonne.

© SZ vom 15.05.2017
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