Steigen die Temperaturen, sinken die Besucherzahlen: Das ist nicht nur in Kellerlokalen oder auf Kleinkunstbühnen so, sondern auch in den Kinos. Während Filmfans in den USA im Sommer Zuflucht in klimatisierten Kinosälen suchen, ist es hierzulande genau umgekehrt. Dabei lockt derzeit ein abwechslungsreiches Hollywood-Programm mit Dinosauriern, Formel-1-Piloten oder Superhelden-Banden, auch viele Filme in den Programmkinos sind sehenswert.
Darüber hinaus starten am 30. Juli in zwölf Münchner Kinos die Filmkunstwochen mit einem Best-of-Programm des vergangenen Kinojahres, mit Hommagen, Previews, Preisverleihungen und prominenten Gästen. Die Filmkunstwochen gibt es seit 1953, schon damals kannte man wohl das Problem mit den steigenden Temperaturen und sinkenden Besucherzahlen. Also ließen sich die Kinobetreiber etwas einfallen und trotzten der sommerlichen Flaute mit einem cineastischen Schmankerl-Menü.
Daran hat sich bis heute wenig verändert, die diesjährige Filmkunstwochen-Ausgabe steht unter dem Motto „Music on Screen“. Das kann ziemlich alles bedeuten, schließlich kommt kaum ein Film ohne Musik aus – ist aber ebenso konkret wie vielfältig. Zum Auftakt läuft im Monopol Kino der Spielfilm „Rave On“, in dem der Berliner Schauspieler Aaron Altaras in den Technoclubs der Hauptstadt abtaucht. Parallel dazu findet im selben Kino die Eröffnungsfeier statt, mit einem DJ-Set von New Kids From The Block.
Musikalisch geht es weiter, im Maxim, Rottmann oder Kino Solln, mit Biopics, Essays, Musicals, Dokumentar- und Konzertfilmen. Auf dem Programm stehen aktuelle Kinoerfolge wie „Like a Complete Unknown“, „Köln 75“ und „Die leisen und die großen Töne“ sowie Lieblingsfilme wie „Dirty Dancing“, „Diva“ oder „Koyaanisqatsi“. Ohne Musik undenkbar wäre auch die Reihe „Jugend & Krawall“ im Arena Kino, hier werden Filme wie „Kneecap“, „Sonne und Beton“ oder „Do the Right Thing“ aufgeführt.

Gründe, um ins Kino zu gehen, gibt es viele. Die meisten Menschen entscheiden nach Story oder Stars; es soll angeblich aber Filmfans geben, die nach Studios auswählen. Die Filmkunstwochen widmen den US-Independent-Studios A24 und Neon eine Reihe, da diese die Kinoszene angeblich „in den ultimativen Hype-Modus versetzen“. Klingt eher abschreckend, US-Indie-Perlen wie „The Florida Project“, „Aftersun“, „Beach Rats“ oder „Midsommar“ sieht man aber doch ganz gerne wieder. Ähnlich ist es mit den Filmen aus der Best-of-Cannes-Reihe: Hier gibt es ein Wiedersehen mit Festivalfavoriten aus neun Jahrzehnten, von „Der dritte Mann“ mit Orson Welles aus dem Jahr 1949 bis zum Palmen-Gewinner „Anatomie eines Falls“ (2023) mit Sandra Hüller.
Fester Bestandteil der Filmkunstwochen sind die Hommagen, dieses Jahr stehen Filme internationaler Regie- und Schauspielgrößen wie Paul Thomas Anderson, Ruben Östlund, Robert De Niro und Jane Birkin auf den Spielplänen im City Kino, im ABC oder Theatiner. Mit einer Werkschau geehrt wird auch Gaspar Noé: Der argentinisch-französische Regisseur hat mit Filmen wie „Irreversibel“, „Love“ oder „Climax“ für Skandale oder zumindest Provokationen gesorgt, jetzt kommt er nach München. Am 2. und 3. August wird es im Leopold Kino Filmgespräche mit ihm geben.

Prominenter Besuch hat sich auch im Rio Filmpalast angekündigt: Die Schauspielerin Fritzi Haberlandt stellt am 31. Juli ihren Film „Wilma will mehr“ vor. Tags drauf, am 1. August, werden im City die Starter Filmpreise der Stadt München verliehen. Lokalkolorit versprechen auch die Filmemacher Walter Steffen und Wolf Gaudlitz, die jeweils mit einer Retrospektive geehrt werden. Beide wollen bei den Vorstellungen (unter anderem im Rex oder Studio Isabella) anwesend sein. Über den reinen Kinobesuch hinaus gehen die „Late Night Film Lectures“ am 7. August im Werkstattkino sowie der Ausflug zum Schloss Seefeld und an den Pilsensee am 16. August: Hier kommen Film- und Badespaß zusammen.
73. Filmkunstwochen München, Mittwoch, 30. Juli, bis Mittwoch, 20. August

