Endlich Sommerferien! Während die einen noch über den „bayerischen Biorhythmus“ faseln und über Schulkinder, die angeblich in den Ferien bei der Ernte helfen müssen, zieht es die anderen in den kommenden Tagen und Wochen Richtung Süden. Oder nach Norden, Osten oder Westen: Hauptsache weg. Wer es tatsächlich wagt, zuhause zu bleiben, hat es umso schöner. Zum Beispiel in den Kinos, die sich vor allem in den Sommermonaten – sowohl bei Affenhitze als auch bei Dauerregen – als gute Rückzugsorte anbieten.
Kinder sind ein treues Kinopublikum, vor allem deutsche Kinderfilmproduktionen retten regelmäßig die Zuschauerbilanzen der Kinos. Auch diesem Sommer ist viel geboten für ein junges Publikum: Gerade erst angelaufen ist der deutsch-britische Animationsfilm Grand Prix of Europe, in dem zwei Mäuse in Rennautos quer durch Europa flitzen. Man kann den Film als Werbeveranstaltung für einen deutschen Freizeitpark abtun (dessen Maskottchen die Mäuse sind) oder als kurzweiligen Spaß, der den daheim gebliebenen Nachwuchs bei Laune hält. Ebenfalls in Deutschland entstanden ist der Animationsfilm Heidi – Die Legende vom Luchs. Der Münchner Regisseur Tobias Schwarz erzählt eine neue Geschichte rund um das von Johanna Spyri erfundene Mädchen aus den Schweizer Bergen, ganz zeitgemäß geht es um Naturschutz, Tierliebe und Geschäftemacherei.
Auch Die Schlümpfe wurden mal wieder für einen neuen Film modernisiert, überhaupt lebt Kinderkino stark von Wiederholung: Aus dem 23 Jahre alten Zeichentrickfilm Lilo & Stitch wurde ein sogenannter Live-Action-Film, den in den vergangenen Wochen drei Millionen Menschen in Deutschland gesehen haben. Der Animationsfilm Drachenzähmen leicht gemacht aus dem Jahr 2010 wurde ebenfalls neu verfilmt – mit echten Menschen und Drachen aus dem Rechner.
Sehr viel individueller geht es im Theatron zu, das sich am 11. und 12. August in ein Open-Air-Kino für junge und nicht mehr ganz so junge Filmfans verwandelt: Im Rahmen des beliebten Jugendfilmfestivals Flimmern & Rauschen wird ein „Best of“ von Münchner Kurzfilmen aufgeführt, zu sehen sind kurze Spielfilme, Dokus, Experimentalfilme oder Musikvideos.

Um junge Menschen geht es auch in La Haine, für ein jugendliches Publikum ist Mathieu Kassovitz’ Thriller aus dem Jahr 1995 aber nichts: Erzählt wird von Bandenkriegen in der Pariser Banlieue, Jugendliche und Polizisten bekriegen sich. Zum 30. Bestehen wird der beim Festival in Cannes stürmisch gefeierte Film noch einmal auf großer Leinwand gezeigt (am 6. August), unter anderem im Mathäser, Leopold oder Arena. Ebenfalls ein Jubiläum feiert Steven Spielbergs Der weiße Hai, der Kinohit aus dem Jahr 1975 kommt am 4. August im Rahmen der Reihe „Best of Cinema“ zurück in die Kinos, unter anderem ins Monopol, Cinema oder Gloria.
Das Werkstattkino ehrt in der letzten Juli-Woche Helke Sander und zeigt zwei ihrer Filme: Aufräumen aus dem Jahr 2023 ist ein Porträt über die Berlinerin (Regie führte Claudia Richarz), bei dem 1992 entstandenen Dokumentarfilm Befreier und Befreite führte Sander selbst Regie. Darin geht es um Vergewaltigungen deutscher Frauen durch alliierte Soldaten am Ende des Zweiten Weltkriegs. Helke Sander ist heute 88 Jahre alt, als Filmemacherin und Kämpferin für Frauenrechte ist sie längst eine Ikone.

