KinoSage und schreibe

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Doris Dörrie bei den Dreharbeiten von "Freibad".
Doris Dörrie bei den Dreharbeiten von "Freibad". Mathias Bothor

Das Filmmuseum ehrt Doris Dörrie mit einer Retrospektive, die Filmemacherin wird bei einigen Vorstellungen anwesend sein.

Von Josef Grübl

Eva sagt: "Hier machen wir die Regeln." Julius sagt: "Das könnt ihr mit mir nicht machen." Rudi sagt: "Wir haben uns, das ist das große Glück." Marie fragt: "Bin ich glücklich?" Elke und Unna fragen: "Bin ich schön?" Und Fanny sagt: "Ich würde mich auch nicht in mich verlieben, wenn ich Sie wäre." Eva, Julius, Rudi, Marie, Elke, Unna, Fanny und viele andere liebes-, glück- und sinnsuchenden Menschen haben eins gemeinsam: Sie wurden von einer Frau erschaffen, die Bücher oder Drehbücher schreibt, die Filme inszeniert und an der HFF München unterrichtet. Das Filmmuseum ehrt Doris Dörrie diesen Herbst mit einer Retrospektive.

Die in Hannover geborene Ärztetochter kam Mitte der Siebzigerjahre zum Filmstudium nach München. Schon bald entstanden ihre ersten Filme, 1977 drehte sie die Doku "Ob's stürmt oder schneit" über das Kinosterben in der Provinz. Dieses Thema beschäftigt uns also schon länger, dem Kino ist Dörrie seither (bis auf wenige Ausnahmen) treu geblieben: Die Retrospektive beinhaltet frühe Spielfilme wie "Mitten ins Herz" oder "Im Innern des Wals" ebenso wie die Kinoerfolge "Nackt" oder "Bin ich schön?". Ihr größter Kassenhit "Männer", der sie 1985 bekannt machte und hierzulande die Ära der Beziehungskomödien einläutete, darf ebenso wenig fehlen wie ihr jüngster Film "Freibad" aus dem Jahr 2022.

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Doris Dörrie lebt in München und wird in den kommenden Wochen bei einigen Vorstellungen anwesend sein, so auch zum Auftakt der Retrospektive am 14. September. Gezeigt wird ihr 1994 entstandener Kinohit "Keiner liebt mich", in dem eine lebensmüde Frau nach dem Mann für ebenjenes Leben sucht. Es ist eine tragikomische Geschichte über die Liebe und den Tod, mit Edith Piafs Chanson "Non, je ne regrette rien" in Dauerschleife und großartigen Schauspielleistungen von Maria Schrader und Pierre Sanoussi-Bliss. Das Drehbuch hat die Regisseurin wie immer selbst geschrieben, es basiert auf ihrer Kurzgeschichte "Orfeo". Daraus wird sie im Filmmuseum lesen, nach der Vorführung findet ein Gespräch mit ihr statt.

In ihrer Wahlheimat München hat sie schon oft gedreht, unter anderem ihre bislang einzige Fernsehserie "Klimawechsel" (2010), die ebenfalls Teil der Retrospektive ist. Noch viel öfter aber zog es Dörrie hinaus in die Welt, nach Spanien ("Alles inklusive"), Mexiko ("Dieses schöne Scheißleben") oder New York ("Ich & Er"). Und immer wieder reist sie nach Japan: Dort drehte sie "Grüße aus Fukushima", "Erleuchtung garantiert" und ihren vielleicht schönsten Film "Kirschblüten - Hanami" (2008). Elmar Wepper spielt darin den bayerischen Grantler Rudi, der nach dem Tod seiner Frau Trudi (Hannelore Elsner) nach Tokio fliegt, um deren versäumtes Leben nachzuholen. Elf Jahre später entstand mit "Kirschblüten & Dämonen" ein spätes Sequel, Rudi sagt darin: "Ich hatte immer Angst". "Ich auch", antwortet Trudi, "und dann waren wir plötzlich tot."

Retrospektive Doris Dörrie, ab Do., 14. Sep., bis Mi., 20. Dez., Filmmuseum , St.-Jakobs-Platz 1

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