Nach der Frauenfilmreihe ist vor der Frauenfilmreihe, das wissen Münchnerinnen seit Jahren: „Bimovie“ hat einen festen Platz im Kulturkalender der Stadt, das Festival mit Filmen für und über unabhängige, mutige und sich selbst ermächtigende Frauen gibt es seit 1991. Bisher fand es im November statt, jetzt ändert sich das: Die Frauenfilmreihe zieht um in den März, die aktuelle „Bimovie“-Ausgabe findet also bereits vier Monate nach der letzten Ausgabe statt. Am 5. März geht es los, am Veranstaltungsort ändert sich nichts: Die Filme werden weiterhin im Neuen Maxim Kino in Neuhausen aufgeführt.
Der Termin-Umzug hat vor allem organisatorische Gründe: So kommt es zwischen Oktoberfest-Ende und Beginn der Adventszeit in München zu einer Art Festival-Stau, es finden Länderfilmreihen wie die Lateinamerikanischen Filmtage, die Griechische Filmwoche, die Afrikanischen Filmtage oder das Rumänische Filmfestival statt. Hinzu kommen weitere Festivals wie QFFM, Kino Asyl, Underdox oder das ehemalige Filmhochschulen-Fest, das jüngst in „Festival of Future Storytellers“ umbenannt wurde. Im März gibt es mit dem Mittel Punkt Europa Filmfest, mit „Flimmern & Rauschen“ oder „Bunter Hund“ zwar ebenfalls lokale Festivalkonkurrenz, aber eben nicht ganz so viel wie im Herbst. Außerdem findet „Bimovie“ nun passend zum Internationalen Frauentag am 8. März statt.
Frauen sind in Filmen unterrepräsentiert, auch hinter der Kamera belegen oft Männer die Schlüsselpositionen Regie, Kamera oder Produktion. Das sieht jede und jeder, der sich den Abspann und die Besetzungslisten von Filmen ansieht. Das wurde auch in Studien bestätigt, unter anderem von Maria Furtwänglers Malisa-Stiftung. Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, auch das sagen die Studien aus: Von einer gleichberechtigten Geschlechter-Verteilung kann aber nach wie vor nicht die Rede sein. Filmreihen wie „Bimovie“ legen zudem großen Wert auf Produktionen, in denen die Protagonistinnen nicht auf Geschlechterklischees reduziert werden.
Und so stehen auch in der aktuellen Festivalausgabe wieder möglichst diverse Frauen im Mittelpunkt, im Eröffnungsfilm „Amantes“ sogar vor und hinter der Kamera. Die lesbische Romantikkomödie über drei Freundinnen in Paris entstand laut Veranstalterinnen-Angabe „im DIY-Modus“ und „aus einem kollektiven, freundschaftlichen und feministischen Abenteuer“. Ebenfalls am Eröffnungsabend zu sehen ist der tschechische Spielfilm „Tausendschönchen“ aus dem Jahr 1966, ein anarchistischer Spaß um zwei Freundinnen und ihren Feldzug gegen Spießertum und Engstirnigkeit. Auch visuell macht dieser Film mit psychedelischer Ästhetik, den vielen Farb- und Bildwechseln oder dem entfesselten Schnitt einiges her.

Neben dem bereits auf mehreren Festivals gefeierten britischen Frauendrama „Dreamers“ (über eine wegen ihrer Homosexualität verfolgten Nigerianerin in britischer Abschiebungshaft) oder dem deutsch-iranischen Dokumentarfilm „My Stolen Planet“, in dem Regisseurin Farahnaz Sharifi sehr persönlich und in Tagebuchform von einer Filmemacherin aus Iran erzählt, gibt es auch wieder ein queeres und feministisches Kurzfilmprogramm. So wie die meisten Filme des Festivals werden auch die Kurzfilme zweimal aufgeführt, an zwei unterschiedlichen Tagen.
Wer es etwas lauter und provokanter mag: Der Dokumentarfilm „Einfach machen! She-Punks von 1977 bis heute“ erzählt von den Anfängen der deutschen Punkbewegung aus rein weiblicher Perspektive, von Bands wie Östro 430, Mania D oder Kleenex. In der US-Doku „Playing with Fire“ versuchen Annie Sprinkle und Beth Stephens die Folgen der kalifornischen Waldbrände in Kunst zu verwandeln: Auch ihr Zuhause fiel den Bränden zum Opfer, ihr Werk sei „An Ecosexual Emergency“, so die feministischen Filmemacherinnen. Und dann wäre da noch das Regiedebüt von Tina Romero, der Tochter des legendären Horrorfilm-Meisters George A. Romero: Sie lässt in „Queens of the Dead“ Dragqueens gegen Zombies antreten, mit High Heels und Cocktailshakern vermöbeln sie die untoten Quälgeister ordentlich.
Bimovie 32 – Eine Frauenfilmreihe, Donnerstag, 5., bis Mittwoch, 11. März, Neues Maxim Kino, Landshuter Allee 33

