„Im Kino gewesen. Geweint.“ Dieser Tagebucheintrag von Franz Kafka ist schon so oft zitiert worden, dass man sich kaum traut, ihn noch einmal hervorzuholen. Im Fall des neuen Kafka-Spielfilms „Franz K.“ geht es aber nicht anders, denn hier fließen auch im Publikum die Tränen: aus Freude, aus Begeisterung, aus Trauer über ein viel zu kurzes Leben.
Was genau den Jahrhundertschriftsteller im Kino so ergriffen hat, ist nie ganz geklärt worden. Was er von den vielen mittelmäßigen Filmen über sein Leben und Werk gehalten hätte, werden deren Macher zum Glück auch nie erfahren. Im Juni 2024 jährte sich Kafkas Todestag zum hundertsten Mal, begleitend dazu gab es viele Ausstellungen, Aufführungen und Vorträge. Ein Kinofilm („Die Herrlichkeit des Lebens“) und eine ARD-Serie („Kafka“) wurden ebenfalls pünktlich zum „Kafka-Jahr“ hergestellt.
Warum der weitgehend in deutscher Sprache gedrehte „Franz K.“ erst 2025 herauskommt, wissen wohl nur dessen Macher. Dass der neue Film der polnischen Starregisseurin Agnieszka Holland aber ausgesprochen überraschend und lebendig daherkommt, sieht man bereits nach wenigen Filmminuten: Diese Kafka-Geschichte springt durch Zeit und Raum, verliert seine Hauptfigur (Idan Weiss) dabei aber nicht aus den Augen.
Mal geht es in Franz’ Kindheit, als ihn der Vater (Peter Kurth) zum Schwimmen zwingt, mal ist er mit Max Brod (Sebastian Schwarz) im Bordell. Mal spricht er direkt in die Kamera, mal lacht und tanzt er. Einmal fährt man mit dem Paternoster von seiner Arbeitsstelle bei der Arbeiterunfallversicherung direkt ins heutige Kafka-Museum. „Franz K.“ läuft am 23. Oktober in den deutschen Kinos an, vorab ist er in München in Previews zu sehen.
Franz K., CZE/POL/D 2025, Regie: Agnieszka Holland, Preview und Gespräch mit dem Literaturwissenschaftler Oliver Jahraus am Mittwoch, 15. Oktober, 20 Uhr, City Kino; Preview und Gespräch mit dem Hauptdarsteller Idan Weiss am Montag, 20. Oktober, 19.30 Uhr, Leopold Kino

