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Kino:Gutes sehen, Gutes tun

Das Dok-Fest München kann seine besten Filme nicht, wie gewohnt, auf Tour schicken. Die Alternative heißt Benefiz-Streaming - ein Trend, dem sich auch die Hofer Filmtagen anschließen.

Von Josef Grübl

Wir befinden uns in den letzten Tagen des Corona-Jahres 2020. Alle Kinos sind geschlossen, alle Filmpremieren und Festivals wurden abgesagt. Wirklich alle? Nein, einige unermüdliche Festivalmacher bieten auch jetzt der Pandemie Paroli. Zwar dürfen sie keine Präsenzveranstaltungen abhalten, mit Online-Aktionen bieten sie dem fernseh- und streamingmüden Publikum aber ein attraktives Alternativprogramm. Das Münchner Dok-Fest etwa wäre dieser Tage eigentlich auf Festivaltour, diese findet jetzt eben online statt. An den kommenden drei Wochenenden gibt es jeweils einen Dokumentarfilm aus dem Jahr 2020 zu sehen: Los geht es am Freitag, 11. Dezember, mit dem Musikerporträt Dreiviertelblut - Weltraumtouristen. Der Film von Marcus H. Rosenmüller und Johannes Kaltenhauser lief im Sommer im Kino, die beiden Regisseure lassen die Dreiviertelblut-Bandkollegen Sebastian Horn und Gerd Baumann über Zeit, Bewegung und Vergänglichkeit philosophieren. Zwischendurch machen sie aber auch Musik, unter anderem im Circus Krone. Weitere Filme der Online-Tour sind Stefan Zimmermanns Swinger - Die wunderbare Welt des Partnertauschs (ab Freitag, 18. Dezember) und die bildgewaltige Naturdoku Der Bär in mir (ab Freitag, 25. Dezember). Die in den Vorjahren an der Dok-Tour beteiligten bayerischen Kinos bekommen einen Anteil vom Ticketpreis.

Auch die Hofer Filmtage wollen ihr Publikum online erreichen; ihr Künstlerischer Leiter Thorsten Schaumann lädt zu live gestreamten Gesprächen ein, das Motto der Veranstaltung lautet: "Hof Talk Rendezvous". Am Samstag, 12. Dezember, gesellt sich zum Talk noch ein Film: In Die Farbe des Chamäleons geht es um einen Taschendieb, eine Künstlerin und eine Tänzerin, Regisseur Jürgen Klaubetz beantwortet anschließend Fragen. Der Online-Zugang ist kostenfrei, man kann aber spenden - die Einnahmen gehen an die Filmemacher. Auch das Münchner Filmmuseum verlagert eine traditionsreiche Veranstaltungsreihe ins Netz: Am Donnerstag, 10. Dezember, findet das Zuschauerkino erstmals online statt, auch hier ist der Zugang kostenfrei. Die Kurzfilme sind eine Woche lang zu sehen, es geht unter anderem um Gold, einen Kiosk im Englischen Garten oder einen Mann, der seine eigene Erkrankung an Covid-19 zum Thema seines Films macht.

Dok-Tour Bayern@Home, ab Fr., 11. Dez., 18 Uhr, www.dokfest-muenchen.de; Hof Filmtage Rendezvous, Sa., 12. Dez., 19 Uhr, www.hofer-filmtage.com; Zuschauerkino, Do., 10. Dez., 19 Uhr, www.vimeo.com/filmmuseummuenchen

© SZ vom 10.12.2020
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