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Dokumentarfilm:Reizende Rückkehr ins Rampenlicht

Eigentlich hätte "Jean Paul Gaultier: Freak & Chic" bereits im März anlaufen sollen, doch dann schlossen die Kinos. Nun steht deren Wiedereröffnung an - und das Modeporträt ist eine der ersten neuen Produktionen.

Von Josef Grübl

Applaus! Applaus! Genau so stellen sich Künstler ihre Auftritte vor: Der Saal ist voll, die Zuschauer jubeln, es gibt Standing Ovations. Genau so geht es auch bei den Bühnenshows von Jean Paul Gaultier zu: Der Modedesigner sorgt seit Jahrzehnten für volle Häuser, die Fans jubeln - und Standing Ovations gibt es natürlich auch. Jetzt kommt ein Dokumentarfilm über den ebenso exzentrischen wie experimentierfreudigen Franzosen in die Kinos. Eigentlich hätte Jean Paul Gaultier: Freak & Chic schon im März anlaufen sollen, doch just in der Woche des geplanten Filmstarts schlossen die Kinos. Jetzt steht deren Wiedereröffnung an - und die Gaultier-Doku ist eine der ersten neuen Produktionen, die an den Start gehen. Die bayerischen Kinos dürfen zwar schon seit Mitte Juni wieder Filme zeigen, da die verantwortlichen Ministerien aber bis zur letzten Minute an den Lichtspieltheaterverordnungen in Corona-Zeiten tüftelten, einigten sich viele Kinobetreiber auf den 2. Juli als Startdatum. Jetzt sind die Kinos in allen Bundesländern wieder geöffnet, jetzt könnte es sich auch für die Verleiher lohnen, neue Filme herauszubringen.

Aber zurück zu Jean Paul Gaultier, der in München eine besonders große Fangemeinde hat. Vor vier Jahren bescherte er der Kunsthalle einen Riesenhit, mehr als 200 000 Museumsbesucher wollten in einer fantastischen Retrospektive seine Modekreationen sehen: die spektakulären Modelle aus Seide, Federn, Kristallen oder Gummi ebenso wie die Bühnenoutfits für Madonna oder Kylie Minogue oder die Filmkostüme für Luc Besson oder Pedro Almodóvar. Aus dem aktiven Modezirkus hat sich der heute 68-Jährige mittlerweile zurückgezogen, vor ein paar Jahren verabschiedete er sich vom Prêt-à-porter, vor ein paar Monaten von der Haute Couture. Untätig ist er trotzdem nicht, wie man im Film sehen kann: Dieser zeigt ihn bei den Vorbereitungen seiner sogenannten "Fashion Freak Show", die im Herbst 2018 im Pariser Theater Folies Bergère Premiere hatte. Zwischen den Proben erzählt er von seiner Kindheit, den schwierigen Anfangsjahren und seinem verstorbenen Lebensgefährten Francis Menuge.

Es ist eine rastlose Hatz durch fast 50 Jahre Modegeschichte, denn eins ist auch Gaultier klar: Die Show muss immer weitergehen.

Jean Paul Gaultier: Freak & Chic, Regie: Yann L'Hénoret

© SZ vom 02.07.2020

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