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Kino:Filmgeschichten

Die neue Ausgabe des Magazins "SigiGötz-Entertainment"

Von Jürgen Moises

Die Kinos sind, genauso wie die Museen und Bordelle, geschlossen. Und wer trotzdem neue Filme sehen will, muss sich ans Internet oder das Fernsehen halten. Wobei man sich auch fragen kann: Müssen es denn unbedingt die allerneuesten Produktionen sein? Neue und überraschende Erfahrungen, die kann man auch mit alten Filmen machen. Das gilt selbst für eingefleischteste Cineasten, die von sich denken, dass sie schon alles gesehen haben. Denn mit ihren 125 Jahren hält die Filmgeschichte auch für sie noch allerhand Entdeckungen bereit.

Wer das nicht glaubt, sollte vielleicht die aktuelle "SigiGötz-Entertainment"-Ausgabe aufschlagen. Ist das Übersehene, Vergessene und oft zu Unrecht an den Rand Geschobene der Filmgeschichte doch die Spezialität des Magazins, das der Münchner Autor, Lektor und Filmvorführer Ulrich Mannes seit mittlerweile 20 Jahren herausgibt. Ein gewisser Schwerpunkt liegt dabei auf dem deutschen Film der 1950er- bis 1970er-Jahre. Auch von der Kritik oftmals belächelte und vom katholischen Filmdienst lange Zeit verdammte Genres wie der Sex-, Heimat- und Schlagerfilm, der italienische Giallo und Sandalenfilm oder deutsche Kriminalserien wie "Der Fahnder" oder "Derrick" haben hier ihr Forum. Ein spezielles Interesse gilt zudem den "Glamour Girls" und "Nebendarstellern aus deutschsprachigen Filmen".

In der aktuellen, sehr lesenswerten 35. Ausgabe werden davon etwa Tanja Berg, Dagmar Lassander und Kurt Schmidtchen oder in einem längeren Nachruf der 2020 verstorbene Dan van Husen vorgestellt. Hans Schifferle ruft dem ebenfalls verstorbenen Regisseur und Autor Wolf-Eckart Bühler nach. Benedikt Eppenberger porträtiert den schauspielernden Sänger Vico Torriani als "Alpen-Sinatra" und Schweizer "Tourismus-Botschafter". Jochen Werner schildert den Weg Matthias Schweighöfers vom talentierten Schauspieler zum "zynischen" Regisseur. Und der Autor, Regisseur und Klaus-Lemke-Darsteller Rainer Kneperges stellt in einer assoziativen, anregenden Collage Jules Verne und Ernst Mach nebeneinander.

Ein kleiner Schwerpunkt ist dem ebenfalls 2020 verstorbenen Filmkomponisten Peter Thomas gewidmet, der unter anderem die Serien "Der Kommissar", "Der Alte" und "Raumpatrouille Orion" vertont hat. Die vier Texte über ihn waren als Ergänzung zu einer kleinen, für den November geplanten Peter-Thomas-Filmreihe im Werkstattkino gedacht, die aus bekannten Gründen aber ausfiel. Womit wir doch wieder beim Kino wären, in das man hoffentlich bald wieder gehen kann. Bis dahin kann man mit "SigiGötz" seinen Blick erweitern und neue Perspektiven gewinnen auf das Medium Film.

SigiGötz Entertainment - Der fünfunddreißigste Rahmen, erhältlich über www.sigigoetz-entertainment.de

© SZ vom 15.02.2021
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