Süddeutsche Zeitung

Kino:Liebe lieber anders

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Das Queerfilmfestival zeigt Dokus, Debüts und Filme von etablierten Regisseuren.

Von Josef Grübl

Im Februar eröffnete er den Wettbewerb der Berlinale, jetzt ist er kurz vor seinem offiziellen Kinostart beim Queerfilmfestival zu sehen: François Ozons "Peter von Kant" läuft zu Beginn des siebentägigen Festivals, das sich nicht nur an die LGBTQ-Gemeinschaft richtet. Gleichzeitig in 13 Städten werden 19 Filme gezeigt, die Veranstalter versprechen vollmundig "die besten queeren Filme des Jahres". Im Fall von Ozons eingangs genannter Hommage an einen 50 Jahre alten Film von Rainer Werner Fassbinder trifft das auch zu. Erzählt wird die Geschichte eines schwulen Regisseurs (Denis Ménochet), der seinen Assistenten demütigt und von einem Schauspieler gedemütigt wird.

Um Liebe, Sex und Demütigung geht es auch im neuen Film des Portugiesen João Pedro Rodrigues, der beim Festival in Cannes lief: "Irrlicht" ist ein wilder Trip jenseits aller Kinokonventionen, eine Mischung aus Coming of Age, Science-Fiction, Heimatfilm, Musical und Schwulenporno. Wie das zusammenpasst? Eigentlich gar nicht, deshalb liebt oder hasst ihn das Publikum auch leidenschaftlich - dazwischen scheint es nichts zu geben. Ozon und Rodrigues sind die bekanntesten Namen im diesjährigen Festivalprogramm, auf dem Programm steht aber auch ein neuer Film des Deutschen Rosa von Praunheim: In "Rex Gildo - Der letzte Tanz" erzählt die Ikone der deutschen Schwulenbewegung halb dokumentarisch, halb fiktional von einer Ikone des deutschen Schlagers.

Bei den Regiedebüts sticht der australische Spielfilm "Mein erster Sommer" hervor, die Drehbuchautorin und Regisseurin Katie Found begleitet darin zwei Teenage-Mädchen, die um die Wette tauchen, Gedichte lesen - und sich ineinander verlieben. Die Britin Marley Morrison erzählt ebenfalls eine Coming-of-Age-Story: In "Sweetheart" steht ein aufsässiges Mädchen im Mittelpunkt, das sich in eine Rettungsschwimmerin verguckt.

Auch spannende Dokumentarfilme gibt es zu entdecken: Die aus dem bayerischen Voralpenland stammende Uli Decker arbeitet sich in "Anima - Die Kleider meines Vaters" an ihrer eigenen Familiengeschichte ab, die Schwedin Eva Beling hat für ihre Doku "Vorurteil und Stolz" Filmarchive nach queeren Geschichten, Figuren und Momenten durchstöbert.

Queerfilmfestival, ab Do., 8. Sep., City Kino, Sonnenstr. 12a, queerfilmfestival.net

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