Kino:Filme, die bleiben

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Kino: Zu sehen in der englischen Originalfassung: "The Wizard of Oz" mit Judy Garland.

Zu sehen in der englischen Originalfassung: "The Wizard of Oz" mit Judy Garland.

(Foto: Filmmuseum München)

Das Filmmuseum München widmet Judy Garland, Rob Houwer und der Japanerin Kinuyo Tanaka Retrospektiven.

Von Josef Grübl

Das vielleicht Beste an Filmen ist, dass sie bleiben. Man kann sie immer und immer wieder sehen, manchmal auch neu entdecken oder einordnen. Dann sitzt man vor dem Fernseher oder im Kino und bemerkt Details, die bisher ganz anders wahrgenommen wurden, die im Lauf der Zeit vielleicht sogar eine völlig neue Bedeutung bekommen haben. Denn natürlich hat ein Film wie Michael Verhoevens "o.k." heute eine andere Bedeutung als in seinem Entstehungsjahr 1970. Damals löste die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte aus dem Vietnamkrieg, die der Regisseur mit bairisch sprechenden Darstellern in einem Forst bei Grünwald drehte, einen Riesenskandal aus und führte sogar zum Abbruch der Berlinale. Jetzt gibt es ein Wiedersehen mit dem Film und seinem Produzenten, das Filmmuseum widmet Rob Houwer vom 19. Mai bis zum 3. Juli eine Retrospektive.

Der gebürtige Niederländer war 1962 einer der Unterzeichner des Oberhausener Manifests, mit seiner Münchner Firma produzierte er mehrere Klassiker des Neuen Deutschen Films, "Mord und Totschlag" (1967) von Volker Schlöndorff etwa, oder Peter Fleischmanns "Jagdszenen aus Niederbayern" aus dem Jahr 1969. Aber auch für Sexkomödien wie "Engelchen oder Die Jungfrau von Bamberg" (1968) oder Dokumentarfilme über Romy Schneider oder Billy Wilder zeichnete er verantwortlich. In den Siebzigerjahren kehrte Houwer in seine niederländische Heimat zurück, wo er die Filme des späteren Hollywoodstars Paul Verhoeven produzierte, die ebenfalls Teil der Retrospektive sind: "Turks fruit" ("Türkische Früchte") oder "Die vierde man" ("Der vierte Mann").

Kino: Szene aus Kinuyo Tanakas Film "Ruten no ohi - Die umherziehende Prinzessin".

Szene aus Kinuyo Tanakas Film "Ruten no ohi - Die umherziehende Prinzessin".

(Foto: Filmmuseum München)

Das Filmmuseum zeigt in den kommenden Wochen aber noch mehr: Bereits am 17. Mai startet eine Retrospektive mit Filmen der Japanerin Kinuyo Tanaka (1910 - 1977). Als Jugendliche spielte sie in Stummfilmen mit, später wurde sie mit den Filmen von Regisseuren wie Yasujiro Ozu oder Kenji Mizoguchi berühmt. Ab 1953 führte sie auch selbst Regie, in ihren Filmen erzählte sie von Beziehungen zwischen Japanerinnen und US-Soldaten ("Koibumi - Liebesbrief", 1953) oder dem Verhältnis von Japan und China ("Ruten no ohi - Die umherziehende Prinzessin", 1960). Die sechs Filme, die Kinuyo Tanaka inszenierte, wurden vor kurzem digital restauriert, das Filmmuseum präsentiert sie in der japanischen Originalfassung mit englischen Untertiteln.

Ebenfalls in der (englischsprachigen) Originalfassung gezeigt werden die Filme von Judy Garland: Die Schauspielerin und Sängerin, die Königin hinter dem Regenbogen und viel zu früh verstorbene Showbiz-Ikone wäre im Juni 100 Jahre alt geworden, aus diesem Anlass gibt es ein Wiedersehen mit ihren bekanntesten Filmen. Das wohl legendärste aller Hollywoodmusicals "The Wizard of Oz" ("Das zauberhafte Land") aus dem Jahr 1939 darf da natürlich ebenso wenig fehlen wie der fünf Jahre später entstandene Technicolor-Traum "Meet Me in St. Louis" ("Heimweh nach St. Louis") oder "A Star is Born" ("Ein neuer Stern am Himmel"). George Cukors Drama wurde nach seiner Premiere im Jahr 1954 stark gekürzt, ist im Filmmuseum aber in der rekonstruierten, knapp dreistündigen Originalfassung zu sehen. Die Story vom Aufstieg einer Nachwuchssängerin wurde später noch mehrmals verfilmt, unter anderen mit Barbra Streisand oder Lady Gaga, auch deshalb entdeckt man in ihr immer wieder etwas Neues.

Retrospektiven: Rob Houwer, Kinuyo Tanaka, Judy Garland, Di., 17. Mai., bis So., 3. Juli, Filmmuseum, St.-Jakobs-Platz 1

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