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Kino:Diese Filme zeigen Münchner Regisseure auf der Berlinale

Fassbinder

An Rainer Werner Fassbinder und seiner Münchner Filmfamilie kommt man auf der diesjährigen Berlinale kaum vorbei.

(Foto: © SWR/RWF Foundation)

Rainer Werner Fassbinder spielt einen heruntergekommenen Polizeileutnant, eine Studentin macht Europäer zu Flüchtlingen und Dominik Graf legt den Finger dorthin, wo es der Filmhochschule wehtut.

Seit vergangener Woche laufen in Berlin die 67. Internationalen Filmfestspiele - und auch wenn es dieses Jahr keine Münchner Filmemacher in den Wettbewerb geschafft haben, sind sie in zahlreichen Nebenreihen vertreten. Dominik Graf etwa ist Stammgast auf der Berlinale, nach seinem 2014er Wettbewerbsbeitrag "Die geliebten Schwestern" zeigte er in den Jahren darauf dokumentarische Essays über den Filmkritiker Michael Althen und über deutsche Genrefilme aus den Siebzigerjahren. An letzteren schließt er nun dieses Jahr direkt an, wieder im Forum der Berlinale, wieder mit seinem Regie-Kompagnon Johannes F. Sievert. In "Offene Wunde deutscher Film" graben sie sich erneut durch die deutsche Filmgeschichte.

Die Fragen, die Graf und seine Mitstreiter aus der Vergangenheit entwickeln, sind recht aktuell: Weshalb gibt es in Deutschland kaum noch Genrefilme? Wieso finden sich dafür keine Sender und Förderer? Und warum legen die Macher nicht einfach los? Der Film geht zurück ins Jahr 1980, als der Regisseur Roland Klick und der Produzent Bernd Eichinger "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" machen wollten, sich aber über die künstlerische Ausrichtung nicht einig wurden und trennten; "eine Art Urkatastrophe" für Dominik Graf. "Kontrolle hatte sich durchgesetzt gegen eine chaotisch wirkende Kreativität", sagt Graf in seinem Film. Heute sei der Platz vor der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) nach Eichinger benannt, "mit der Architektur des Ausbildungsinstituts dahinter mag man vieles assoziieren, aber sicherlich keine kreative Unordnung."

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Damit dürfte sich Graf nicht überall Freunde machen, die HFF dagegen schickt eine ihrer Studentinnen zur Berlinale: Felicitas Sonvilla setzt in ihrem halbstündigen Film "Tara" eine junge Frau in einen Zug Richtung Osten. Was wäre, wenn die Menschen nicht nach, sondern aus Europa fliehen müssten, fragt sich die junge Regisseurin; ihr Film, der in der Reihe "Perspektive Deutsches Kino" gezeigt wird, ist zum Glück (noch) Science Fiction.

Wäre "Tara" nicht brandneu, könnte er aber auch in der Retrospektive der Berlinale laufen: Unter dem Titel "Future Imperfect. Science - Fiction - Film" wurden 27 Filme zusammengestellt, der älteste stammt aus dem Jahr 1918, der jüngste entstand 80 Jahre später. In dieser Reihe gibt es ein zweifaches Wiedersehen mit Rainer Werner Fassbinder: In "Kamikaze 1989" spielt er einen heruntergekommenen Polizeileutnant in einem Deutschland der Zukunft, der Film entstand kurz vor Fassbinders Tod im Jahr 1982. Ein knappes Jahrzehnt zuvor entstand seine Regiearbeit "Welt am Draht", nach einem Roman des Science-Fiction-Autors Daniel F. Galouye, wenn man so will ein früher Vorläufer der "Matrix"-Filme.

An Rainer Werner Fassbinder und seiner Münchner Filmfamilie kommt man auf dem diesjährigen Festival kaum vorbei, seine Serie "Acht Stunden sind kein Tag" aus dem Jahr 1972 läuft in einer restaurierten Fassung als sogenanntes Berlinale Special, ein neuer Film des gebürtigen Münchners Nicolas Wackerbarth bezieht sich auf einen frühen Fassbinder-Film. In "Casting" plant eine Regisseurin ein Remake von "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" und verirrt sich in den Abgründen menschlicher Beziehungen, in Abhängigkeiten und Machtspielen. Der Film läuft im Forum der Berlinale.

Unter der Rubrik "Kulinarisches Kino" - der Lieblingsreihe von Berlinale-Chef Dieter Kosslik - wird ein Dokumentarfilm der Münchnerin Marieke Schroeder aufgeführt: Sie porträtiert den berühmtesten Barbesitzer der Republik. In "Schumanns Bargespräche" geht es vom Münchner Hofgarten nach Paris, Havanna und Tokio. Charles Schumann hat mit seinen 75 Jahren schon viel gesehen, fühlt sich aber im richtigen Alter, um weiterzumachen. In ihm vereinen sich Vergangenheit und Zukunft auf wunderbare Weise.

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