Im Kindermuseum ist sie bei den jungen Besuchern ganz klar der Star: „Die Kuh ist zwar nicht lebendig, kann aber in echt gemolken werden, was zu zweit am besten funktioniert“, erzählt Clara Ebert, die Kuratorin und pädagogische Leiterin bei einem Rundgang durch die neue Ausstellung „Iss was?!“. Auf zwei Stockwerken können Kinder und Familien auf Entdeckungsreise durch die verschiedenen Aspekte der Ernährung gehen, auf spielerische Weise erforschen, woher die Lebensmittel kommen, wie sie verarbeitet werden und welche wichtige Rolle Geruch und Geschmack beim Essen spielen. Und das macht schließlich jeder!

Im ersten Stockwerk, in dem die Kuh sozusagen der Platzhirsch ist, geht es um die Grundnahrungsmittel. Neben der Kuhmilch haben aber auch Alternativprodukte wie Hafermilch und veganes Fleisch Einzug gehalten. „Es wird keineswegs gewertet, nur gezeigt, was es alles gibt“, betont Ebert. Neben dem Melken und anschließenden Buttern gibt es weitere spannende Dinge zu erledigen: So können verschiedene Getreidesorten zu Mehl gemahlen, aus vorbereitetem Teig Brötchen geformt, mit Körnern bestückt und anschließend gebacken werden. Das Werkstatt-Angebot richtet sich vormittags an Kindergärten und Schulklassen, ist an den Wochenenden für Familien und in den Ferien auch unter der Woche geöffnet.
Dazu gilt es hier wie an allen anderen Mitmachstationen auch Fragen zu beantworten: etwa die nach dem ältesten bekannten Getreide. Das heißt „Emmer“ und wurde von den Ägyptern bereits vor 6000 Jahren kultiviert. Wie hat man sich den Geschmack vorzustellen? „Der ist eher herb, vergleichbar mit dem von Vollkornweizen“, sagt Ebert.
Weiter geht es zur „Apfelrutsche“ an der die jungen Besucher gemeinsam austesten können, wie viele Äpfel in einer Flasche Apfelsaft stecken: Während zwei Kinder einen Korb hoch zur Rutsche tragen und oben einen Apfel nach dem anderen herunterkullern lassen, verfolgen andere Kinder unten an einer Zählmarke, wie viele Äpfel es braucht, bis die Flasche voll ist: 15!, wie ein Kind stolz nach oben meldet.

Viel Gewusel herrscht beim Rundlauf-Rollenspiel rund um das Thema Einkaufen: „Hier ist der Job des Kassierers oder der Kassiererin am begehrtesten“, sagt Ebert. Tatsächlich drängeln sich die Kinder an der Kasse, der Grund dafür ist ein echter Barcodescanner, mit dem die jungen Kaufleute Obst, Gemüse und Konserven registrieren können. Daneben steht eine begehbare Spielküche, in der die gekauften Waren in die Schränke eingeräumt werden. „Die sind so konstruiert, dass sie auf der Rückseite wieder ausgeräumt werden können“, sagt Ebert. Das übernehmen die Kinder, die im Warenlager arbeiten. Sobald sie sortiert sind, kann der Kreislauf auf ein Neues beginnen.
Oben im zweiten Stock geht es merklich leiser zu. „Das Angebot ist bewusst so konzipiert, dass man hier ein wenig zur Ruhe kommen kann“, sagt Ebert. An einem großen runden Tisch kann jeder seine Lieblingspizza selbst zusammenstellen und mit nach Hause nehmen: Die Wunschzutaten werden auf bunte Zettel gemalt, ausgeschnitten und zuletzt auf einen Pappteller geklebt.

Im Themenbereich Geschmäcker von süß über sauer bis salzig findet sich auch eine Erklärung dafür, warum man als Kind oft Nahrungsmittel ablehnt, die man später als Erwachsener mag: „Kinder haben doppelt so viele Geschmacksknospen auf der Zunge wie Erwachsene, erst später werden die abgebaut“, sagt Ebert. Zwischen einer riesigen Nase und einer ebenso großen Zunge erfahren die Besucher zudem, wie der Geruch vor Gefahren warnt und warum einem mitunter das Wasser im Mund zusammenläuft. Wie überall an den verschiedenen Stationen bleibt es auch hier nicht bei der Theorie: In den offenen Werkstätten können Riechblumen gebastelt und Parfüms designt werden.
Spannende Eindrücke und allerlei zu tun also für die jungen Besucher in dieser erhellenden wie inspirierenden Ausstellung. Insofern wundert es einen nicht, dass das eine oder andere Kind schon mal eingeschlafen ist, wie Ebert schmunzelnd erzählt: Zusammengerollt in einem riesigen, überdimensionierten Löffel, der noch aus der Chemieausstellung von vor einigen Jahren stammt.
Generell erfreute sich das Kindermuseum auch an seinem alten Standort am Hauptbahnhof großer Beliebtheit. Doch die Besucherzahlen seien am neuen Standort gestiegen, sagt Museumssprecherin Jane Blumenstein im abschließenden Gespräch. 68 000 Besucher habe man im vergangenen Jahr gezählt, „ein Rekord gegenüber 43 000 Besuchern an unserem ehemaligen Standort“. Daran sehe man, was mehr Fläche ausmache. Denn damals habe man wegen Überfüllung, insbesondere an verregneten Ferientagen, häufiger Besucher nach Hause schicken müssen.
„Iss was?!“, 4- 12 Jahre, Kindermuseum, Willy-Brandt-Allee 10; während der Schulzeit Donnerstag und Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 17 Uhr; während der Ferien Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, Montag geschlossen

