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Kita-Suche:70 Anfragen und nur eine einzige Zusage

Noch befindet sich die Kita "LeHelden" im Lehel, doch bald werden die Eltern mit ihren Kindern ins Glockenbachviertel umziehen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Der Kindergarten "LeHelden" aus dem Lehel stand nach der Kündigung seiner bisherigen Räumlichkeiten vor dem Aus.
  • Nach mehr als 70 Anfragen und nur fünf Gesprächen mit Vermietern ziehen die Kinder in die Westermühlstraße um - und haben auch noch mehr Platz als vorher.
  • Makler aber haben nach Angabe der Elterninitiative zuweilen durchblicken lassen: Die Vermieter wollten einfach keine Kindergärten.

Am Ende sei sie der Verzweiflung nahe gewesen, sagt Heidi Galli Zugaro. Der Kindergarten "LeHelden" ihrer Elterninitiative stand vor dem Aus: Die 17 Kinder werden bislang in der evangelischen Lukaskirche im Lehel betreut; die aber wird bald saniert und umgebaut, für die Kita ist kein Platz mehr. Im Herbst hatte die Kirche den Mietvertrag daher zum August gekündigt, einen Ersatz gab es nicht, und die Zeit drängte. Eine Erzieherin sei schon abgesprungen, sagt Galli Zugaro. Doch jetzt steht fest: Es geht weiter für den Kindergarten. Die Eltern haben ein neues Zuhause für ihn gefunden, trotz der hohen Münchner Mieten. Und nicht nur das: Der Kindergarten kann sich sogar vergrößern. Zum neuen Schuljahr will er eine zusätzliche Gruppe aufmachen. Die Eltern suchen bereits Personal.

Der Mietvertrag sei frisch unterschrieben, sagt Galli Zugaro. Bis dahin sei es freilich ein mühsamer Weg gewesen. Seit Oktober suchten die Eltern in vier Stadtvierteln: im Lehel, in der Au, in Haidhausen und im Glockenbachviertel, also überall, wo die Mitglieder der Elterninitiative wohnen. Sie teilten die Stadt in Bereiche auf: "Jeder hat seine Straßen abgeklappert, nach Leerständen Ausschau gehalten und Makler angeschrieben", sagt Galli Zugaro. Die Eltern spähten in Hinterhöfe, schlüpften durch offene Haustüren und suchten nach den Telefonnummern der Hausverwalter. Und sie schrieben Politiker an und baten sie um ihre Hilfe.

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Ein großer Teil dieser Mühe war vergeblich. Mehr als 70 Objekte hätten sie angefragt, nur fünf mögliche Vermieter hätten überhaupt ein Gespräch mit ihnen führen wollen, berichtet Galli Zugaro. Viele hätten sofort abgeblockt, als sie erfuhren, worum es ging. Warum - das hätten sie selten gesagt. Makler aber hätten zuweilen durchblicken lassen: Die Vermieter wollten einfach keine Kindergärten. Denn die mögen zwar zuverlässige und solvente Mieter sein. Aber Kinder sind laut, und die Vermieter scheuten den Aufwand, bei Ladenflächen eine Nutzungsänderung zu beantragen.

Fündig wurden die Eltern dann an der Westermühlstraße 1. Der Laden dort sei ihr schon früh aufgefallen, erzählt Galli Zugaro, er habe lange Zeit leer gestanden. Statt 60 Quadratmetern wie bisher hat der Kindergarten dort künftig 180 Quadratmeter zur Verfügung. Bis dahin ist freilich noch viel zu tun; die Stadt unterstütze sie aber großzügig bei den Kosten für den Umbau und die Einrichtung, sagt Galli Zugaro. Und die zusätzlichen Plätze im Kindergarten seien dringend benötigt: Die Elterninitiative lädt für den 22. März zum Tag der offenen Tür, und schon jetzt hätten sich 70 interessierte Eltern angemeldet. Das nötige Personal zu finden, werde dagegen wohl schwieriger. In München fehlen ohnehin Erzieherinnen. Und die Eltern müssen jetzt bis zu drei Stellen besetzen.

Für den Kindergarten ist es bereits der zweite Umzug - und das zweite Mal, dass er fast vor dem Ende stand. Im Sommer 2014 wollte ihn der ursprüngliche Betreiber, die Innere Mission, schließen, weil sich der Betrieb in den damaligen Räumen nicht lohnte. Drei Mütter gründeten daraufhin binnen weniger Monate eine Eltern-Kind-Initiative und übernahmen. In von den Eltern selbst hergerichteten Räumen in der Kirche betreuten zuletzt drei Erzieherinnen und ein Praktikant bis zu 17 Kinder; zusätzlich gab es zwei Spielgruppen im evangelischen Gemeindehaus nebenan. Dort werden die Spielgruppen bleiben. Nur der Kindergarten zieht nun ins Glockenbachviertel.

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