Ein Hund, der lieber ein Vampir sein will, seltsame Verwandlungen auf dem Spielplatz, van Goghs Reise ins südliche Frankreich oder der Traum vom Fußballstar: Die neuen Geschichten, die sich Autoren und Autorinnen aus München und Bayern für Kinder ausgedacht haben, machen aus jedem Wintertag garantiert ein Abenteuer.
Hund als Herr der Finsternis

Ein Hund zog nicht in die Wohngemeinschaft von Max Osswald. Und dennoch ist der Dackel jetzt in der Welt. Ein Leben lang. Er ist jetzt überall, wo man Freude an lustigen Kinderbüchern hat – witzig, aber darüber hinaus pädagogisch wertvoll.
Max Osswald, Jahrgang 1992, lebt und arbeitet als Comedian in München. Er schreibt Romane und Gags fürs Fernsehen – und nun auch für Kinder. „Graf Dackula“ heißt sein Debüt, die Idee dazu entstand während der Corona-Zeit. Damals lebte Max Osswald noch in einer WG in München. Und während der Pandemie, so erinnert sich der Autor, „gab es die Möglichkeit, dass man für ein, zwei Monate einen Hund betreut“.
Der Wunschhund? Ein Dackel. Auch Max Osswald suchte bereits „einen coolen Namen“, zum Beispiel „Graf Dackula“. Der Hund zog nicht in die WG. Aber Max Osswald hatte einen Titel für ein Kinderbuch, schrieb einfach los – und fand beim Verlag Fischer Sauerländer eine Heimat.
In der Geschichte geht es um einen Dackel, der mit seinen spitzen Zähnen, seinem rebellischen Tattoo und seinem schwarzen Umhang lieber Vampir als Hund sein will – aber keine Hunde zum Spielen findet. Stattdessen machen sie sich lieber über Graf Dackula lustig. Der kleine Dackel lässt sich nicht beirren und findet mit Graf Quakula, Graf Watschula und Gräfin Katzula andere Freunde mit Lust am Verkleiden.
Das Buch trägt alleine schon die Titelfigur, die lustigen Einfälle – und die Illustrationen von Merle Goll. Aber es vermittelt auch eine wichtige Botschaft an Kinder: Akzeptiert euch so, wie ihr seid. Steht zu euch selbst, auch wenn andere euch auslachen.
Mittlerweile ist Max Osswald aus der WG ausgezogen, er wohnt in einer eigenen Wohnung in München. Ist mittlerweile ein Dackel eingezogen? Ein Dackel gelte ja als eigenwillig, sagt der Autor, „also für Hundeverhältnisse“. In absehbarer Zeit „ist es nicht so gut, mir einen Dackel zuzulegen.“ Dies liege aber einzig an seiner kleinen Wohnfläche.
„Graf Dackula“, Max Osswald (Autor) und Merle Goll (Illustration), ab 4 J., Fischer Sauerländer
Ärgern und sich Wehren

Die kleine Azra baut im Sandkasten freudig an ihrer Burg. Doch dann bringt Benedikt, der oft „gemeine Sachen“ sagt, ihre Brücke zum Einsturz. Noch schlimmer, er beschimpft sie als „doofe Ziege“ und lacht sie als „Sumpfkuh“ aus. Erstaunlicherweise passiert etwas Seltsames: Azra verwandelt sich tatsächlich, erst in eine Ziege, dann in eine Kuh! Auch Sophia und Niam, die sich in einen Kletterturm geflüchtet haben, sehen merkwürdig aus: Sie sind zu einer Brillenschlange und einem Stinktier mutiert. Doch wenn Worte solche Kraft haben, kann man sie vielleicht auch für etwas Positives einsetzen?
Und schon gibt es neue Metamorphosen: Azra wird zu einer klugen Zauberin, die die anderen in einen wilden Drachen und einen gefährlichen Tiger verwandelt. In diesen Gestalten erobern sich die drei den Sandkasten von dem verblüfften Benedikt zurück. Der noch seine eigene Verwandlungsgeschichte erleben wird.
Spätestens bei Spielplatzbesuchen kommen Kinder auch mit Streit und Beleidigungen in Kontakt. Die negativen Folgen von Beschimpfungen zu visualisieren, indem die Betroffenen sich in jene Tiere verwandeln, als die sie beschimpft werden, ist ein kluger Gedanke der Münchner Autorin Gundi Herget, anschaulich umgesetzt von der Illustratorin Anna Galitskaya. Ja, Worte können verletzen – sie können aber auch bestärken und ermutigen.
Sumpfkuh! Stinktier! Brillenschlange! Eine drachenstarke Geschichte über die Macht der Worte, Gundi Herget (Autorin), Anna Galitskaya (Illustratorin) ab 4 J., Annette Betz Verlag
Kinder als Kunstforscher

Sonnenblumen, Sternennacht, Selbstporträts: Vincent van Gogh hat viele berührende Meisterwerke geschaffen. Entsprechend aufgeregt ist Professor Emilio Dell’Arte, als er in seinen Museumsräumen eine Ausstellung vorbereitet, die einige der berühmtesten Kunstwerke van Goghs präsentieren soll. Doch kurz bevor die Gäste eintreffen, stellt er mit Entsetzen fest: Die Farben in den Gemälden sind plötzlich durcheinandergeraten! Waren die Farbwichtel am Werk?
Nun liegt es an den jungen Leserinnen und Lesern, dem Malstil und der Farbpalette van Goghs auf die Spur zu kommen. „Leinengrau“, „blühendes Grün“, „Purpur“ oder „Veilchenblau“ nannte etwa van Gogh seine Farben. „Wie sieht die Farbe einer guten, staubigen und ungeschälten Kartoffel für dich aus? Gib der Farbe einen Namen“ werden die jungen Leser aufgefordert, es ihm gleichzutun. Mit jeder Aufgabe entdecken die Kinder nicht nur van Goghs künstlerischen Stil, sie verfolgen seinen Weg von den Anfängen in den Niederlanden hin zum sonnendurchfluteten Süden Frankreichs.
Die Münchner Kunsthistorikerin Anne Funck ist eine bemerkenswerte Vermittlungskünstlerin. Das zeichnet ihre Kindersachbücher, aber auch ihre Museumsführungen für Kinder aus. Ihre Erzählfreude in Kombination mit originellen Mitmachmomenten machen auch ihr Kinderkunstbuch zu Van Gogh zu einem inspirierenden Erlebnis, bei dem die jungen Leser und Leserinnen selbst kreativ werden und Seite für Seite ihr ganz persönliches Kunstbuch gestalten können. Dazu kommen die coolen Illustrationen des kalifornischen Comic- und Cartoon-Künstlers Daniel Sulzberg, die van Goghs Welt für Kinder lebendig werden lassen.
Mein magisches Museum und Vincent van Gogh, Anne Funck (Autorin), Daniel Sulzberg (Illustrator), ab 6 J., Leman Publishing 2025
Die „doofe Menz“

Jeden Mittwoch nach der Schule besucht Benny seinen Opa. Doch an diesem Mittwoch ist alles anders: Als er in die Küche geht, um sich ein Glas Milch zu holen, stehen im Kühlschrank ein Paar Schuhe. Ähnlich irritierend geht es weiter an diesem Tag, den Opa übrigens für einen Freitag hält. Zu Essen bietet Opa ihm „Honigkutschen“ statt Honigkuchen an, auch so ein neu erfundenes „Opa-Wort“.
Das Schlimmste daran: Wenn Benny ihn auf seine Fehler aufmerksam macht, wird sein sonst so liebevoller Opa plötzlich ganz ärgerlich. „Immer verbesserst du mich“. Glücklicherweise gelingt es den beiden im weiteren Verlauf trotz der „doofen Menz“ über diese und andere Seltsamkeiten gemeinsam zu lachen.
Anne Maars außergewöhnliches Bilderbuch zum Thema Demenz basiert auf dem Theaterstück „Opa Bär und die Menz“ ihres Vaters Paul Maar. Illustriert hat es Paul Maars Enkel Hannes Maar, der bereits einige Bücher seines berühmten Großvaters illustriert hat. Ein gelungenes Familienprojekt, das einen kindgerechten Zugang zu einem schwierigen Thema eröffnet und Familien auf liebevolle Weise Gesprächsanlässe bieten dürfte.
Opa Bär und die Schuhe im Kühlschrank, Anne Maar (Text) und Hannes Maar (Illustration), ab 5 J., Oetinger Verlag, Januar 2026
Talente im Fußballfieber

Lennart Karl, ein 17-Jähriger, mischt gerade den echten FC Bayern und die gesamte große Fußballwelt auf. Ein Traum! Von so einem Karrierestart träumen auch die jungen Fußballtalente Lucki, Nils, Can und Jeremy. Das sind die Hauptpersonen von „Team Campus – Talente im Fußballfieber“, von denen nun Band 3 für alle Fußballfans ab neun Jahren erschienen ist.
Darin ist die Aufregung auf dem FC Bayern Campus groß. Weil Lucki und seine Freunde erfahren, wer ihr neuer Trainer wird: nämlich Ex-Bayernprofi Gablonsky. Jeder der Nachwuchskicker muss sich jetzt neu beweisen, ohne die Schule zu vergessen. Und es gibt eine weitere Veränderung in der Fußballakademie: Von einem Talentscout entdeckt kommt Karol, ein außergewöhnlicher Nachwuchsspieler aus einem kleinen Dorf, auf den Campus und bringt alles kräftig durcheinander.
Das Ganze basiert auf der Fußball-Hörspielserie „FC Bayern – Team Campus“ vom Münchner Drehbuchautor und Regisseur Su Turhan („Kommissar Pascha“), die es inzwischen auf 21 CDs gibt. Wird es Karol schaffen wie Lennart Karl im echten Leben?
Team Campus (3). Talente im Fußballfieber, Su Turhan (Text), Philipp Ach (Illustration), ab 9 J., Arena Verlag 2025
Pumuckls Perspektive

Der Pumuckl ist wieder da. Und wie! Auf die RTL-Serie folgte kürzlich der Kinofilm. Jetzt gibt es den Kobold mit dem roten Haar, der nur Schabernack im Kopf hat und alles in lustige Reime verpackt, auch zum Vor- und Erstlesen. Vorgelesen werden können acht Episoden der Staffel 1, angereichert mit Originalbildern und -dialogen aus den Filmen von Marcus H. Rosenmüller. Wie war das gleich nochmal, als Florian Eder (Florian Brückner) die alte Werkstatt seines Onkels und damit auch dessen kleinen Kobold übernahm? Die Kinder können Pumuckls Perspektive einnehmen, ihn nochmals auf den Friedhof begleiten oder mit ihm Silvester feiern.
Wer lieber selber lesen möchte, für den bietet sich eher das Erstlesebuch zum Kinofilm „Pumuckl und das große Missverständnis“ an. Das erzählt das rasante Abenteuer auf dem Bauernhof inklusive Maibaumklau und Traktorfahrt in einfachen Sätzen und großer Schrift, ebenso versetzt mit Filmstills. Das macht noch mehr Lust auf Pumuckl. Eine bessere Vorbereitung auf die neuen Folgen, die jetzt schon auf RTL+ und zu Weihnachten auf RTL laufen, gibt es kaum. Hurra!
Katharina Köster: Neue Geschichten vom Pumuckl – Das Vorlesebuch zu Staffel 1, ab 5 J.; Uli Leistenschneider: Pumuckl und das große Missverständnis, ab 6 J., beide Kosmos Verlag 2025
Geschichten zum Wohlfühlen

Jetzt ist der Herbst samt Kastanien und Halloween zwar schon vorbei, diese Geschichten lohnen sich dennoch. Nicht, weil die Münchner Autorin Christine Schniedermann spektakulär Neues bietet. Nein, weil sie Alltagsgeschichten aus dieser Jahreszeit warmherzig, liebevoll und einfach schön erzählt. Man begleitet Mia, ihre Brüder Till und Paul, ihre beste Freundin Hazel und alle Bewohner des Glockenhofs, einer Wohnanlage und früheren Glockenfabrik, gerne zum Drachensteigen, Erntedankfest und Sankt-Martin-Umzug. Daneben gibt es – explizit oder zwischen den Zeilen – Tipps zum Backen von Martinsgänsen oder Basteln von Kürbisfüchsen.
Und wer dann Lust auf noch mehr Wohlfühlgeschichten aus diesem besonderen Wohnkomplex bekommt, der kann ohne Pause die „24 Adventsgeschichten aus dem Glockenhof“ weiterlesen, jeden Tag eine. Dieses Kalenderbuch kam bereits vergangenes Jahr heraus, passt aber gerade wieder perfekt zum Plätzchenbacken und zur Christbaumsuche. Mia nennt ihre gefundene kleine Fichte übrigens Wilma. Fröhliche Weihnachten!
Herbstgeschichten aus dem Glockenhof, Christine Schniedermann (Text), Frau Annika (Illustration), ab 4 J., Ars Edition 2025

