Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis klar war, wer es wird. Ein halbes Jahr voller Bewerbungsgespräche, Vorstellungsrunden, psychologischer Tests. Am Ende bekam Katharina Bühren den Anruf: Glückwunsch, Sie sind die neue Ärztliche Direktorin des Heckscher-Klinikums für Kinder- und Jugendpsychiatrie. "Ich konnt's erst kaum glauben. Ich hab tagelang, wochenlang gebraucht, um's zu realisieren", sagt sie. Zum 1. März löst sie Franz Joseph Freisleder ab, der 25 Jahre lang Ärztlicher Direktor des Klinikums war. "Am 28. Februar endet eine Ära", stand in der Pressemitteilung.
Für Katharina Bühren, 43, wird es wohl kein ganz gemütliches Einarbeiten. "Es sind herausfordernde Zeiten", sagt sie am Telefon. In der Corona-Pandemie ist die Zahl der psychisch erkrankten Kinder und Jugendlichen so deutlich angestiegen, dass das Klinikum ständig überbelegt ist. Teilweise kamen so viele junge Patienten an, dass nur noch Notfälle aufgenommen werden konnten. Die Klinik legte Matratzen auf den Boden, damit alle Patienten einen Schlafplatz hatten. Außerdem fehlen Pfleger, Ärztinnen, Therapeuten. "Wir haben Schwierigkeiten, Nachwuchskräfte zu bekommen, weil das Fachgebiet Kinder- und Jugendpsychiatrie noch zu unbekannt ist", sagt Katharina Bühren. Auch das will sie gerne ändern.
Sie weiß, was der Job bedeutet: Auch ihr Vater war Ärztlicher Direktor
Sie wuchs im Saarland und in Murnau am Staffelsee auf, ihr Vater war Ärztlicher Direktor der Unfallklinik Murnau. Sie hat also früh gesehen, was der Job bedeutet: "Mir ist schon klar, dass man da sehr, sehr gefordert ist. Dass es auf der anderen Seite aber auch toll ist, mitgestalten zu können." Katharina Bühren studierte Medizin in Regensburg und München, trat danach ihre erste Stelle in der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Aachen an. Sie befasste sich intensiv mit Magersucht im Kindes- und Jugendalter, baute ein deutschlandweites Register zur Erforschung des Themas auf. 2016 wechselte sie ans Heckscher-Klinikum, erst in die Wolfratshausener Ambulanz, dann 2020 als Oberärztin auf eine der Akutstationen nach München-Obergiesing.
Wenn sie diese Woche als Ärztliche Direktorin anfängt, steht eine Sache ganz oben auf ihrer Liste: Alle Kinder und Jugendlichen, die Hilfe brauchen, soll die Klinik versorgen können. Zurzeit ist das schwierig. Wer kein Notfall ist, muss oft lang warten. Aber: "Professor Freisleder hat viele Grundsteine gelegt", sagt Katharina Bühren über ihren Vorgänger. Am Kinderzentrum München ist ein neuer Standort der Heckscher-Klinik geplant. In Wolfratshausen soll eine Tagesklinik entstehen. "Es sind viele Projekte angestoßen, die ich jetzt weiterführen darf."
Und natürlich sieht sie sich die neuesten Daten an. "Während die psychische Belastung für Kinder und Jugendliche in der Pandemie die ganze Zeit deutlich angestiegen ist, stagniert sie jetzt auf dem hohen Niveau", sagt sie. Der Druck bleibt also erstmal hoch.
