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Kiesabbau in der Region:Gemeinsam gegen Gruben

Alle Würmtalgemeinden und die Stadt Germering wenden sich gegen die Pläne der Firma Glück

Steine des Anstoßes: die Innenansicht des Kieswerks derFirma Glück. Das Unternehmen will weitere Abbaugebietein Forst Kasten und Planegg erschließen.

(Foto: Robert Haas)

Für eine Stunde sah es am Donnerstagabend vor dem Planegger Rathaus aus wie bei einem Aufmarsch der "Gelbwesten" in Frankreich: Rund 150 in gelbe Jacken gekleidete Männer, Frauen und Kinder demonstrierten am Eingang, durch den die Gemeinderäte zu ihrer Sondersitzung zum Kiesabbau mussten. Es waren Mitarbeiter des Kies-Unternehmens Glück, die mit ihrer unangemeldeten Aktion auf ihre Lage aufmerksam machen wollten.

Denn sie fürchten um ihre Arbeitsplätze, sollte ihr Unternehmen ein Kiesabbaugebiet im Planegger Wald, die so genannte Dickwiese, nicht ausbeuten dürfen. Dafür läuft gerade ein Raumordnungsverfahren; Planegg als Hauptbetroffener musste dazu Stellung beziehen. Am Ende der kurzen und sachlichen Debatte im Gemeinderat war das Ergebnis eindeutig: Einstimmig macht Planegg schwere Bedenken geltend und lehnt eine Ausbeutung der Dickwiese ab. Etliche Gemeinderäte hatten die Sitzung allerdings gemieden oder hatten sich entschuldigt.

Damit steht fest: Alle Würmtal-Gemeinden und die Stadt Germering haben sich zu künftigen Auskiesungsgebieten in Forst Kasten und Planegg negativ geäußert. Die Absicht, zunächst knapp 25 Hektar an der Dickwiese nahe der Lindauer Autobahn auszukiesen, steht in Zusammenhang mit künftigen Kiesabbaugebieten bei Forst Kasten, wo ebenfalls ein neues Genehmigungsverfahren läuft. Sollte dies negativ beschieden werden - und dafür gibt es Anzeichen -, will Glück im Planegger Wald auskiesen.

Gegendemo: Mitarbeiter des Kieswerks marschieren vorm Rathaus auf.

(Foto: Gemeinde Planegg)

Planegg hat ein Gutachten durch die Anwaltskanzlei Döring-Spieß anfertigen lassen. Deren Vertreterin Kerstin Funk war in die Sitzung gekommen. Fünf Punkte sind es im Wesentlichen, die zu einer negativen Stellungnahme führen: Es werde gegen die Vorgabe des Regionalplans, Kiesabbau nur in dafür ausgewiesenen Gebieten zuzulassen, verstoßen; verletzt würde ferner der regionalplanerische Grüngürtel München-Südwest vom Kreuzlinger Forst bis zur Aubinger Lohe; die raumordnerische Bedeutung des riesigen Waldgebietes "Kreuzlinger Forst" werde falsch eingeschätzt; das Landschaftsschutzgebiet "Planegger Dickwiese" müsse von "Nutzungen freizuhalten sein, die den Naturgenuss beeinträchtigen". Schließlich seien die Aussagen zum "Schutzgut Wasser" unzureichend.

In der Debatte stellten alle Redner die grundsätzlich hohe Bedeutung von Wäldern in den Mittelpunkt. Zwar brauche man Kies zum Bauen, meinte etwa Fritz Haugg (FDP): "Doch nicht aus dem Wald, das ist nicht zeitgemäß. Im Gegenteil, der Wald gehört aufgerüstet." Sein Fraktionskollege Peter von Schall-Riaucour zeigte sich empört über die "Widersprüche, die sich hier auftun. Was müssen wir eigentlich noch tun, um Auskiesungen in eigens ausgewiesenen Schutzgebieten zu verhindern?" Die Dickwiese sei "immer noch weitgehend unberührt". Felix Kempf (SPD) sprach von "einem ziemlich großen Eingriff in ein kleines Gebiet". Aus der CSU-Fraktion meldete sich Michael Book. Seine Fraktion habe sich die Entscheidung schwer gemacht, sagte er, auch im Hinblick auf die Tatsache, dass mit Philipp von Hirsch der Sohn des Waldbesitzers als Mitglied im Gemeinderat sitzt. Er durfte nicht mitstimmen. Angesichts der juristischen Bedenken stimmten die CSU-Gemeinderäte, wie auch die übrigen Gemeinderäte, gegen einen Kiesabbau auf der Dickwiese.

Zwei Prüfaufträge

Dass es durchaus legale Möglichkeiten gibt, Kiesabbau in einem Wald zu verhindern, zeigten zwei Anträge der Gruppe 21 und der FDP bei der Gemeinderatssitzung in Planegg; sie wurden beide von dem Gremium auch angenommen. Demnach soll die Rathaus-Verwaltung jetzt der Frage nachgehen, ob eine artenschutzrechtliche Prüfung und ein Arteninventar für die Dickwiese möglich und sinnvoll sind, und daraus dann eine Biotop-Kartierung anfertigen. Ferner lässt die Bayerische Bauordnung einen so genannten "Waldschutzbebauungsplan" zu. Das ist ein selten angewendetes Verfahren, das den sonst üblichen kommunalen Bebauungsplänen für innerörtliche Bereiche ähnelt. Es hat unter anderem das Ziel, den Wald für das lokale Klima sowie als Naherholungsfläche zu erhalten. Dieser Plan soll dann in den Flächennutzungsplan mitaufgenommen werden. Zudem soll geprüft werden, ob die Stadtklimaanalyse der Landeshauptstadt München, die grundsätzliche Aussagen zum Klimaschutzgürtel und zu den notwendigen Frischluftschneisen der Stadt macht, in den Planegger Flächennutzungsplan aufgenommen werden kann. rar

Wie geht es nun weiter? Mehrere Monate wird die landesplanerische Beurteilung dauern, sagte Anwältin Funk. Je nach Ausgang werde das Genehmigungsverfahren dann bis zu einem Jahr benötigen.

© SZ vom 14.09.2019
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