Investition für künstliche IntelligenzDas steckt hinter den Plänen für das riesige KI-Rechenzentrum in München

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In Europa wird seit Monaten über den Bau eigener Rechenzentren diskutiert, um bei künstlicher Intelligenz den Anschluss nicht zu verlieren (Symbolfoto).
In Europa wird seit Monaten über den Bau eigener Rechenzentren diskutiert, um bei künstlicher Intelligenz den Anschluss nicht zu verlieren (Symbolfoto). (Foto: Sebastian Gollnow/dpa)
  • Die Telekom und der US-Chiphersteller Nvidia planen ein Rechenzentrum für künstliche Intelligenz im Münchner Tucherpark.
  • Das Rechenzentrum soll etwa 10 000 Hochleistungschips nutzen und 2026 einsatzbereit sein, um deutsche Industrieunternehmen zu unterstützen.
  • Am 4. November wollen Minister das Projekt zusammen mit Telekom, Nvidia und SAP bei einer Pressekonferenz in Berlin vorstellen.
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Das Milliardenprojekt der Telekom und des führenden KI-Chip-Herstellers Nvidia soll im Tucherpark im Stadtteil Schwabing-Freimann entstehen. Was darüber bekannt ist.

Von Jannis Brühl, Heiner Effern, Anna Hoben und Sebastian Krass

Der Tucherpark in München soll zum Standort eines riesigen neuen Rechenzentrums für künstliche Intelligenz werden. Das erfuhr die SZ am Dienstagnachmittag von mehreren, voneinander unabhängigen Quellen. Münchens IT-Referentin Laura Dornheim sagte der SZ, die Deutsche-Telekom-Tochter T-Systems habe ihr das Projekt im Zuge eines Austauschs zu digitaler Souveränität vorgestellt.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass die Telekom und der US-amerikanische Chiphersteller Nvidia gemeinsam ein solches Rechenzentrum in München bauen wollten, allerdings ohne den genauen Standort zu nennen. Dieser sollte dem Vernehmen nach erst im November bekanntgemacht werden. Es soll sich um eine Investition in Milliardenhöhe handeln. Nvidia ist führend auf dem Markt der für das Training und die Nutzung von KI essenziellen Hochleistungs-Chips.

Auch bayerische Ministerien sind nach eigenen Angaben mit dem neuen Rechenzentrum befasst. „Wir stehen mit der Telekom im Austausch und unterstützen das Projekt in München“, erklärte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Im Freistaat werde damit „erneut eine erhebliche Summe in Zukunftstechnologien investiert“. Bayerns Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) nennt die Planung von Telekom und Nvidia ein „großartiges Bekenntnis zum Tech-Standort Bayern“. Die Telekom wollte sich auf SZ-Anfrage nicht äußern.

Der Tucherpark im Stadtteil Schwabing-Freimann, in unmittelbarer Nähe zum Englischen Garten, ist ein in den Sechzigerjahren von der Bayerischen Vereinsbank errichtetes Büroquartier. Ihre Nachfolgerin, die Hypovereinsbank (HVB), verkaufte das 14 Hektar große Areal, zu dem auch ein von Hilton betriebenes Hotel-Hochhaus gehört, Ende 2019 für etwa eine Milliarde Euro an die Immobilienunternehmen Commerz Real und Hines.

Diese planen seither eine umfassende Neugestaltung des Tucherparks. Im Zuge dessen sollen auch etwa 600 neue Wohnungen entstehen, etwa die Hälfte davon gefördert. Das Planungsreferat arbeitet dafür an einem neuen Bebauungsplan, den der Stadtrat verabschieden muss. Es gibt aber eine breite politische Mehrheit für das Projekt. Parallel dazu haben Commerz Real und Hines schon mit der Sanierung und dem Umbau erster Bürogebäude begonnen.

(Foto: SZ-Grafik)

Das neue Rechenzentrum ersetzt dem Vernehmen nach ein älteres, das die HVB betrieben hatte und das sich über sechs unterirdische Stockwerke erstreckt. Der Clou dabei: Die Kühlung läuft über das Wasser des Eisbachs, der durch den Tucherpark fließt. Die Abwärme, die der Betrieb des Rechenzentrums erzeugt, soll später dazu genutzt werden, das gesamte Quartier zu heizen und zu kühlen.

Die aufwendige Energieversorgung wäre laut den Stadtwerken München (SWM) kein Hindernis. Sie könnten grundsätzlich und „auch für zukünftige Projekte wie ein neues Rechenzentrum genügend Strom liefern“, erklärte ein Sprecher. Konkret zum Projekt der Telekom gab er keine Auskunft. Wie ein solches Rechenzentrum an das Stromnetz angeschlossen werde und ob dafür etwa neue Leitungen verlegt werden müssten, hänge vom Standort und den konkreten Anforderungen ab.

Laut Aiwanger sollen bei dem Projekt in München etwa 10 000 Hochleistungschips zum Einsatz kommen. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wird Europas größtes Softwarehaus SAP die neuen Rechenkapazitäten nutzen.

Das geplante Rechenzentrum in München ist offensichtlich die Umsetzung der Pläne, die Telekom und Nvidia im Juni vorgestellt hatten. Es geht darum, eine industrielle KI-Cloud aufzubauen, die 2026 einsatzbereit sein soll. Sie soll sich „in besonderem Maße an den Bedarfen der deutschen Industrie orientieren“, wie es im Juni aus dem Kanzleramt hieß. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) traf den CEO von Nvidia, Jensen Huang, damals in Berlin und erklärte: „Diese Kooperation kann ein bedeutender Schritt für Deutschlands digitale Souveränität und wirtschaftliche Zukunft werden.“

Am 4. November wollen Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) und Technologieministerin Dorothee Bär (CSU) das Projekt zusammen mit den Unternehmen Telekom, Nvidia und SAP bei einer Pressekonferenz in Berlin vorstellen.

Der CEO von Nvidia, Jensen Huang, bei einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Der CEO von Nvidia, Jensen Huang, bei einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). (Foto: x.com/nvidianewsroom)

In Europa wird seit Monaten über den Bau von Rechenzentren diskutiert, um bei KI den Anschluss nicht zu verlieren und sich zugleich unabhängig von US-Unternehmen wie Google, Microsoft, Meta und Open AI zu machen. Die US-Regierung hat mit der Rede von Vizepräsident J. D. Vance in Paris im Februar deutlich gemacht, dass sie KI als Mittel der Dominanz auch über die europäischen Verbündeten betrachtet.

Während auch in Europa leistungsfähige KI-Software entwickelt wird und mit Daten guter Qualität gearbeitet werden kann, ist Unabhängigkeit auf der untersten Ebene des sogenannten Stacks – des „Stapels“ an KI-Technologien – jedoch unmöglich. Dort sitzt die Hardware, vor allem die leistungsstarken Chips. Ohne den Marktführer Nvidia geht praktisch nichts, und Firmenchef Jensen Huang steht in engem Kontakt mit US-Präsident Donald Trump. Kritiker sehen eine Art „KI-Kolonialismus“, mit dem die USA andere Länder in Abhängigkeit halten, die Gewinne landen bei den US-Konzernen.

Die geplante Investition in München in Höhe von – laut der Nachrichtenagentur Bloomberg – umgerechnet 1,2 Milliarden Dollar wirkt auf den ersten Blick groß, verblasst allerdings im Vergleich etwa mit dem Projekt „Stargate“ der US-Unternehmen Open AI und Oracle. Es soll 500 Milliarden Dollar kosten und 50 Mal so viele Chips haben.

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