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Kaum Zugang zu staatlichen Hilfen:Von der Politik vergessen

Stadtführer fordern Zugang zu staatlichen Hilfen.

(Foto: Robert Haas)

Gästeführer weisen mit einer Demonstration auf dem Marienplatz auf ihre missliche Lage hin

Von Franz Kotteder

Elvira Bittner weiß, wo das Wurmeck ist: an der Südwestecke des Neuen Rathauses. Dort hat der Bildhauer einen Ritter verewigt, der mit einer Lanze einen Lindwurm tötet. Schließlich ist Bittner offizielle Gästeführerin der Stadt. Und deshalb trifft man sie an diesem Freitagvormittag am Wurmeck. Es geht da aber nicht um die Stadtgeschichte, sondern um die Lage von Gästeführern, Museumspädagogen und Reiseleitern.

Bittner hat mit ihrer Kollegin Marion Golder eine Demonstration angemeldet, um diese Lage öffentlich zu machen. Eine quadratische Fläche ist mit rot-weißem Absperrband abgegrenzt, genau 50 Leute dürfen rein, wegen der Abstandsregeln. "Wir stehen hier nicht, weil wir gegen die Corona-Regeln sind", sagt Bittner, "wir stehen hier, weil wir bei den Hilfen durch alle Raster gefallen sind." Die Kriterien für staatliche Hilfen griffen in aller Regel nicht. Man habe kaum Betriebskosten im herkömmlichen Sinn, Arbeitsstätten seien Museen, Städte und Schlösser, das Büro befinde sich im Wohnzimmer, und einen Firmenwagen besitze auch keiner. Politiker verweisen da gern auf die Hilfen zum Lebensunterhalt oder auf Hartz IV. Bittner: "Das ist für uns keine Lösung, da wir dann unsere Ersparnisse aufbrauchen müssen." Die Ersparnisse seien für viele die Altersvorsorge, "da wir keine oder kaum gesetzliche Rente bekommen".

Ihre Kollegin Marion Golder forderte ein Unternehmergehalt von 1180 Euro monatlich für alle Solo-Selbstständigen, dies sei die Summe, die etwa Baden-Württemberg als Existenzminimum auszahle. Außerdem sei eine Soforthilfe von 5000 Euro, die auch für Lebenshaltungskosten verwendet werden darf, dringend nötig. Die neue Grünen-Stadträtin Sibylle Stöhr, selbst von Beruf staatlich geprüfte Bergwanderführerin, klagt: "An die Auto- und die Luftfahrtindustrie denkt man, aber wir werden von der Politik einfach vergessen." Immerhin galt das nicht für den Stadtrat, dessen Mitglieder Christian Vorländer und Klaus Peter Rupp (beide SPD) sowie Thomas Lechner von den Linken waren als Demo-Teilnehmer gekommen.

© SZ vom 16.05.2020
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