Über Jesper Munks Karriere steht immer dieses „Von einem, der auszog, um ...“ Ja, um was eigentlich? Erst mal wollte dieser in München geborene Deutsch-Däne freilich mit Anfang zwanzig ausziehen, um erfolgreich zu werden. Vom Straßenmusikanten in die – für seinen knarzigen, wohligen Retro-Sound recht untypisch – Bravo („Diesen Namen sollte man sich merken ...“), in die „Harald Schmidt Show“, zur großen Plattenfirma Warner, wo Routiniers wie Mocky oder Jon Spencer am Album „Claim“ mitmischten. 2015 war das, da galt er als der „Retter des Blues“, hierzulande sozusagen weltweit wie etwa Jack White. So, und dann musste er sich selber retten, von inneren Dämonen befreien und dem Imposter-Syndrom (wie man selbst auf Wikipedia lesen kann), also von alle Kreativität lähmenden Selbstzweifeln.

Und wie unbegründet die waren, sahen ja alle, außer ihm, quer durch seine Soul-, Crooner-, Pop-Selbstsuche. Und das zeigt sich nun wieder, da der 33-Jährige das Doppel-Album „Best of ... live“ auf seinem eigenen Label Junk Records vorlegt. Für so ein, nennen wir es ruhig: „Hit-Album“ sollte der Künstler ja mit all seinen Songs happy sein, und er darf es sowohl mit alten, aufpolierten Klassikern wie „Shakespeare & Heartbreak“ als auch mit Neuem wie dem herzlich plärrenden „Reeperbahn“. Das Besondere: Das eine hat er groß im Potsdamer Nikolai-Saal aufgenommen mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg und feinen Arrangements von Max Knoth (ja ja, der von Moby, Tina Dico, Nils Frahm, Calexico, Die Sterne). Die zweite Platte stammt von Konzerten mit seiner Band The Cassette Heads im Club Lux in Hannover und der Milla in München. Von einem der auszog, um wieder bei sich einzuziehen, sozusagen. Das sollte man live miterleben im passend intimen Rahmen des Münchner Ampere am 23. Oktober (oder auf Tour etwa in Dorfen, 24. Oktober).
Von außen nach innen – das könnte also das Thema dieser Pop-Konzerte-Umschau sein. Nach innen führen uns die Seelen und manchmal ihre Dramen ausleuchtende Befindlichkeitsgenies wie Masha Qrella (17.10., Milla), Soap & Skin (19.10, Werk7), Synthie-Schmerzenskind Edwin Rosen (20./21. Backstage), Mädchenmagnet Josh (17.10., Tonhalle) und sogar die US-Doome-Drone-Priester Sunn O))) (27.10., Backstage) und die widerborstigen Swans um den New Yorker Mike Gira, der der Band 1982 den passenden Namen gab, weil Schwäne unfassbar schöne, aber doch gemeine, hassenswerte Tiere seien (26.10., Technikum). Guter Gesprächsstoff für den Seelenstriptease beim Therapeuten.
Aber auch örtlich kommen von außen in den letzten Oktoberwochen schon wieder große Weltstars hinein in die Stadt, als da wären die Chicagoer Metal-Helden Disturbed in die Olympiahalle (17.10.), wo zwei Abende lang Filmmusik-Legende Hans Zimmer seine Filmmusiken („The Gladiator“) durchrockt (18. und 19.10.), Simply Red („Holding Back The Years“) soulig säuseln (21.10.), die Kalifornier The Offspring auch nach 41 Jahren noch punkig abheben („Pretty Fly“, 30.10.) und Katy Perry Girls Küsschen gibt und ihr Pop-Firework abbrennt (31.10.). Kleiner Ausreißer: Nina Chuba, die zwar (noch) kein Weltstar ist, aber immerhin Deutschlands Lieblings-It-Girl (29.10.).

In Münchens großer-Pop-Arena steigt auch das Spektakel „10 Jahre Dicht & Ergreifend“ (25.10.), und das wird nicht nur ein Konzert, sondern mit Stage-Dive-Weltrekord und Gästen wie Kofelgschroa, LaBrassbanda, Gerhard Polt, den Well-Brüdern und noch mehr fast schon ein Festival. Was zeigt: Auch wenn die Outdoor-Saison vorbei ist, kann man drinnen immer noch Festivals feiern. Bestes Beispiel ist die Musiknacht Neuhausen am 25. Oktober, wo in der Gorilla Bar, dem Ewigen Licht, im El Chapo und Dutzenden weiteren Lokalen mehr als 41 Bands und Songwriter spielen, darunter durchaus prominente wie die Sechziger-Hausband Lustfinger oder Paul Kowol.

Der Herbst wäre, und das seit 28 Jahren, auch nicht komplett ohne das Vokal Total Festival, das weit über München hinaus beachtete A-cappella-Spektakel im Spektakulum Mundi, im Technikum und der Kongresshalle. Von 19. Oktober an führen zumeist humorbegabte Genre-Stars wie LaLeLu, Sixpack, Die Feisten, Maybebop, Alte Bekannte („Neues Programm!“), Glas Blas Sing, Voices in Time oder Lehrer haben Freizeit den Pop und seine Spielarten von seiner inneren Essenz, der menschlichen Stimme, nach draußen zu den Fans (Programm und Daten: www.vokal-total-festival.de).

