München-Freising Staatsanwaltschaft überprüft 100 Missbrauchsvorwürfe im Erzbistum

Die Verdächtigen stammen allesamt aus dem "priesterlichen Bereich".

(Foto: dpa)

Die Verdächtigen stammen alle aus dem "priesterlichen Bereich". Inwieweit die Fälle aus den vergangenen Jahrzehnten noch geahndet werden können, ist fraglich.

Die Münchner Staatsanwaltschaft überprüft systematisch Missbrauchsvorwürfe aus den vergangenen Jahrzehnten gegen rund 100 katholische Priester des Erzbistums München. Die Kirche habe den Ermittlern die Akten zur Verfügung gestellt, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst am Donnerstag. "Wir werden jetzt schauen, inwieweit bei diesen Personen verfolgbare Straftaten vorliegen."

Die Betonung liegt nach Kornprobsts Worten auf "verfolgbar": Denn viele der Betreffenden sind nicht mehr am Leben, in anderen Fällen sind die Vorwürfe verjährt. Und bei 13 Fällen habe es bereits in der Vergangenheit Ermittlungen gegeben, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt. "Die Erhebungen bei der Erzdiözese gehen sehr weit zurück, meines Wissens bis 1946. Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass allenfalls in sehr wenigen Fällen die Einleitung eines Strafverfahrens in Betracht kommt."

Die 100 Verdächtigen sind nach Kornprobsts Worten sämtlich "aus dem priesterlichen Bereich". Absehbar ist aber, dass die Überprüfung ausgeweitet wird. Die Kirche habe angekündigt, weitere Akten "aus dem nichtpriesterlichen Bereich" zur Verfügung zu stellen.

Eine Nachfrage der Süddeutschen Zeitung bei bayerischen Staatsanwaltschaften ergab, dass inzwischen etliche Strafverfolgungsbehörden Material von Bistümern erhalten haben: Unter anderem die Staatsanwaltschaften in Regensburg, Ingolstadt, Würzburg, Nürnberg und Passau sichten neue Unterlagen. In allen Fällen dauert die Prüfung an.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, hat sich mehrfach für eine gründliche Aufklärung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ausgesprochen. Im November sprach Marx in einer Predigt von der "Stunde der Wahrheit" für die Kirche.

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