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Katholische Kirche:Hohe Verluste für Erzbistum

Steuereinnahmen sinken wegen Corona um 32 Millionen Euro

Die Corona-Krise kostet die katholische Kirche in Bayern mehr als 100 Millionen Euro. Allein das Erzbistum München und Freising rechnet in diesem Jahr mit einem Minus von bis zu 32 Millionen Euro bei den Einnahmen aus der Kirchensteuer, wie das Bistum am Freitag in München mitteilte. Damit sei der Rückgang zwar nicht so deutlich wie im Frühjahr noch befürchtet - "aber er wird doch erheblich sein", sagte Generalvikar Christoph Klingan. "Die genaue Entwicklung ist schwer abzusehen."

Ursprünglich hatte das Bistum mit Kirchensteuereinnahmen von 640 Millionen Euro für das Jahr 2020 gerechnet, sagte der Finanzchef des Bistums, Markus Reif. Und schon damit hätte unterm Stich am Jahresende ein Minus von 11,7 Millionen Euro gestanden. Reif geht jetzt von einem "Minus von vier bis fünf Prozent" bei den Kirchensteuern aus. Damit ergibt sich für 2020 ein erwartetes negatives Jahresergebnis von mehr als 40 Millionen Euro.

Für 2019 hat das Erzbistum noch einen Überschuss von 93 Millionen Euro ausgewiesen. Das ganze Geld und weitere 30 Millionen Euro aus bisher nicht zweckgebundenen Rücklagen hätten aber dafür eingesetzt werden müssen, um für Pensionsansprüche von Mitarbeitern vorzusorgen. Die Corona-Krise habe ein schon länger bestehendes strukturelles Defizit nun noch verschärft, erläuterte Reif. Die Einnahmen hielten nicht mehr Schritt mit jährlichen Personalkostensteigerungen in Höhe von drei bis vier Prozent. Zunehmenden Druck auf die kirchliche Finanzlage übt auch die anhaltende Niedrigzinsphase aus. Vor fünf Jahren seien die Zinsen für zurückgelegtes Kapital zur künftigen Versorgung von Mitarbeitern im Ruhestand noch mit zwei Prozent angesetzt worden, so der Finanzdirektor. Jetzt sei nur noch ein Prozent erwartbar.

Das Jahr 2019 schloss das Erzbistum München und Freising mit einer Bilanzsumme von rund 3,6 Milliarden Euro ab, das waren 114 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Das in diesen Zahlen abgebildete Vermögen der Kirche besteht im Wesentlichen aus Immobilien (1,2 Milliarden Euro) und Finanzanlagen (1,49 Milliarden Euro).

© SZ vom 24.10.2020 / dpa, KNA
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