Katholische Jugendfürsorge Starke Gemeinschaft

Ein integrativer Wettbewerb zum Thema "Zuhause"

Von ROBERT MEYER

Die 11-jährige Tabea beschreibt mit einem Gedicht ihr Zuhause.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Mein Zuhause ist für mich der Ort, der mich vor Regen schützt. Mein Zuhause ist für mich ein Ort, an dem ich mich wohl und sicher fühle. Mein Zuhause ist für mich ein Ort, an dem ich mit meiner Familie Spaß haben und leben darf." Mit diesem Gedicht beschreibt die 11-jährige Tabea den Ort, der für viele selbstverständlich ist. Aber nicht für alle. Gerade Kinder leiden darunter, wenn ihr Zuhause kein Anker im Leben ist. Die Katholische Jugendfürsorge (KJF) kümmert sich um Kinder und Jugendliche in Not sowie behinderte Menschen. Der Wohlfahrtsverband hat Preise für die originellsten Bilder und Kunstwerke über das "Zuhause" vergeben. Die Teilnehmer sollten sich darüber Gedanken machen, was das Zuhause für sie bedeutet, was dazugehört und wie es aussieht. Teilgenommen haben Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit oder ohne Behinderung, die in den Einrichtungen der KJF wohnen oder von ihr betreut werden. So wie Tabea, die einen integrativen Hort der KJF besucht.

Daemon und Silvastian zeigen in ihrem Bild Puzzleteile für ein perfektes Zuhause.

(Foto: Stephan Rumpf)

Neben dem Bild und Gedicht von Tabea wurden auch vier Wohngruppen des Clemens-Maria-Kinderheims aus Putzbrunn ausgezeichnet. Die Gruppen haben jeweils ein gemeinsames Kunstwerk zum Thema Zuhause eingereicht. Darunter ein Bild, in dem Daemon und Silvastian gemeinsam mit ihrer Gruppe die Puzzleteile für ein perfektes Zuhause zeigen. Aber auch eine Collage in Form eines Hauses mit Bildern von lachenden Kindern und gutem Essen hat gewonnen. Man wolle den jungen Menschen mithilfe dieses Wettbewerbs "eine Stimme geben" und ihre Arbeit wertschätzen, sagt Bartholomäus Brieller, Vorstandsvorsitzender der KJF München.

Andrea Bartl ist 35 Jahre alt, hat das Down-Syndrom und wurde für ihr Bild ebenfalls prämiert.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Bilder zeigen vor allem eines: Den Kindern kommt es bei einem perfekten Zuhause nicht in erster Linie auf Reichtum an. Immer wieder stehen auf den Bildern Wörter wie Gemeinschaft, Liebe oder Geborgenheit. Die Kunstwerke haben eines gemeinsam: Ein gutes Zuhause definiert sich über die Menschen, mit denen man es sich teilt. Anlass für den Wettbewerb war die Kampagne "Jeder Mensch braucht ein Zuhause", mit der die Caritas auf die Wohnungsnot in Deutschland aufmerksam machen will. "Der Wettbewerb war eine Möglichkeit, das Thema Zuhause sichtbar zu machen", sagt Werner Retzlaff. Er ist Leiter der Außenwohngemeinschaften des Steinhöringer Einrichtungsverbundes für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Er ist gemeinsam mit Andrea Bartl auf der Verleihung in München. Sie ist 35 Jahre alt, hat das Down-Syndrom und wurde für ihr Bild ebenfalls prämiert. Es zeigt ihr Zuhause mit fünf Bewohnern und drei Betreuern. Was das Tolle an ihrer Wohngruppe in Grafing ist? Wenn ihr langweilig ist, könne sie jederzeit einfach nur ein Stockwerk runter, sagt sie. "Manchmal, aber nicht immer" ist Andrea Bartl auch gerne alleine - als passionierte Anhängerin des FC Bayern München vor allem beim Fußballschauen.

Letztlich kommt es bei einem guten Zuhause darauf an, sich wohlzufühlen. Oder wie es eines der Gewinnerbilder des Kinderheims ausdrückt: "Zuhause ist da, wo ich glücklich sein kann."