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Karriere:Diese Frau könnte Deutschlands erste Astronautin werden

Suzanna Randall glaubt an die Mission und ihren Erfolg.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Astrophysikerin statt Eurofighter-Pilotin: Nach dem Ausstieg von Nicola Baumann könnte Suzanna Randall aus München bald ins All fliegen.

Die zierliche Frau mit dem blauen Astronautenanzug und dem sympathischen Lachen steckt an mit ihrer Begeisterung. Ganz gleich, was passiert, Suzanna Randall ist schon jetzt eine Gewinnerin. Die Astrophysikerin hat die Chance, als erste deutsche Frau ins All zu fliegen. Die Privatinitiative "Die Astronautin" hat die 38-Jährige als neue Trainee für das Ausbildungsprogramm nominiert. Für Randall wird damit ein Kindheitstraum wahr. Sie selbst hat aber auch den Anspruch, ihren Traum auch Mädchen und jungen Frauen nahezubringen: "Hier ist eine ganz normale Frau, die auf der ISS mitfährt. Das könnt ihr auch." Frauen sollten in allen Schichten der Gesellschaft vertreten sein.

So normal und so einfach ist es vielleicht doch nicht. Suzanna Randall hatte viel vorzuweisen, als sie sich bei der Initiative bewarb, wie mehr als 400 andere Frauen auch. Randall ist gebürtige Kölnerin, hat in London Astronomie studiert und in Montreal - in einer reinen Männerwelt - promoviert und lebt mittlerweile in München-Schwabing. Sie arbeitet an der Europäischen Südsternwarte (Eso) in Garching, erforscht dort die Evolution der Sterne, und arbeitet in der Atacama-Wüste in Chile am größten Teleskop der Welt. Von dort bis in den Weltraum ist es trotzdem noch ein größerer Schritt. Möglich könnte er werden, wenn die Mission von Claudia Kessler gelingt. Die Raumfahrtmanagerin ist die Initiatorin von "Die Astronautin". Sie will Frauen eine Chance geben, ins All zu fliegen. Bisher steht die Zahl von rund 60 Frauen 550 Männern gegenüber. Und sie will Mädchen für die technischen und naturwissenschaftlichen Berufe begeistern, die Raumfahrt sei dazu eine geeignete Plattform.

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Die Frauen, die sich beworben haben, mussten harte Prüfungen durchlaufen. Randall erzählt von stundenlangen Arztbesuchen und Augenuntersuchungen. Auf das Basiswissen habe sie sich besonders gewissenhaft vorbereitet. Und auch die psychologischen Tests seien anspruchsvoll gewesen, berichtet sie. "Ich war mir jedes Mal sicher, dass ich nicht weitergekommen bin." Doch sie landete unter den letzten sechs Bewerberinnen auf Rang drei. Dass sie jetzt im März zusammen mit Insa Thiele-Eich zu Parabelflügen nach Bordeaux aufbricht, hat sie allerdings dem Ausstieg von Nicola Baumann zu verdanken. Die Eurofighter-Pilotin hatte das Programm im Dezember aus privaten Gründen verlassen, Randall wurde nachnominiert.

Für Randall beginnt nun eine spannende Zeit. Von ihrem Arbeitgeber bekomme sie viel Rückendeckung, erzählt sie. "Die Eso wird mir den nötigen Freiraum geben", das sei eine sehr komfortable Ausgangssituation. Sie freue sich schon auf ihre Ausbildung. Sie will die Fluglizenz machen, und selbst die russische Sprache schreckt sie nicht, auch wenn ihr Astronauten berichtet haben, das sei mit das Härteste an der Ausbildung. Nur, dass sie in Zukunft nicht mehr so viel Zeit haben wird für ihre Gleitschirmflüge - bisher hat sie fast jedes Wochenende für ihr Hobby genutzt -, das tut ihr leid. Immerhin hat Randall, die seit 15 Jahren Yoga macht und auch eine Ausbildung als Lehrerin hat, fest vor, ihre Yogamatte ins All mitzunehmen.

Wenn es denn so weit kommt. Denn mit Insa Thiele-Eich gibt es eine zweite Astronautenkandidatin. Die promovierte Meteorologin hat mit ihrem Training bereits im vergangenen Jahr begonnen. Beide werden das volle Programm absolvieren, dann wird sich entscheiden, wer die Nummer eins wird und 2020 fliegen darf. Allerdings gibt es da noch ein großes Fragezeichen. Denn wie Kessler bei Randalls Vorstellung ausführte, ist die Initiative noch auf der Suche nach Geldgebern und Sponsoren. 50 Millionen Euro müssen zusammenkommen, um die zehn Tage auf der internationalen Raumstation zu finanzieren. Deswegen wirbt die Initiative auch auf verschiedenen Wegen und hat eine Crowdfunding-Aktion gestartet.

Randall sieht das alles positiv. Sie glaubt an die Mission und ihren Erfolg. Sie findet besonders die psychologischen Aspekte des Zusammenlebens auf engstem Raum spannend. Das erinnert sie ein wenig an ihre Arbeit in der Wüste. Auch dort ist sich das Team sehr nah. "Ich kenne die Kollegen in Chile teils besser als die Kollegen hier", erzählt sie. Gerade in Stresssituationen lerne man die Menschen ganz anders kennen. Diese Erfahrung könnte im Weltraum von Vorteil sein.

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