Zwei aktuelle Beispiele: Noch bis November ist auf der Burg Grünwald die Ausstellung „Karl Valentin und die alten Rittersleut“ zu sehen. Und am 19. Juni präsentiert der Valentin-Darsteller Wilfried vom Ammersee sein Programm „Karl Valentin und die Liebe“ im Ebenböckhaus der Pasinger Fabrik. Man könnte also sagen, Karl Valentin sei gerade wieder en vogue. Was natürlich Unsinn ist, denn das komische Genie, Münchner Original und künstlerische Universaltalent Karl Valentin ist zeitlos aktuell und wird es bleiben.
Daran orientierten sich auch die Macher und Herausgeber eines neuen Buchs über, im Geiste und in großen Text-Teilen von Karl Valentin selbst. Einerseits erscheint es „pünktlich zum 144. Geburtstag, also nach 12 mal 12 Jahren seines Lebens“, wie es in der Verlagsankündigung heißt. Andererseits ist es ein immerwährender Kalender ohne Jahre und Wochentage. „366 Tage mit Karl Valentin – Der immer gültige Kalender des Humors“ heißt das im Volk Verlag erschienene Werk dementsprechend.
Drei ausgewiesenen Valentin-Kennern ist es zu verdanken. Einmal dem Rechtsanwalt Gunter Fette, der seit 1970 den künstlerischen Nachlass von Karl Valentin für die – mittlerweile in der dritten Generation befindlichen – Erben verwaltet und drei Bucheditionen sowie eine fünfteilige CD-Edition zu Valentin und Liesl Karlstadt veröffentlicht hat. Dann dem Autor und Turmschreiber Alfons Schweiggert, der mehrere maßgebliche Bücher über Karl Valentin verfasst hat und 2007 sowohl den aus „Nichts“ bestehenden, inzwischen von der Stadt München vergebenen „Großen Valentin-Karlstadt-Preis“ wie auch die „Valentin-Karlstadt-Gesellschaft“ gründete.
Und last but not least Herbert Becke, der zwei Jahre lang wohl am intensivsten daran arbeitete, und für den „dieses Buch fast schon eine Art ‚Lebenswerk‘ bedeutet“, wie er sagt. Schon 1966, mit 16 Jahren, gründete er eine „Valentinaden-Bühne“ und war selbst langjähriger Valentin-Darsteller. Die Leidenschaft für den valentinesken Humor verließ ihn auch in seinen 33 Jahren als Leiter der Volkshochschule im Münchner Norden und als Fotograf nie. Zusammen mit Fette und Schweiggert war er zehn Jahre lang Vorstandsmitglied der „Saubande“, dem Verein zur Förderung von Kunst und Kultur, insbesondere der Münchner Volkssängerkultur und des „Valentin-Karlstadt-Musäums“; alle sind bis heute auch aktive Mitglieder der „Valentin-Karlstadt-Gesellschaft“.

So brachten die drei gemeinsam eine konkurrenzlose Expertise mit, die in der Kalender-Idee eine adäquate Form für eine neue und sehr unterhaltsame Vermittlung des Valentin-Kosmos fand. Quasi in 366 Kapiteln. Vollgepackt mit hunderten von teilweise bislang unveröffentlichten Fotografien aus den Tiefen des Valentin-Archivs. Mit ebenso vielen Zitaten und Sprüchen des einzigartigen Missverstehers Karl Valentin, teils überraschend unbekannte, teils Klassiker wie „Des ignoriern ma net amoi“, bis zu den berühmten letzten Worten auf dem Sterbebett am 9. Februar, damals 1948 ein Rosenmontag: „Da hab ich ein Leben lang Angst vor dem Sterben gehabt, und jetzt des …“
Dazu kommen zahlreiche Dokumente und Anekdoten zu Valentin und seinem Werk, valentineske Fotografien von Herbert Becke, Abbildungen diverser Valentin-Darsteller und viele Zitate prominenter Zeitgenossen von Oskar Maria Graf oder Kurt Tucholsky bis zu Herbert Achternbusch oder Samuel Beckett. Und nicht zuletzt gibt es auch ein durchaus überraschendes Vorwort von Gerhard Polt.
An die passenden Tage gehängt sind oft wichtige biografische Stationen Valentins, aber auch durch UNO-Welttage. Es hat dann einen besonderen Reiz, wenn man etwa zum „Welttag der Freundschaft“ die Valentin-Sentenz lesen kann: „Ich hab schon erfahren, dass Du über mich geschimpft hast. Das ist der Dank, dass ich Dir vielleicht einmal 100 Mark leihe.“ Oder zum Welttag des friedlichen Zusammenlebens sein bekanntes Bonmot: „Der Mensch ist gut, aber die Leut san schlecht.“
Der Kalender beginnt natürlich mit Karl Valentins Geburtstag, dem 4. Juni. Ist man am 3. Juni angelangt, kann man schon deshalb von vorne anfangen, weil es auch überall Raum für Notizen gibt, auf dem man seine eigenen Gedanken verewigen kann. Und weil das Ganze auch noch opulent ausgestattet – von den Original-Zeitungsanzeigen Karl Valentins in den Umschlagseiten bis zum roten Einmerkfaden – im bewährten Format und exzellenten Layout des Volk-Verlages daherkommt, ist dieses ewig gültige, nicht nur für Valentin-Fans erbauliche Buch durchaus zum Vererben geeignet.
„366 Tage mit Karl Valentin – Der immer gültige Kalender des Humors“, Volk Verlag München, 29,90 Euro


