Die spindeldürre Figur, die da im Innenhof der Burg Grünwald mit einem Spaten rumbuddelte und nach Relikten aus der Ritterzeit suchte, mutete vermutlich wie ein Ritter von der traurigen Gestalt an. Und gefunden hat Karl Valentin, der Anfang der 1940er-Jahre das stark bombardierte München verlassen hatte und im Schlosshotel Grünwald nebenan logierte, damals auch nichts: weder Schwerter noch Helme und schon gar keinen Schatz. Wenn der große Münchner Humorist und Wortakrobat hier hoch über der Isar freilich doch etwas gefunden hat, dann Inspiration.
Das so derbe wie beliebte Couplet „Ja so warn’s, die alten Rittersleut“ ist von den spätmittelalterlichen Gemäuern angeregt, die heute ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung München beherbergen. Das Spottlied, das bereits 1939 entstand und damals regelmäßig auf der Bühne in Valentins „Ritterspelunke“ im Färbergraben erklang, avancierte zum Gassenhauer: „Zu Grünwald drunt im Isartal, glaubt es mir, es war einmal, da ham edle Ritter g’haust, dene hat’s vor gar nix graust“.
Die Ausstellung „Karl Valentin und die alten Rittersleut“, die nun im Burgmuseum zu sehen ist, folgt den Spuren, die das Interesse Valentins am Rittertum in Biografie und Werk hinterlassen hat. „Woher diese Faszination kommt, wissen wir nicht“, sagt Reinhard G. Wittmann vom Verein Forum Humor und komische Kunst, der die Ausstellung kuratiert und mit der Archäologischen Staatssammlung München organisiert hat.
Dass es diese Faszination aber gab, ist unbestritten, denn schon von 1914 an tauchen Ritter in Valentins Programmen auf; 1924 schrieb er mit Liesl Karlstadt den Zweiakter „Die Raubritter vor München“, der in den Kammerspielen uraufgeführt wurde. 1934 eröffnete Valentin einen mittelalterlichen Lach- und Gruselkeller, er und Karlstadt schrieben Drehbücher für eine Verfilmung des Raubritter-Stoffs, 1939 folgte die Einrichtung der „Ritterspelunke“: eine Mischung aus Kneipe, Panoptikum und Kellertheater. Ein Stück, das dort oft aufgeführt wurde, war „Der Ritter Unkenstein“, dessen Stammsitz die Burg Grünwald war.

So korrespondiert der Ort der Ausstellung geradezu ideal mit dem Thema. „Ein Clou“, urteilt Wittmann. Allzu spektakulär fällt sie freilich nicht aus, die räumlichen Nutzungsmöglichkeiten in der historischen Anlage, die auch eine Dauerausstellung zur Geschichte der Burgen in Bayern beherbergt, sind beschränkt.
Aber sie lohnt sich, die Reise in Valentins mehr grotesk als klassisch-ritterlich inspirierte Welt des Mittelalters. Wenn der Besucher den von einer Ritterrüstung bewachten Eingang passiert, warten auf ihn Illustrationen mit Ritter- und Geistermotiven, Gemälde, Fotos, Plakate, Entwurfszeichnungen, Bühnenbilder. Eine Guillotine, Folterwerkzeuge und Leierkasten flankieren die Exponate. Viele davon stammen aus dem Valentin-Nachlass im Theaterwissenschaftlichen Archiv der Kölner Universität, manche Bilder aus dem Besitz der Familie Valentin.

Spannend etwa ist auch ein Brief, den Valentin 1937 an den Reichsfilmdramaturgen sandte. „Ich weiß, dass ich dem deutschen Film durch meine Ideen eine neue Note geben kann“, schrieb er darin. Der Versuch, sich die „Raubritter-Verfilmung“ genehmigen zu lassen, scheiterte. Wohl auch, weil die Geschichte, in der die Ritter München erobern wollen, von grotesken, die soldatische Welt verspottenden Einfällen geprägt ist. Die Kanonen der Stadtwache sind etwa unbrauchbar, weil Würste in den Rohren stecken. „Und die Ritter sind Trottel“, urteilt Wittmann schmunzelnd.
Zudem gibt es die Möglichkeit, neue Verse für die „alten Rittersleut“ zu schreiben: Das 1966 von den Hot Dogs erfolgreich wieder belebte „Gaudi-Lied“ hat ja schon seit jeher zu weiteren Strophen inspiriert. Die Verse sollen ihren Weg in Social Media finden und besonders gelungene werden prämiert.
Karl Valentin und die alten Rittersleut, bis 15. November, Burg Grünwald, Zeillerstraße 3, mittwochs bis sonntags 10 bis 17 Uhr, archaeologie.bayern/erleben/sonderausstellung

