Kampf um Heimwerker:"Obi wird jetzt wieder angreifen"

Branchenkenner schildern die neuen Vertragsklauseln etwas unfreundlicher: Obi wolle sich den Durchgriff auf die kompletten Geschäftsabläufe sichern und versuche, unternehmerische Freiheiten weiter einzuschränken. Beim Branchentag im Dezember in Berlin betonte ein Obi-Vertreter nach Teilnehmerangaben, dass man von seinen Franchise-Nehmern Treue erwarte - mit den neuen Verträgen gebe es kaum Probleme. Und aus der Obi-Pressestelle heißt es zum Münchner Fall - neben einem Bedauern über den Verlust - spitz: "Auch wenn diese acht Märkte nicht mehr zu unserer Gruppe gehören, sind da immer noch 577 Märkte. Sie können also davon ausgehen, dass Obi weder Profil noch Substanz verliert, und wir werden diesen Verlust sicher kompensieren können."

Anders als bei Obi, wo nur einige Märkte im Franchise-System geführt werden und die meisten der Firma selbst gehören, sind bei Hagebau alle Märkte im Besitz privater Unternehmer. Diese sind zugleich Gesellschafter von Hagebau, einer GmbH & Co. KG. Burkhard von Fritsch, einer der vier HEV-Geschäftsführer, sagt: "Bei wichtigen Themen wie der Listung von Lieferanten haben die Märkte ein hohes Maß an Entscheidungsfreiheit und können die angebotenen Produkte und Dienstleistungen noch stärker an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten." Zu Hagebau gehören nicht nur Baumärkte, sondern auch Baustoff-, Holz- und Fliesenfachhändler. Ende Dezember waren es insgesamt 307 Gesellschafter mit 1435 Betriebsstätten.

Und mit ihnen sind Kunden zumindest etwas zufriedener als mit der Konkurrenz von Obi: Bei einer aktuellen Umfrage des Deutschen Instituts für Service-Qualität landeten die Hagebau-Märkte auf Platz fünf, einen Rang vor Obi. Platz zwei und drei belegten Hornbach und Bauhaus. Toom kam auf Rang sieben, Praktiker auf neun. Sieger wurde die im Großraum nicht vertretene Kette Globus.

Baumarkt-Experte Kollatz rechnet nun auch in München mit einem verstärkten Verdrängungskampf: "Obi wird jetzt wieder angreifen, um verlorenes Terrain zu kompensieren", prophezeit er. Das werde zu Lasten anderer gehen. Ungeklärt ist auch noch, was mit den anderen acht HEV-Märkten passiert, wenn deren Verträge mit Obi auslaufen - sie sind aktuell vom Wechsel nicht betroffen. Branchenkenner sind aber der Meinung, dass es auf Dauer keinen Sinn habe, in zwei Verbünden tätig zu sein.

© SZ vom 26.01.2013/sonn
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