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Kampf um Heimwerker:Tapetenwechsel im Baumarkt

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Um die 45 Milliarden Euro Umsatz machen Deutschlands Baumärkte jedes Jahr.

(Foto: Florian Peljak)

Noch ist Obi bei den Baumärkten in und um München die Nummer eins. Doch nun laufen acht Filialen zum Konkurrenten Hagebau über, weitere acht könnten folgen. In der Branche herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb - auch für die Kunden dürfte sich einiges ändern.

Von Ralf Scharnitzky

Da müssen die ganz Großen ran, die absoluten Experten. Die, die den Umzug des Münchner Flughafens von Riem ins Erdinger Moos gemanagt haben. Das ist immer mal wieder zu hören, wenn Einzelhändler einen der größten deutschen Deals im Baumarkt-Sektor diskutieren: Acht Obi-Märkte in München und Umgebung müssen Anfang Oktober innerhalb weniger Tage in Hagebau-Märkte verwandelt werden - eine logistische Herausforderung.

Aber das mit den Flughafenleuten ist wohl doch nur ein Gerücht. "Das schreiben Sie mal lieber nicht", sagt ein Sprecher des Münchner Unternehmens, das die Erschütterungen in der Branche ausgelöst hat: "Der Umbau eines Marktes ist ja wohl doch ein paar Nummern kleiner als der Umzug eines ganzen Airports."

Das Unternehmen ist die Münchner Heimwerkermarkt Verwaltungs GmbH (HEV), sie gehört vier Familien und betreibt als Franchise-Nehmerin bisher 16 Obi-Märkte im Großraum München. Acht von ihnen werden nun zu Hagebau-Märkten; in der HEV-Zentrale laufen bereits die Vorbereitungen, um sie für die neuen Lieferanten herzurichten.

Noch ist unklar, ob alle Artikel ausgetauscht werden müssen oder ob manche übernommen werden können - in einem Obi-Markt finden sich im Durchschnitt 40.000 bis 60.000 Artikel. Und wenn nach dem Umbau die neuen Märkte eröffnen, dann ist Hagebau, die Handelsgesellschaft für Baustoffe aus Soltau, die bisher lediglich ein Geschäft im Großraum München betreibt, mit neun Märkten der zweitgrößte Anbieter in der Region München.

Deutschlands Branchenführer Obi bleibt gleichwohl Spitzenreiter - mit dann immer noch zwölf Standorten. Mit einigen Märkten vertreten sind hier auch große Ketten wie Hornbach, Bauhaus, Praktiker und Toom. "München ist sehr gut besetzt", sagt Ulrich Kollatz von der Münchner BBE-Handelsberatung. Der Experte für Bau- und Gartenmärkte sowie Baustoffhandel spricht von einem bundesweiten Verdrängungskampf innerhalb des "DIY-Bereichs" - die Abkürzung steht für "Do it yourself". Die Zahl der Standorte in Deutschland nimmt seit Jahren geringfügig ab, Ende 2011 etwa zählte der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) fünf Marktstandorte weniger als ein Jahr zuvor. Aber die Märkte werden größer: Im gleichen Zeitraum stieg die Gesamtverkaufsfläche um 2,3 Prozent auf 13,5 Millionen Quadratmeter.

Zum DIY-Kernmarkt zählen Bau- und Heimwerkermärkte, Baumarktshops sowie große und kleine Fachgeschäfte; alle zusammen machten im Jahr 2011 laut BHB einen Umsatz von 44,7 Milliarden Euro. Die Branche wachse, sagt Kollatz: "Aber verhalten." Bei einigen Unternehmen wie Praktiker sinken die Umsätze. Obi und Hagebau melden mit 6,9 beziehungsweise 5,6 Milliarden Euro steigende Zahlen. Die 16 Märkte, die HEV betreibt, machten 2011 einen Umsatz von 210 Millionen Euro.

Für acht ihrer 16 Märkte hat die HEV von Obi, das zur Tengelmann-Gruppe gehört, einen neuen Vertrag angeboten bekommen und im Herbst vergangenen Jahres abgelehnt - schweren Herzens, denn HEV und Obi sind seit mehr als 30 Jahren verbandelt. Aber die Einschränkungen, die in den neuen Kontrakten vorgesehen waren, waren wohl zu heftig. Details erfährt man natürlich nicht, weder von der einen noch der anderen Seite. Aber aus der Obi-Zentrale in Wermelskirchen heißt es auf Anfrage: "Wir hatten der HEV-Gruppe einen neuen Vertrag angeboten, den auch alle anderen Franchisepartner von uns erhalten, der mehr Konformität zum System beinhaltet. Das hat die HEV-Gruppe nicht akzeptiert." Nicht nur die, auch andere Franchise-Nehmer wie in Miesbach und Weilheim sind zuletzt zu Hagebau gewechselt.

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