Kampf um Frauenrechte Es ist ein ewiger Kampf

In der Zonta-Bewegung übernehmen weltweit Frauen Verantwortung für andere Frauen, die Unterstützung brauchen. Nun feiert einer der vier Münchner Clubs 50-jähriges Bestehen

Von Pia Ratzesberger

Es gibt ein Foto von den Gründerinnen aus dem Jahr 1919, die Frauen tragen noch Hüte mit breiter Krempe, Pelz um die Schultern. Ihre Ziele aber waren schon damals die gleichen, beim ersten Treffen in Buffalo, im Bundesstaat New York. Von da an nannte sich die Gruppe Zonta, aus der Sprache der Sioux-Indianer kommend, ein Begriff für ehrenhaftes Handeln, für Verantwortung. Zonta wollte die für andere Frauen übernehmen - heute sind es 1200 Clubs, in 67 Ländern, vier davon in München. Und Sybill Heßler, eine der Präsidentinnen, fürchtet manchmal um die Errungenschaften dieser Frauen.

Ein Vormittag im Künstlerhaus am Lenbachplatz, hier trifft sich der Zonta-Club II einmal im Monat, Heßler ist spät dran, ein Anruf hielt auf. Jetzt will die Internistin, 53 Jahre, erst einmal klarstellen, dass sie kein Geheimclub seien. Auch wenn neue Mitglieder meist von Mitgliedern vorgeschlagen werden, auch wenn von jedem Berufsstand nur eine Frau vertreten sei - eine Architektin zum Beispiel, eine Zahnärztin, eine Goldschmiedemeisterin, eine Verlegerin. Auch deshalb gibt es vier Clubs in der Stadt, mehr als 60 Mitglieder sollte keiner haben, der Club mit der Nummer Zwei aber sei momentan der größte. Sie unterstützen unter anderem Studentinnen, die sich an der Universität schwerer tun als andere, weil sie zu Hause noch ihre Mutter pflegen, weil sie alleinerziehend sind. "Wir geben Geld dazu, um die besonders schwierige Zeit zu überbrücken", sagt Heßler, meist für ein paar Monate. Eine Lyrikerin, politisch verfolgt in Iran, geflohen, hat als Stipendiatin nun ihr Studium in Germanistik abgeschlossen, einen eigenen Verlag gegründet. Das sei das Beste, sagt Heßler. Wenn es wieder ohne Zonta gehe. Ihr Budget setzt sich aus den Beiträgen der Mitglieder zusammen, auch Spenden, Einnahmen von Benefizveranstaltungen, neulich haben sie Designerhandtaschen versteigert - ein Drittel des Geldes geht stets an internationale Projekte, Zonta ist als beratende Organisation bei den UN vertreten, auch im Europarat; kämpft gegen Frauenhandel in Nepal und gegen Zwangsheirat im Niger.

Ein Drittel des Geldes aber geht nach München. In eine Stadt, sagt Heßler, in der die Ansprüche immens sind, in der alle aneinander vorbei hetzten. Ihre Kollegin aus dem Vorstand, Sabine Zaplin, nickt: "München hat sich im Wohlstand eingerichtet und um den erhalten zu können, wird so viel aufgewendet, dass das Miteinander zu kurz kommt." Zonta fördert auch eine Schneiderei in Haidhausen, in der arbeitslose Frauen lernen, ein Wohnprojekt für Geflohene, immer wieder suchen sie Neues. Die Arbeit endet nicht, auch nicht nach 50 Jahren, vielleicht gerade jetzt nicht - Heßler wundert sich über die Rückkehr von Rollenbildern, die sie überwunden glaubte. Erstklässlerinnen in Lillifee-Tüll, Elternzeiten als Karriereknick. Die Frauen dürften sich nicht täuschen lassen.

Der Zonta Club München II feiert sein Jubiläum mit einem Benefizabend am Samstag, 28. Oktober, ab 19 Uhr im Künstlerhaus am Lenbachplatz. Der Eintritt kostet 60 Euro. Es gibt noch Karten.