Pro: Kamin am Heizkraftwerk Süd Bloß nicht abreißen

Ein Luftbild vom Heizkraftwerk Süd in Sendling, im derzeitigen Zustand mit dem 176 Meter hohen Kamin.

(Foto: SWM/SCG Architekten)

Der 176 Meter hohe Schlot an der Isar ist nicht schön, aber unverzichtbar. Denn er bricht mit Klischees über die Stadt.

Kommentar von Sebastian Krass

Ist der große Kamin am Heizkraftwerk Süd ein Denkmal? Mag sein, dass die Experten in diesem 176-Meter-Schlot, den die Stadtwerke technisch nicht mehr brauchen und abreißen wollen, keinen Fall für Artenschutz durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege sehen. Aber für viele Menschen ist das zweithöchste Bauwerk der Stadt genau das: ein Denkmal.

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Sie orientieren sich schon ihr ganzes Münchner Leben an ihm. Wo der Schlot ist, da ist etwas südlich der Innenstadt, da ist der Flaucher nicht weit weg. Außerdem ist der Kamin ein Ort, der mit Klischees über München bricht. Ansonsten sind es vor allem Kirchen und Bürohochhäuser, die aus der Silhouette hervorstechen. Sie stehen für die reiche Geschichte und die prosperierende Wirtschaft der Stadt. Ein paar Wohntürme für Reiche und Superreiche gibt es auch, noch so ein Klischee. Der Kamin hingegen erinnert daran, dass auch diese propere Stadt Einrichtungen braucht, die sie am Laufen halten. Die sind nicht unbedingt schön, aber unverzichtbar für das Gebilde Großstadt. Deshalb sollten sie auch auffallen.

Ja, es plant keiner den Abriss des Kraftwerks. Im Gegenteil, es wird zu Deutschlands größter Geothermieanlage umgebaut. Und ja, die Stadtwerke wollen vier Kamine erhalten und einen neuen bauen, halb so hoch wie der lange. Aber das wiegt den Verlust nicht auf. Die 176 Meter sind ein Symbol Münchner Industriegeschichte und sollen erhalten bleiben.

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