Kalender  2026 für MünchenBildreich durchs Jahr

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Völlig schwerelos – und bedroht: Das Zebraschnauzen-Seepferdchen schmückt das Juni-Kalenderblatt des Tierparks Hellabrunn.
Völlig schwerelos – und bedroht: Das Zebraschnauzen-Seepferdchen schmückt das Juni-Kalenderblatt des Tierparks Hellabrunn. Daniela Hierl

Eine Reise in die Stadtgeschichte mit Plakaten, Wissenswertes über die Tiere in Hellabrunn und Entdeckungen aus der Literatur: Kalender-Tipps aus München für 2026.

Von Evelyn Vogel, Antje Weber und Barbara Hordych

Alle Jahre wieder stellen sich Menschen die Frage: Braucht’s das noch? Einen Kalender, den man sich an die Wand hängt oder auf den Tisch stellt? Schließlich ist das mobile Kalendarium dank Smartphone doch eh immer zur Hand. Gewiss hat der Kalender als zeitliche Orientierungshilfe an Bedeutung verloren. Aber Monat für Monat ein neues und schönes Bildmotiv aufzuschlagen und dabei auch etwas Interessantes oder Amüsantes zu erfahren, ist immer noch eine wunderbare Sache. Dank digitaler Elemente auch oft mit zusätzlichem Nutzen. Hier ein paar Kalender-Tipps von Oldies but Goldies bis Newcomern.

Stadtgeschichte im Plakatformat

Stolz warb die Loden-Fabrik-Frey mit „Nur selbstgefertigte Stoffe“ auf ihrem von Edwin Hermann Henel gestalteten Plakat 1913 für ihre Bekleidung und Ausrüstung.
Stolz warb die Loden-Fabrik-Frey mit „Nur selbstgefertigte Stoffe“ auf ihrem von Edwin Hermann Henel gestalteten Plakat 1913 für ihre Bekleidung und Ausrüstung. Stadtarchiv

Die Plakat-Sammlung des Stadtarchivs München ist eine echte Fundgrube. Herrlich aufwendige Motive mit Schrift und Bild, die für verschiedenste Produkte oder die Volksgesundheit ebenso werben wie für Kunst-, Kultur- und Sportereignisse. Das Potenzial hat der Verlag Ph.C.W. Schmidt in Neustadt an der Aisch erkannt und erstmals einen Kalender mit Schätzen aus dem Stadtarchiv München für das Jahr 2026 herausgegeben.

Zudem sind die Plakate wertvolle Kultur-Dokumente. Seit 1845 systematisch gesammelt und bewahrt, erzählen die Motive viel über die Stadtgeschichte. Das Titelbild zeigt das Brockenhaus, ein Werbeplakat des Vereins „Münchner Brockensammlung“ von 1906. Was das war? Ein früher Vorläufer des Sozialkaufhauses, in dem mit Spenden von Waren des täglichen Bedarfs sozial Schwache unterstützt wurden. Über das Brockenhaus erfährt man noch weitere interessante Details (Text: Barbara Seebald), aber beispielsweise auch über die Münchner Künstlervereinigung, den Radlclub „Germania“, die erste mobile Reiseapotheke oder das größte private Hallenschwimmbad Münchens, das Luisenbad, erbaut 1895/86. Einziger Wermutstropfen des schönen Kalenders: Um die Texte lesen zu können, muss man die großen, schweren Blätter umdrehen, denn sie stehen auf den Rückseiten. Digitale Features gibt es leider nicht. lyn

Schätze aus dem Stadtarchiv München – Fundgrube Plakatsammlung, Monatskalender 2026, Stadtarchiv München, Hg., Verlagsdruckerei Schmidt, 24,90 Euro.

Ein tierisch-treuer Begleiter

Die Hartmann-Bergzebras gucken ganz allerliebst auf dem Titel des Tierpark-Kalenders Hellabrunn für 2026.
Die Hartmann-Bergzebras gucken ganz allerliebst auf dem Titel des Tierpark-Kalenders Hellabrunn für 2026. Maria Nicole Fencik 2024

Ein echter Klassiker ist der Münchner Tierpark-Kalender Hellabrunn. Tatsächlich hat er trotz Digitalisierung nichts von seiner Beliebtheit verloren. Dafür sorgen nicht nur die oft süßen und mitunter skurril wirkenden Bildmotive, die das Ergebnis eines eigenen Fotowettbewerbs sind. Da glotzt eine Schneeeule aus unberührtem eiskalten Weiß, schwebt eine Qualle faszinierend schön durch das Blau des Ozeans oder blicken zwei Zebras ganz allerliebst den Betrachter an.

Auf jeder Seite finden sich zudem kurze Infos zu den Tieren. So liest man, dass die Quallen perfekte Jagdwaffen sind, Seepferdchen durch einen Aberglauben bedroht werden oder Pinguine bis zu fünf Minuten unter Wasser tauchen können. QR-Codes führen zu Lexikoneinträgen, Podcast-Folgen oder Videos rund um das Thema Biodiversität. Oder wussten Sie, dass die Seegraswiesen, in denen Seepferdchen so wunderbar schwerelos leben, massiv bedroht sind? Dank des QR-Codes erfährt man beispielsweise, wo die Probleme liegen für Tier und Mensch und wie der Tierpark ein internationales Artenschutzprojekt zur Wiederaufforstung von Seegraswiesen in philippinischen Gewässern unterstützt. lyn

Kalender Münchner Tierpark Hellabrunn 2026, DIN-A3-Format, an den Kassen und in den Zoo-Shops, 10 Euro.

Zeitgenössische Lyrik

Mit Lyrik durch das Jahr: ein Ausschnitt des Titelblatts des C.H. Beck Gedichtekalenders 2026.
Mit Lyrik durch das Jahr: ein Ausschnitt des Titelblatts des C.H. Beck Gedichtekalenders 2026. C.H. Beck

Was für ein schöner Anfang: „Wir wohnen / Wort an Wort / Sag mir / dein liebstes / Freund / Meines heißt / DU“. Mit diesen Zeilen von Rose Ausländer beginnt der Zilpzalp-Gedichtekalender. Verse von Joseph von Eichendorff bis Karin Fellner schmücken den Kalender der Stiftung Lyrik Kabinett, dessen Auswahl und Linolschnitte die Künstlerin Susanne Hanus mit Schülerinnen und Schülern des Staffelsee-Gymnasiums Murnau erarbeitet hat. Auch von letzteren sind einige Gedichte dabei, entstanden unter der Leitung der Münchner Lyrikerin Sophia Klink.

Und noch ein weiterer Lyrik-Kalender aus München besticht durch seine stimmige Auswahl: der C.H.Beck-Gedichtekalender, herausgegeben von Dirk von Petersdorff, mit Pinsel-Vignetten von Chris Campe. Von Rainer Maria Rilke bis Sarah Kirsch reicht hier die Spannbreite, und der Beginn scheint geradezu mit dem anderen Kalender zu kommunizieren: „Freund, so du etwas bist, so bleib doch ja nicht stehn“, heißt es da in den Worten von Angelus Silesius: „Man muß aus einem Licht fort in das andre gehn.“ aw

Zilpzalp-Gedichtekalender, Stiftung Lyrik Kabinett, 12 Euro. C.H.Beck Gedichtekalender, München, 24 Euro.

Gedichte für Kinder

In „La Noche“  von Cecilia Pisos  kuschelt sich das Kind in die weichen Beine des Tiers Dunkelheit.
In „La Noche“  von Cecilia Pisos  kuschelt sich das Kind in die weichen Beine des Tiers Dunkelheit. Ana Pez/Moritz Verlag

„Die Nacht ist / ein schwarzes Tier / das jeden Tag / vor dem Einschlafen da ist“ beginnt das Gedicht der Argentinierin Cecilia Pisos. Das ein universelles Gefühl aufgreift, das wohl viele Kinder rund um den Globus kennen dürften: die Furcht vor der Dunkelheit. Weshalb manche Kinder ein kleines Licht brennen ließen, damit dieses Tier ihnen nicht zu nahe komme, heißt es weiter. Doch das lyrische Ich in diesem Gedicht weiß sich zu helfen: „Ich aber / kuschle mich / an seine weichen Beine, / die mich beschützen vor der grellen Welt.“

Die in Dunkelblau und Orange getauchte Illustration von Ana Pez zeigt ein Kind, das sich in die Beine dieses Tiers wie in einen weichen Schal schmiegt. Abgebildet und nachzulesen im Kinder-Kalender, der eine Fülle an Gedichten in 32 Sprachen und aus 40 Ländern bietet – im Original und in der deutschen Übersetzung. Ein poetischer Schatz voller Überraschungen, der 53 Wochen lang von jungen Welt-Entdeckern und Entdeckerinnen gehoben werden will. by

Der Kinder Kalender 2026, herausgegeben und ausgewählt von der Internationalen Jugendbibliothek, Moritz Verlag, 25 Euro

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