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Kaisergarten:Ein zu dünnes Elefantenohr

Restaurant Kaisergarten in München, 2006

Restaurant Kaisergarten in München, 2006 Gäste an Tischen vor dem Restaurant Kaisergarten in München Schwabing

(Foto: lok)

Erst wähnt man sich im Schnitzel-Schlaraffenland, doch dann kommt alles anders: ein Besuch im Kaisergarten in Schwabing.

Ein dumpfes Schlagen ist auf der Terrasse des Kaisergartens zu hören. Es kommt nicht vom vorbeifahrenden Verkehr wie in anderen Biergärten, denn dafür liegt der Kaisergarten zu ruhig und beschaulich mitten in Schwabing. Es ist auch nicht das Trommeln einer Kapelle, denn um Musiker anstellen zu können, ist der Außenbereich im Kaisergarten zu klein. Nein, das Geräusch dringt aus den geöffneten Fenstern der Küche hinaus zu den Gästen. Die Köche schlagen dort die Schnitzel platt.

Und Schnitzel werden an einem lauen Sommerabend im Kaisergarten in Massen verzehrt. Auf jedem Tisch steht mindestens ein Teller mit einem Schnitzel - in der Dimension eines Elefantenohrs. Das macht Appetit, den der Blick in die Speisekarte jedoch gleich wieder ein wenig zügelt. Satte 17 Euro kostet das Wiener Schnitzel vom Kalb mit Bratkartoffeln, Apfelmeerrettich, Preiselbeeren und Salat.

Doch das dumpfe Schlagen erschallt wieder aus der Küche, als die Bedienung an den Tisch kommt - und so steigt der Appetit ins Unermessliche. Auf dem Bestellzettel stehen plötzlich: ein Helles, ein Radler (je 3,50 Euro), Brunnenkressesuppe mit Roastbeef (6,50 Euro), Steinpilzcremesuppe mit Salami (6,50 Euro), Schnitzel (17 Euro) und Krustenbraten (13,50 Euro).

Das Ambiente im Kaisergarten ist angenehm. Die Besucher sitzen entweder unter schattigen Bäumen an den kleinen Holztischen im Freien oder im Innenraum, der fast herrschaftlich anmutet durch die hohen Wände und opulenten Kronleuchter. In den Kaisergarten kommen vor allem typische Schickimicki-Schwabinger: junge Leute, den Pullover um die Schultern gebunden und Sonnenbrille im Haar, oder Ehepaare, die vom Spaziergang im Englischen Garten auf dem Heimweg einen Zwischenstop einlegen. Der Kaisergarten hat viele Stammgäste - was allerdings nicht am Essen liegen kann.

Das Schnitzel ist extrem groß, aber an den Enden so dünn, dass man nur die fettige Panade schmeckt. Das Fleisch wirkt nicht besonders frisch. Und auch beim Krustenbraten können nur die Semmel- und Kartoffelknödel überzeugen. Das Fleisch ist fettig und zu salzig. Da hat man schon manchen weitaus besseren Schweinebraten in Münchner Restaurants gegessen - und das im einstelligen Eurobereich.

Die Suppen dagegen schmecken exquisit. In der Brunnenkressesuppe schwimmt das hauchzarte Roastbeaf. Und Steinpilze und Salami hat man in dieser Kombination noch nicht oft gegessen - die salzige Wurst, die Pilze und die Sahne ergänzen sich wunderbar.

Aber zum Suppe essen geht man ja nicht in ein Restaurant oder einen Biergarten. Und somit bleibt am Ende der Eindruck: Im Kaisergarten lässt es sich angenehm sitzen, das Essen ist das Geld jedoch nicht wert. Das nächste Mal kommen wir nur, um einen Sprizz oder ein Bier zu trinken. Denn so machen es einige der anderen Gäste auch. Viele sind nur für ein Getränk und einen Plausch hergekommen. Eine weise Entscheidung!