Kafe Kult Echt Kult

Das Kafe Kult begeht sein zehnjähriges Bestehen. Der Name passt, denn in der Musikkneipe in Oberföhring spielten schon Bad Religion, Green Day, Blumfeld und die Toten Hosen.

Von Dirk Wagner

"Interne Station" stand auf dem Schild der Baracke, die Fred Kinzel 1988 für den Kreisjugendring (KJR) inspizierte. Hier, im ehemaligen Luftwaffenlazarett, das bis zur Eröffnung der Klinik Bogenhausen 1984 als provisorisches Krankenhaus diente, könne er ein Jugendzentrum einrichten. Als Kinzel 1989 die "Kulturstation" mit einem Konzert der amerikanischen Punkband The Vandals eröffnete, diente sie von Anfang an nicht der Stadtteiljugend, sondern allen Rockinteressierten der Stadt, die in der Rockwüste München nun endlich eine Oase gefunden hatten.

(Foto: Foto: SZ)

Bad Religion spielten hier, Green Day oder The Dead Milkmen. Blumfeld sangen hier der Cat-Sun-Flower-Sängerin ein Geburtstagsständchen, und die Toten Hosen spielten hier Punkmusik, derweil sie im gleichen Monat mit U2 im Olympiastadion die massenkompatiblen Popstars mimten.

Sowohl Hip-Hop als auch Techno fanden ihre ersten Münchner Anlaufstellen in der Kulturstation. Ihr szeneübergreifender Erfolg bedeutete aber auch ihr Ende. Das Baureferat überprüfte die Sicherheit des Gebäudes mit dem Ergebnis, dass die Kulturstation Ende 1995 schließen musste. Engagierte Menschen, die bis dahin als Untermieter den Sonntag als "Kafe Kult" gestalteten, wollten die Station übernehmen.

Nach jahrelangem Streit mit Behörden, die einwendeten, dass ein Nutzungsrecht für öffentliche Veranstaltungen nie vorgelegen habe, öffnete im April 1999 das renovierte "Kafe Kult", das den alten Namen dem KJR überlassen musste, der ihn nie wieder nutzte. Kurze Zeit später zeigten die neuen Betreiber einen Unbekannten an, der ohne Genehmigung ein Graffiti des Künstlers Loomit an deren Hauswand überweißelt hatte. Sehr sauber und professionell, und für den Polizisten, der die Anzeige aufnahm, ein Novum, kannte er das Problem bislang doch nur umgekehrt.

Von solchen Anfeindungen unberührt hat sich das Kafe Kult zum festen Spielort internationaler Bands etabliert. Die Auswahl richtet sich dabei nicht nach der Anzahl der zu erwartenden Zuschauern, sondern nach den Vorlieben der ehrenamtlichen Club-Betreiber. Christian Rued vom Kafe Kult fragt: "Vielen großartigen Bands fehlt einfach das kommerzielle Appeal, sollten sie deshalb nicht touren können?"

Kafe Kult begreift sich als Bestandteil eines weltweiten Netzwerks, das Kultur jenseits der gängigen Vermarktungsstrategien etabliert. "Diese Art von Kulturschaffen finde ich einfach begeisternd, deshalb leiste ich auch gern meinen Beitrag, ohne Geld dafür einzustreichen", so Rued. Obgleich die Bands oft unbekannt sind und der Veranstaltungsort im Bürgerpark Oberföhring nicht Stadtmitte ist, sind die Konzerte gewöhnlich gut besucht. Davon kann man sich Freitag und Samstag auf dem Festival zum zehnjährigen Bestehen überzeugen, wo französische, amerikanische und deutsche Bands das Kafe Kult zum temporären Mittelpunkt der Erde erklären.

Kafe Kult, Oberföhringer Straße156, Telefon 95927692