KältewelleMünchen im Minus

So eisig wie in diesem Januar war es seit vielen Jahren nicht mehr. Das kostet Geld, kann gefährlich sein - oder ganz viel Spaß machen.

Zuflucht in der Nacht

Sie harren trotz Eiseskälte an ihren Stammplätzen aus. In Decken gehüllt, manchmal gewärmt von einem Hund, kauern Obdachlose und Bettler an Hauswänden, vor Kirchen und auf Parkbänken. Doch wenn es dunkel wird, machen sich viele im Winter auf den Weg in den Münchner Norden, um die Nacht im Kälteschutz zu verbringen. Den hat die Stadt 2012 eingerichtet, organisiert wird das Kälteschutzprojekt vom Evangelischen Hilfswerk der Inneren Mission.

Bis zu 850 Menschen können im Haus 12 der ehemaligen Bayernkaserne zwischen November und Ende April kostenlos übernachten. Nach ihrer kurzen Registrierung im "Schiller 25", der Migrationsberatung Wohnungsloser, erhalten sie einen Einweisungszettel für den Kälteschutz. "Derzeit schlafen dort zirka 400 Personen", sagt Andreea Untaru, Leiterin des "Schiller 25". Das sind deutlich mehr als noch vor ein paar Wochen: An Heiligabend hatten bei vergleichsweise milden Temperaturen 136 Männer, elf Frauen und elf Familien mit 24 Kindern die Einrichtung aufgesucht.

Doch bei der jetzt herrschenden Kälte versuchen die Münchner Streetworker täglich, die Obdachlosen davon zu überzeugen, nicht im Freien zu übernachten. "Niemand darf in München auf der Straße erfrieren", sagt Klaus Honigschnabel von der Inneren Mission. Von Thomas Anlauf

Bild: dpa 23. Januar 2017, 17:102017-01-23 17:10:14 © SZ vom 21.01.2017/vewo