Oktoberfest:Die Schickeria wird vegan

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Oktoberfest: Neu beim Käfer: Thomas Isermann von Greenforce präsentiert die veganen Hack-Alternativen, Hans Kemenater regionalen Wiesn-Whisky von Slyrs am Schliersee und Carl Warkentin von Monaco Ducks vegane, also lederfreie Sneaker.

Neu beim Käfer: Thomas Isermann von Greenforce präsentiert die veganen Hack-Alternativen, Hans Kemenater regionalen Wiesn-Whisky von Slyrs am Schliersee und Carl Warkentin von Monaco Ducks vegane, also lederfreie Sneaker.

(Foto: Florian Peljak)

Nachhaltigkeit und Regionalität sind die Trends in der Käfer-Schänke auf der Wiesn - und auch in anderen Zelten.

Von Franz Kotteder

Bei den Stichworten Nachhaltigkeit und Verantwortung für kommende Generationen denkt man nicht gleich an rauschende Partys in der Käfer-Schänke auf dem Oktoberfest. Die Münchner Schickeria ist bislang noch nicht durch herausragendes ökologisches Bewusstsein aufgefallen. Sie darf jetzt allerdings umlernen. Denn auch in ihrem liebsten Wiesn-Treff ist die Zukunft jetzt grün; beispielsweise hat Küchenchef Andreas Schinharl das Spanferkel von der Karte genommen und verwertet nun "das ganze Schwein von vorn bis hinten". Nachhaltig eben. Doch damit nicht genug. Am Donnerstag stellte Käfer-Einkaufsleiter Leonhard Geyer am Firmensitz in der Prinzregentenstraße vor, was das Käferzelt an neuen Partnern aus der Region zu bieten hat.

Die Wiesn jedenfalls als eine der letzten Bastionen klassischer bayerischer Ernährungsformen mit Bier und Fleisch aller Art - das scheint sich langsam zu ändern. Ausgerechnet die vom Namen her doch recht eindeutig positionierte Ochsenbraterei hat gerade bekanntgegeben, dass sie den Promikoch Sebastian Copien engagiert hat, um vegane Spezialitäten auf die Karte des Zeltes zu bringen. Und Käfer bietet in seiner Käfer-Wiesenschänke nun auch Greenforce-Produkte an - wie schon seit Längerem in seinem Delikatessen-Tempel an der Prinzregentenstraße.

Greenforce ist ein erfolgreiches Startup aus München, das vor allem Hackfleisch-Alternativen in Form von Fertigmischungen zum Anrühren anbietet, auf der Basis von Erbsenproteinen. Ein Unterschied zu richtigem Hackfleisch ist kaum festzustellen und Greenforce-Gründer Thomas Isermann ist derzeit dabei, die Produktpalette stark auszuweiten. Unter anderem hat er schon ein veganes Schnitzel im Angebot; der neueste Streich ist eine vegane Weißwurst, deren Geschmack täuschend echt ans Original aus Kalbfleisch und Schweinerückenspeck heranreichen soll.

Die vegane Weißwurst gibt es auch im Hofbräuzelt

Überprüfen lässt sich das derzeit nicht ganz so einfach, im Online-Shop von Greenforce ist die Weißwurst ausverkauft - noch nicht allerdings im stationären Einzelhandel; Greenforce ist mit seinen Produkten immerhin in mittlerweile 11 000 Supermärkten vertreten. Die Nachfrage nach der Weißwurst war jedenfalls so groß, dass man momentan mit der Produktion gar nicht mehr nachkommt. Im Hofbräuzelt gibt es sie während des Oktoberfests aber ebenso wie die vegane Currywurst. In der Käfer-Wiesnschänke findet man Greenforce-Hackfleischersatz als Füllung in einer Wirsing-Tofu-Roulade und als kleines veganes Pflanzerl auch im sonst recht trendigen "Global Food"-Salat.

Nicht ganz so gesund wie vegane Fleischersatzprodukte, dafür aber auf jeden Fall sehr regional, dürfte das Getränk vom Schliersee sein, das Käfer obendrein noch in einer speziellen "Oktoberfest-Edition" anbietet. Es handelt sich da um den Single-Malt-Whisky Slyrs. Den gibt es nun schon zum dritten Mal in der Wiesn-Ausgabe, aber heuer zum ersten Mal im Käferzelt, das es ja in den vergangenen zwei Jahren gar nicht gab. Die auf 4130 Flaschen limitierte Ausgabe hat natürlich auch mit Bier zu tun: Der Whisky reift erst fünf Jahre lang im Lagerhaus von Slyrs, danach kommt er noch einmal neun Monate lang in ausgewählte Bierfässer der Brauerei Gebrüder Maisel aus Bayreuth, in denen zuvor spezielle Craft-Biere mit besonders intensiven, kräftigen Geschmacksnoten gelagert wurden. Die beiden Produzenten arbeiten schon länger zusammen, Maisel lässt seinen "Bourbon-Bock" zum Beispiel in Whisky-Fässern reifen.

Und dann gibt es für den Wiesn-Gänger mit Käfer-Bezug nun erstmals auch das passende Schuhwerk: vegane Sneaker, also völlig lederfrei, vom Münchner Hersteller Monaco Ducks, bedruckt mit dem roten Marienkäfer, der auch für das Feinkosthaus steht. Beim Stückpreis von 199 Euro steht man damit nicht unter dem Verdacht, beim Billigheimer eingekauft zu haben. Eine Garantie dafür, dass man mit den Schuhen auch nach drei Mass Bier oder vier Stamperl Slyrs noch geradeaus gehen kann, wird allerdings nicht gegeben.

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