Kabarettist Stephan Zinner Irgendwann langt's mit dem Söder

Ein vorlauter Bengel bei einem Kindergeburtstag - und schon war das neue Programm von Stephan Zinner geboren: In der Lach- und Schießgesellschaft startet der Kabarettist jetzt seine Bayern-Tournee. Doch er hat auch noch ganz andere Pläne.

Von Franz Kotteder

Das Grauen hat einen Namen: Kindergeburtstag! Eltern aller Art können das bestätigen, und auch Stephan Zinner weiß, wovon er spricht. Er ist dreifacher Vater, die Kinder sind zwölf, sieben und zweieinhalb Jahre alt. Und bei so einem Kindergeburtstag - es war im Fasching - hatte er es einmal mit einem besonders vorlauten Exemplar von Kindgast zu tun. Das kam als Mumie verkleidet, und als ihm einmal nicht passte, was Papa Zinner sagte, drohte es ihm: "Ich verfluch' dich jetzt!" Zinner lachte bloß. "Aber ob du's glaubst oder nicht", sagt er, "die nächsten paar Tage kam lauter so Sachen daher: Mal hat's mich vom Radl g'haut, dann hams mir das Auto abgeschleppt . . ." Er lacht. Nein, abergläubisch ist er nicht, aber seltsam war's natürlich schon.

Jetzt singt er wieder: Zinner im "Fluch des Pharao".

(Foto: Fabian Isensee)

So kam der Kabarettist Stephan Zinner also zum Titel seines neuen, vierten Solo-Programms, das an diesem Dienstag in der Lach- und Schießgesellschaft Premiere feiert: "Der Fluch des Pharao". Es beginnt mit einem Kindergeburtstag und geht dann weiter mit einer avisierten Erbschaft: ein Baugrund in Deggendorf, in Niederbayern, was für einen gebürtigen Trostberger ja doch ganz schön weit weg ist. Und mit einem Mal lernt der Zinner seine ganze Verwandtschaft erst so richtig kennen. Da flucht der Kabarettist dann selber, und zwar auf den Großonkel, der ihm das alles kurz vor seinem Ableben noch eingebrockt hat. Das ist der Aufhänger, sagt Zinner, und sonst arbeitet er sich "an den klassischen Themen des Kabaretts" ab: von der Schickimicki-Tussi Caro, die Grillen "voll retro" findet, bis zu den Leuten, die im Wirtshaus neben der niederbayerischen Forellenzucht unbedingt ein Pangasiusfilet essen wollen. "Hab' ich selber so erlebt", sagt er, "der Wahnsinn!" Und dann gibt es da auch noch jenen irrwitzigen Plan, den er mit dem Filmregisseur Marcus H. Rosenmüller bei der Heimfahrt von einem gemeinsamen Auftritt ausgeheckt hat: endlich mal einen richtigen bayerischen Actionfilm zu drehen. Wie so ein Film aussehen könnte, darüber denkt er auch im neuen Programm nach und wählt dabei das Ausschlussverfahren: "Jedenfalls nicht so eine Betroffenheitsscheiße, wo die Neubauer der Ferres im Weg rumsteht."

Wenn man ihm so beim Erzählen über die neuen Sachen zuhört und zuschaut, dann spürt man, wie er darauf brennt, mit diesem Programm durch die Kleinkunstbühnen zu ziehen. Auch wenn er dann wieder solo unterwegs ist und das "auch nicht gesund sein kann für das seelische Gleichgewicht, wenn man so etwas 180 Tage im Jahr macht". Aber das macht er ja nicht, in seinem (Berufs-)Leben gibt es eine Menge Abwechslung.

Gerade erst hat er wieder einen großen Erfolg gefeiert, im Nockherberg-Singspiel, als eines der wenigen gelungenen Politiker-Doubles. Stephan Zinner als Markus Söder war wieder mal ein Highlight in dem sonst recht mauen Stück, da waren sich alle Beobachter einig. Das, sagt Zinner, hätte er sich damals auch nicht träumen lassen, als er die Rolle 2006 erstmals übernahm: "Dass der Söder so lange eine tragende Rolle hat." Wer weiß, vielleicht wird Zinner auf diesem Weg ja eines Tages noch einmal zum Ministerpräsidenten-Darsteller? Aber da lacht er bloß: "Ich weiß ja gar nicht, ob ich das ewig machen will! Vielleicht sage ich ja nächstes Jahr schon: Ich mag nicht mehr." Eine gewisse Popularität hat ihm die Söder-Rolle zwar schon eingebracht, keine Frage. Aber das ist nicht immer nur ein Vorteil. "Manchmal kommen Leute nach der Vorstellung zu mir und fragen ein bisserl pikiert, wo denn jetzt der Söder geblieben ist, der wäre ja gar nicht vorgekommen?" Da muss er dann viele einfach enttäuschen, weil der Söder in seinen Programmen nie vorkommt, er ist ja kein explizit politischer Kabarettist. Insofern führe seine Rolle als Söder-Double leicht auf die falsche Spur.

Manchmal nervt das. Weil er ja viel gemacht hat und macht, seit er vor gut sechs Jahren aus dem Ensemble der Kammerspiele ausgeschieden ist, um ganz freischaffend zu arbeiten, als Kabarettist mit eigener Band (die in letzter Zeit allerdings etwas in den Hintergrund getreten ist, aus Termingründen). Er sagt: "In der Finanzwelt würde es heißen, ich sei breit aufgestellt." So spielt er immer mal wieder im "Tatort" mit und hat Rollen in Kinofilmen. Zum Beispiel in denen von Marcus H. Rosenmüller. Gemeinsam bestreiten sie überdies ein recht erfolgreiches Programm mit Lesungen, mit dem sie durch ganz Bayern touren. Ähnliches macht er auch mit dem Kabarettkollegen Hannes Ringlstetter, "Überleben in der Wildnis" heißt das Programm, bei dem die beiden abwechselnd auf der Bühne stehen.

Und dann spielte er ja auch noch die Hauptrolle in dem Musiktheaterprojekt "Bloß a Gschicht" von Peter Pichler, einer Kammeroper über den bayerischen Liedermacher Hans Söllner. Das Stück liegt ihm besonders am Herzen, auch wenn er immer wieder kleine Schwächen entdeckt, beim Ansehen von Videoaufzeichnungen. "Das liegt daran, wenn man ohne Regisseur arbeitet", sagt er, "da fehlt dir dann der Spiegel." Den hat er bei seinem neuen Programm in Form des Schauspielers und Theaterleiters Heiko Dietz. Seit seinem dritten Solo "Family Business" ist Dietz als Regisseur und Ratgeber mit von der Partie.

Apropos "Family Business": Das Thema "Familie", sagt er, sei ausgereizt für seine Kabarettprogramme, "das kommt diesmal noch am Anfang vor, und damit ist es für die Zukunft aber auch abgehandelt". Eine mutige Ansage, schließlich kommen die Kinder ja noch in die Pubertät? "Stimmt auch wieder", sagt Zinner, "das könnte dann ein völlig eigenes Programm ergeben."