Günter Grünwald & Rad Gumbo
„Die Leut horchen einfach ned zua. Da redst teilweise an an Fensterstock hi,“ sagt der Kabarettist Günter Grünwald auf seine typische Weise. „Es gab in meinem privaten und beruflichen Umfeld zwei Todesfälle, die mich schwer getroffen haben. Auch ein kleines gesundheitliches Thema ist dazu gekommen. Deshalb habe ich mit dem Fernsehen aufgehört, und mit den großen Tourneen, wo man schon weiß, wo man am 21. Februar in zwei Jahren sein wird. Das wollte ich mir nicht mehr antun. Aber ich habe nie gesagt, dass ich nie wieder auftrete.“ So weit, so klar, und so erscheint Günter Grünwald nun wieder in den Terminkalendern.
Allerdings nicht mit seinem letzten Kabarettprogramm „Das kann doch wohl nicht mein Ernst sein“ oder einem neuen Soloprogramm. Nein, es geht zurück zu den Wurzeln, zur Musik. Ursprünglich hatte der 69-Jährige ja als Musiker anfangen, „aber da hat es für eine Karriere nicht gereicht. Weil ich schon immer zwischen den Songs lustige Sachen erzählt habe, hab ich das dann als Kabarett versucht, und das hat schnell hingehauen.“
Einige alte Verbindungen sind aber nie abgerissen, wie zu Robert „Dackel“ Hirmer und seiner Band Rad Gumbo. Schon immer hat Grünwald gelegentlich bei den alten Ingolstädter Kumpels mitgespielt, wenn er mal Zeit hatte. Obwohl der Southern-Blues und Zydeco der Band anfangs gar nicht seine Sache war. „Ich hab immer mehr Fusion gehört, Funk oder Miles Davis. Aber das zu spielen, bin ich zu dämlich.“ Den Blues beherrscht er indes, bei aller Bescheidenheit, ausgezeichnet.
Und so ist jetzt schon seit Ende letzten Jahres eine kleine gemeinsame Tour entstanden, die sich mit immer mehr Terminen füllt. Wobei das Programm gemischt ist: Auf ein Musikstück (mit Grünwald an der Solo-Gitarre oder auch mal mit einer Seemanns-Gesangsparodie) folgt eine kabarettistische Einlage. Erleben kann man das momentan im Umland, nämlich am 31. Januar im Becult in Pöcking und am 6. Februar im Freisinger Lindenkeller. Wer als Münchner warten kann: Hier spielen Grünwald und Rad Gumbo Ende April im Lustspielhaus.
Günter Grünwald & Rad Gumbo, Samstag, 31. Januar, Becult Pöcking, Freitag, 6. Februar, Lindenkeller Freising, Dienstag, 28. April Lustspielhaus
Hosea Ratschiller

Viele österreichische Kabarettisten sind, wie man so schön sagt, breit aufgestellt. Aber so vielseitig wie Hosea Ratschiller ist dann doch kaum einer. Radio hat er gemacht und Fußball-Podcasts, Fernseh-Moderator ist er („Pratersterne“), Kleinkunst-Bühnen-Impresario, Kolumnist und Schauspieler. Vier Bücher hat der dreifache Vater geschrieben, zuletzt eines zusammen mit seinem Vater über Vaterschaft. Schon mehrfach hat er seine Soloprogramm-Premieren in München gespielt, in der Lach- und Schießgesellschaft. Logisch, dass der Gewinner des Salzburger Stiers, des Passauer Scharfrichterbeils und dreier Österreichischer Kabarettpreise zur Deutschland-Premiere seines neuen Programms dorthin zurückkehrt.
„Happy Place“ heißt es. Aus der Erkenntnis, dass etwas passieren muss, versucht Ratschiller helle Worte für dunkle Zeiten zu finden. Wobei er vermutlich jede Menge Fallen für das Publikum aufstellt, als einer, der einen wie kaum ein anderer aufs Glatteis führen und vordergründig sympathische Figuren zu verkappten Monstern mutieren lassen kann.
Hosea Ratschiller, Samstag, 31. Januar, Lach- und Schießgesellschaft
Christl Sittenauer

Man darf sagen, dass Christl Sittenauer inzwischen die „Miss Lach- und Schieß“ ist. Die 44-Jährige, die vom Impro-Theater kommt, aber auch studierte Architektin ist und an der TU Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen lehrt, kam 2020 ins nach längerer Pause wiederbelebte Ensemble der Lach- und Schießgesellschaft. Und blieb ihm trotz Corona-Pause und den diversen Katastrophen um Leitung und Laden der Lach- und Schießgesellschaft treu. Wie einst zu alten Ensemblezeiten als einziges weibliches Element neben den Bühnenpartnern Frank Klötgen und Sebastian Fritz sowie Regisseur Sven Kemmler.
Sebastian Fritz ist inzwischen ausgestiegen, und auch Frank Klötgen, der momentan noch bei den Jahresrückblicken mitmacht, wird aufhören. Sittenauer hingegen wird wohl auch in neuer Konstellation weitermachen. Vorher aber hat am 5. Februar ihr zweites während der Ensemblezeit entstandenes Soloprogramm Premiere, kurioserweise im Lustspielhaus. Es geht in „Komplizin“ um ihre Suche nach Verbündeten im Alltag. Nach denen, die schon da sind, nach denen, die sie noch braucht, und auch nach denen, auf die sie lieber verzichten würde.
Christl Sittenauer, Donnerstag, 5. Februar, Lustspielhaus
Severin Groebner

Auch für Severin Groebner ist seine Premiere im Lustspielhaus wieder eine kleine Heimkehr. Hat der gebürtige Wiener doch lange in München gelebt, bevor es ihn schließlich nach Frankfurt verschlagen hat. Hier hat er seine Karriere begründet, hier war er Ensemble-Mitglied der Lach- und Schießgesellschaft, hier spielte er in einigen legendären Spaß-Produktionen des Lustspielhauses wie „Siegfried“, „Die Musketiere“ oder „Im Weißen Rössl“ mit, hier hat er 2022 den Dieter-Hildebrandt-Preis bekommen. Ebenso flexibel hat sich Groebner seit eh und je zwischen Text und Musik (inzwischen sehr gerne auf der Cigar-Box-Gitarre), zwischen Zeitungskolumne, Radio-Glosse und Fernseh-Satire, zwischen Schmäh und Hochkomik bewegt. Er lässt in Comedy-Manier keinen Gag liegen, versteht es aber auch, komplexe zeitgeschichtliche und gesellschaftliche Ärgernisse meisterhaft satirisch auf den Punkt zu bringen.
Dabei ist er sehr oft am Puls der Zeit. Wie jetzt im neuesten Streich „Ich bin das Volk – Ein Regierungsprogramm“, das natürlich die aktuelle Tendenz zur Autokratie spiegelt. Und so beantwortet Groebner Fragen wie: Was will das Volk eigentlich? Was ist es? Und was sagt man ihm außer „Folgts!“? Willkommen also beim Souverän Severin, einem Autokraten zum Knutschen.
6. Severin Groebner, Freitag, 6. Februar, Lustspielhaus
Matthias Egersdörfer

Eigentlich ist Matthias Egersdörfer ein Multitalent. Fast hätte er Kunst studiert. Seit vielen Jahren singt er in einer Band (Fast zu Fürth). Schreibt Bücher. Spielt im Franken-Tatort die Rolle des Leiters der Spurensicherung Michael Schatz. Macht aber natürlich vor allem erfolgreich und preisgekrönt Kabarett, solo oder mit Kollegen wie Martin Puntigam oder Gankino Circus. Seine Bühnenfigur aber ist seit Langem sozusagen in Erz gegossen: Da ist er ein fränkischer Kleinbürger und Choleriker, der missmutig auf alles und alle einpoltert, von den Mitmenschen über die eigene Frau bis zum Publikum. Ein Vulkan, bei dem man auf den Ausbruch warten kann.
Sein erstes Opfer war 2004 Claudia Schulz alias „Carmen“. Das Programm war noch kein Erfolg, aber Schulz wurde daraufhin seine Regisseurin. Nun aber ist sie im neuen Programm „Carmen oder Worte, die das Herz berühren“ wieder mit im Spiel. Egersdörfer triezt sie diesmal so, dass sie beschließt, als Hikikomori zu leben – so heißen in Japan Menschen, die sich komplett von der Welt abwenden und als Einsiedler in den eigenen vier Wänden leben. Und mit Andy Maurice Mueller als in therapeutische Behandlung getriebener Nachbar ist nun sogar ein Trio auf der Bühne. Das mit Themen von der Teufelsaustreibung bis zum Testosteron konfrontiert ist. Schwarzer Humor aus Franken.
Matthias Egersdörfer, Claudia Schulz & Andy Maurice Müller, Donnerstag, 12. Februar, Lustspielhaus

