Wie in anderen Kultursparten ballt es sich im November auch beim Kabarett ein letztes Mal im Jahr, bevor die „stade Zeit“ beginnt. An manchen Tagen muss man sich zwischen mehreren Premieren entscheiden. Etwa gleich am 8. November, wenn nicht die Comedienne und „Lebefrau“ (so der Programmtitel) Helene Bockhorst im Lustspielhaus schon lange ausverkauft wäre. So kann man ganz unbelastet zum ersten Deutschland-Auftritt von 5/8terl in Ehrn & Jazzorchester Vorarlberg ins Fat Cat. Die fünfköpfige Wiener Band hat seit jeher ihr eigenes Genre begründet. Als Pioniere des Neuen Wienerlieds bewegen sie sich zwischen Blues, Austro-Pop, Jazz, „Wiener Soul“ (wie sie sich selbst musikalisch beschreiben) und jeder Menge Schmäh. So opulent wie nie werden nun ihre schrägen Hits wie „Siasse Tschik“ oder „Vaporizer“ in Kollaboration mit dem neunköpfigen, großartig besetzten Jazzorchester Vorarlberg erklingen.

Hart wird es am 14. November. Da hat man zwischen drei Comedy-Angeboten die Qual der Wahl. Und zwar zwischen klassischem Stand-up, Travestie und A-Cappella. Im Circus Krone feiert Michael Mittermeier in seinem neuen Programm „Flashback“ die Rückkehr der Zukunft. Denn Mittermeier weiß, was wir nächsten Sommer getan haben werden. Im Lustspielhaus verwandelt sich derweil der unvergleichliche Tim Fischer in Hildegard Knef. „Na und“ heißt das aus Anlass ihres 100. Geburtstags zusammengestellte Programm mit ihren schönsten Songs. Und in der Alten Kongresshalle mit ihrer dafür perfekten Akustik sind im Rahmen des Vocal Total-Festivals Die Feisten zu Gast, das umwerfend komische Gesangsduo, das vielen noch als Trio Ganz Schön Feist in Erinnerung ist.
Bleiben wir doch gleich beim Musikalischen. Schon zwei Tage vorher, am 12. November, kommt Deutschlands führender Klavierkabarettist, Reimeschmied und Wortspielbastler Bodo Wartke mit seinem neuen Programm „Wunderpunkt“ in den Circus Krone. Im kleinen Vereinsheim wiederum sind – eigentlich unfassbar – zwei ganz Große der österreichischen Kabarett-Szene (bitte als „Kabaree“ aussprechen) zu sehen: Für das immer hochmusikalische, extrakluge und verblüffende Duo Christoph & Lollo ist der Programmtitel „Alles gut“ noch untertrieben (18. November).

Komplett in den österreichischen Farben leuchtet der 11. November. Der Gerichtsmediziner Christian Reiter und der Investigativjournalist Florian Klenk bringen da ihren sensationell erfolgreichen Falter-Podcast „Es wird a Leich' sein“ über die spektakulärsten Fälle der österreichischen Kriminalgeschichte live auf die Lustspielhaus-Bühne. Parallel dazu bespielt ihr Landsmann Alfred Dorfer den Circus Krone. Und im Vereinsheim gibt sich mit Wahl-Wienerin Sonja Pikart (eigentlich eine Deutsche) die soeben für 2026 ausgerufene Preisträgerin des Salzburger Stiers die Ehre.
Auf deutscher Seite ist, wie inzwischen üblich, die Comedy-Fraktion dominant. Da hätten wir den Bochumer Jan-Philipp Zymny, immerhin ein fast philosophischer Comedian, der im neuen Programm „Illegale Straßentherapie“ betreibt (13. November, Lustspielhaus). Den dreifachen Ministerpräsidenten-Parodisten Wolfgang Krebs mit der titelgebenden Erkenntnis „Bayern liebt DICH!“ (19. November, Schlachthof). Den Comedy-Veteranen Ingo Appelt, der nun unter der vieldeutigen Überschrift „Männer Nerven Stark“ unterwegs ist (23. Lustspielhaus). Oder die Berliner Italienerin Matilde Keizer, die ihr Debüt-Programm „Lasagne im Bett“ präsentiert (25. November, Vereinsheim).
Und wo bleibt das klassische politische Kabarett? Mit Matthias Deutschmann ist einer seiner Veteranen vertreten. Der für seinen Scharfsinn, seine spitze Zunge wie sein Cellospiel berühmte Freiburger liefert gleich am 9. November im Lustspielhaus „Propaganda à la carte“. In die Kammerspiele darf Extra 3-Frontmann Christian Ehring mit seinem neuen Solo „Versöhnung“ (21. November). Als Klassiker, wenn auch nicht immer politisch, darf man auch die „schönen Abende“ bezeichnen, die Jess Jochimsen als einzigartigen Aufklärungs-Mix aus literarischen Episoden, Songs und hochkomischen, per Diashow gereichten Alltagstrouvaillen so empathisch gestaltet wie kein anderer (Lustspielhaus, 19. November).


