So kurz vor der Sommerpause, in der sich andere Bundesländer ja schon befinden, verheizt kein Kabarettist mehr sein neues Programm. Premieren gibt es also auf den Kleinkunstbühnen in den nächsten Wochen fast keine mehr. Abgesehen von den anders, einer der lustigsten unter den lustigen A-Cappella-Truppen der Republik, mit dem neuen Programm „So kurz davor“ (Lustspielhaus, 16. Juli). Und abgesehen von Veranstaltungen im Dienste eines Jubiläums.
So feiert Carmela De Feo am 19. Juli im Lustspielhaus ihr zwanzigjähriges Bühnenjubiläum. Das ihrer Bühnenfigur „La Signora“ versteht sich, denn De Feo selbst steht schon viel länger auf der Bühne. Als Akkordeonistin gewann sie bereits in den Achtzigerjahren als Teenager Preise; sie studierte ihr Instrument an der Essener Folkwang Hochschule, spielte dann in einem Tango-Ensemble und übernahm unter anderem 1997 den Bandoneon-Part bei der Erstaufführung der Astor-Piazzolla-Oper „Maria De Buenos Aires“ in Bochum. Aus der Theaterarbeit ergab sich das parodistische Duo CocoLorez mit der Sopranistin Franziska Dannheim, und von da an war der Weg zum Kabarett vorgezeichnet.
Solo erfand sie die „La Signora“, die sich selbst „unwiderstehliche südländische Erotik“ attestiert. Das freilich absolut erfolglos und im feinsten „Wat, hömma, kommste“-Ruhrpott-Slang, kommt die Tochter italienischer Einwanderer doch aus Oberhausen. Dieser komische, musikalisch verstärkte Kontrast prägt ihre Auftritte nun seit 20 Jahren. Auch das Jubiläumsprogramm „Froschkönigin“, dem De Feo die schöne Einleitung voranstellt: „Es war einmal ein kleines Mädchen, das hatte immer nur Pech. Und da sie nicht gestorben ist, hat sie es auch noch heute.“ Aber vielleicht gibt es ja diesmal ein Happy End. Auf also ins märchenhafte Jubiläum, unter dem Motto: Feiern mit La Signora, bis der Prinz kütt.
Außerdem gibt es zwei 30. Geburtstage zu feiern. Aber nicht von Künstlerinnen oder Künstlern, sondern von Institutionen. Da wäre zum einen der Haberkasten. Aus dem historischen Getreidespeicher von Mühldorf wurde 1996 ein Kulturzentrum, das seit Langem auch überregional kein Geheimtipp mehr ist. Vor allem dank seines exzellenten Musik- und Kleinkunstprogramms samt des beliebten Sommerfestivals im Juli, bei dem zum Beispiel 2017 Oscar-Preisträger Christopher Cross aufgetreten ist. Dort werden die 30 Jahre Haberkasten nun am 15. Juli von vielen Künstlern, die diese Erfolgsgeschichte begleitet haben, bei einem großen Festabend mit Gala-Dinner im überdachten Innenhof gefeiert. Angesagt haben sich Michael Altinger, Luise Kinseher, D’BavaResi, Wolfgang Krebs sowie Rad Gumbo & Günter Grünwald.
Genauso alt – manchen kommt es schon viel länger vor – wird das Münchner Lustspielhaus. Und wie es an dem wohl wichtigsten Kleinkunsttempel neben der Lach- und Schießgesellschaft Tradition ist, werden solche Anlässe mit einer Eigenproduktion gewürdigt. Die heißt Mord, Moral und Mortadella und liegt in den erfahrenen Händen von Gabi Rothmüller und Alex Liegl, und zu sich auf die Bühne holen sie Sonja Kling, Robert Blöchl & Roland Penzinger (alias BlöZinger), den Bud Spenzer Heart Chor unter der Leitung von Dominik Schauer und täglich wechselnde Stargäste.

Der Plot ist eine Gangsterfilm-Parodie: 30 Jahre sollen auch hier gefeiert werden, und zwar bei einem Fest zweier süditalienischer Mafia-Familien anlässlich des genauso lange währenden Friedens zwischen ihnen. Diabolische Vorfreude herrscht, denn natürlich werden zu dieser Gelegenheit – wenn sie nicht gerade singen, tanzen, beichten, streiten, schmachten, reimen oder kochen – die Messer gewetzt, die Revolver geladen und die Maschinenpistolen geölt: Nur ein Clan kann überleben! Ein Schelm, wer dabei nicht auch an südbayerische Verhältnisse denkt. Nach der Premiere am 29. Juli wird das Stück außer an Montagen und Dienstagen durchgehend bis zum 15. August gespielt.
Wem nun in München Angebot und Abwechslung fehlt, der könnte den einen oder anderen Ausflug nach Passau ins Auge fassen. Schon seit dem 8. und noch bis zum 26. Juli läuft dort an der Ortsspitze wieder das Eulenspiegel Zeltfestival. Da geben sich einige übliche Verdächtige, die sonst die Münchner Bühnen bevölkern, die Ehre, von Teresa Reichl (16. Juli) über Ringlstetter & Zinner (20. und 21. Juli) bis zu Claus von Wagner (25. Juli), garniert mit einem von Martin Frank moderierten „Fun-Facts“-Abend, Public Viewing oder einer Kunstnacht.

